Black Gekko: RWE legt Block D still

Ans Netz gegangen ist Block D des Steinkohlekraftwerks Hamm nie. Wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit kommt nun das endgültige Aus.

Für 800 MW Leistung sollte Block D des Steinkohlekraftwerks Hamm (Black Gekko) konzipiert werden. Das hätte ausgereicht um rd. 1,5 Mio. Haushalte mit Strom zu versorgen. Doch bis auf einen kurzen Probebetrieb ist der Kraftwerksblock nie ans Netz gegangen. Nach zahlreichen Pannen und Verzögerungen haben der Vorstand der RWE AG und der RWE Generation SE nun die Reissleine gezogen. Die Fertigstellung der Anlage sei ökonomisch nicht zu vertreten, teilte der Energieversorger am vergangenen Freitagnachmittag mit.

Im Sommer 2008 war der Grundstein für das Steinkohlekraftwerk in Hamm gelegt worden, 2012 sollten beide Kraftwerksblöcke in Betrieb gehen. Doch die ursprüngliche Planung verzögerte sich massiv. Während Block E erst 2014 ans Netz ging, wurden die Arbeiten an Block D zu einem Fiasko. Immer wieder kam es zu Verzögerungen. Seit 2013 Salzsäure in den Kessel der Anlage gelangte, war das Schicksal des Kraftwerksblocks ungewiss. Der Kostenrahmen für das Kraftwerk musste mehrfach erhöht werden, die Investitionskosten stiegen auf rd. 2,5 Mrd. €. Gemäss der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" soll allein der jetzt stillgelegte Block D rd. 1 Mrd. € gekostet haben. Diese Erhöhung der Investitionskosten haben gemäss RWE die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerksblocks deutlich verschlechtert. Gleichzeitig hätten sich die Strom-Großhandelspreise in einem geänderten energiepolitischen Umfeld mehr als halbiert. Eine Reparatur der Anlage sei umfassend geprüft worden. Sie wäre nur unter Inkaufnahme erheblicher weiterer Verzögerungen und technischer Unwägbarkeiten möglich gewesen, schreibt RWE in seiner Medienmitteilung.

Zur Übernahme der Kosten, die durch die gravierenden, von RWE nicht zu vertretenden Sach- und Verzögerungsschäden entstanden seien, liefen derzeit Gespräche mit der Versicherung. Ansprüche auf Ersatz eines Teils des verzögerungsbedingten Schadens richten sich gegen den Hersteller des Dampferzeugers, die Firma Alstom. Konkrete Angaben zum Umfang des wirtschaftlichen Schadens können gemäss RWE deshalb noch nicht abschließend gemacht werden.

Der Essener Energiekonzern ist ab Januar 2016 Alleineigentümer des Steinkohlekraftwerks Hamm. Erst vor einigen Wochen hatten sich die bisher beteiligten 23 Stadtwerke mit RWE auf einen Ausstieg aus dem Projekt geeinigt.  Die beteiligten Stadtwerke hatten insgesamt rd. eine halbe Mrd. € in das Kraftwerk investiert, einen Großteil davon mussten respektive müssen sie noch abschreiben. (hoe)