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17 März 2015 | 12:54

Energiewende: Weg vom „Entweder–oder“-Prinzip

Die Debatte um Energiewende braucht Moderation, gleiche Argumentationsebene und Kompromissfähigkeit.

Die Debatte in der Gesellschaft über die Energiewende ist mindestens so alt, wie das gesamte Projekt – aber leider weit davon entfernt, für mehr Klarheit und damit für Konsens zumindest in wesentlichen Teilbereichen zu sorgen. Aus diesem Grund hatte das Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik (WZGE) mit Unterstützung des Lehrstuhls für Energiemanagement und Nachhaltigkeit der Universität Leipzig und mit Förderung der RWE Stiftung für Energie & Gesellschaft nunmehr bereits zum dritten Mal Studenten zu einer Akademie nach Leipzig eingeladen. Die Teilnehmer – in diesem Jahr wurde das Thema Dezentralität und Bürgerbeteiligung in den Fokus gestellt – kamen von 16 Universitäten und aus einem breit gefächerten Spektrum von Fachrichtungen: Sozial- und Politikwissenschaften waren ebenso vertreten wie künftige Ingenieure.

 

„Wir erleben es heute in der öffentlichen Debatte, dass die unterschiedlichen Interessengruppen ihre eigenen Sichten kompromisslos vorbringen und häufig die Argumente der ethischen gegen die der Sachebene in Stellung gebracht werden“, sagt Martin von Broock vom WZGE. Dann lässt sich aber keine gemeinsame Basis für einen Austausch finden. Im schlimmsten Fall entsteht eine Kakophonie, aus der bei einem so komplexen Problemfeld in der Öffentlichkeit mehr Verwirrung als Klärung übrig bleibe. Das Zusammenführen von ethischen Argumenten und Sachzwängen in der Debatte sei deshalb eine der Schlussfolgerungen der Akademie.

 

Nach einer Einführung in die energiewirtschaftlichen und wirtschaftsethischen Grundlagen setzten sich die Studenten mit den Argumenten verschiedener Praxisvertreter – von Bundesregierung, der Bürgerenergiegenossenschaft Vindtved, der RWE AG, der "100 prozent erneuerbar stiftung" sowie des Stadtwerkeverbunds 8KU – auseinander. Anschließend nahmen sie in einer Stakeholder-Simulation selbst die Rollen dieser Akteure ein. Dabei wurde deutlich, dass das Gelingen des „Gemeinschaftswerks Energiewende“ Kompromisse erfordert, für die vertrauensbildende Dialoge eine unabdingbare Voraussetzung sind.

 

In den durchgespielten Verhandlungen ergab sich für alle überraschend eine unerwartete Kooperationsperspektive zwischen großen Energieversorgern und Bürgerenergiegenossenschaft: Während letztere Akteursvielfalt und die für die Energiewende notwendige Akzeptanz vor Ort gewährleisten, verfügen große Versorger über Wissen und Ressourcen, die zum Erhalt der Versorgungssicherheit unabdingbar sind. Allerdings, so räumte Martin von Broock ein, spiegele sich diese inhaltliche Nähe in der realen Debatte bislang kaum wider: Er rate dazu zu mehr Kompromissfähigkeit und einer Abkehr vom üblichen Prinzip „Entweder – oder“ sowie zu einer kompetenten, neutralen Moderation, um die Interessen und Sichtweisen zusammen führen zu können. Zudem müsse für eine erfolgreiche Diskussion endlich eine einheitliche Definition und ein für alle akzeptables Leitbild der Energiewende gefunden werden. Nur auf dieser Grundlage, die bisher fehlt, lassen sich dann die Eckpunkte diskutieren und letztlich klare Bekenntnisse der Akteure gewinnen. (Manfred Schulze)

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