Karin Pittel (Ifo Zentrum für Energie, Klima und erschöpfbare Ressourcen), Leonhard Birnbaum (Eon), Rainer Baake (BMWi), Ulrich Benterbusch (Moderator), Fatih Birol (IEA) bei der Vorstellung des World Energy Outlook in Berlin am Mittwochnachmittag. Bild: hcn

Verteilnetze in den Fokus rücken

Die Bedeutung der Verteilnetze für die Umsetzung der Energiewende muss von der Politik ernster genommen werden, fordert Leonhard Birnbaum, Eon-Vorstand.

„Energiewende und Sektorenkopplung finden in den Verteilnetzen statt, doch die Politik hat das bisher nicht ausreichend im Fokus“. Dies unterstrich Birnbaum bei einer Podiumsdiskussion im Bundeswirtschaftsministerium anlässlich der Vorstellung des World Energy Outlook der Internationalen Energieagentur (IEA) in Berlin. Es sei zwar begrüßenswert, dass die Verteilnetzbetreiber auf europäischer Ebene bald besser repräsentiert sein sollen, doch sei die vorgesehene Beteiligung noch ungenügend, so Birnbaum gegenüber der ZfK. Das oft beschworene intelligente Netz müsse auch auf der Verteilebene durch die Anreizregulierung entsprechend gefördert werden. So sei es anachronistisch, dass beispielsweise regelbare Ortsnetztrafos (RONT) nicht flächendeckend angereizt würden. Die nationale und europäische Politik unterschätze den enormen Investitionsbedarf für die Verteilnetze, so Birnbaum, der auch Vice Chair Europe des World Energy Council ist.

Staatssekretär Rainer wies auf die Erfolge beim Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland hin und verwies auf die zunehmende Bedeutung von Flexibilisierung und Sektorenkopplung. Mit dem neu beschlossenen Klimaschutzplan haben man für alle Sektoren ambitionierte Klimaschutzziele festgelegt und so auch Planungssicherheit für die betroffenen Sektoren geschaffen. „Allerdings steht derzeit unser gesamtes Stromtarif- und Abgabensystem einer Sektorenkopplung entgegen. Dies ist ein großes Rad, wo wir noch weiterdrehen müssen“, räumte Baake ein. Im Übrigen dürfe Energieeffizienz nicht gegen die weitere Elektrifizierung des Energie- und Transportsektors ausgespielt werden, sondern sei unverzichtbar, betonte er. Auch bei einer weiteren Elektrifizierung des Energiesektors sei Energieeffizienz unverzichtbar, unterstrich er.

Zuvor hatte IEA Exekutivdirektor Fatih Birol bei der Präsentation des World Energy Outlook unterstrichen, dass weltweit wesentlich mehr Anstrengungen unternommen werden müssen, um die die globale Erwärmung auf maximal 2 Grad Celsius zu begrenzen. Gleichzeitig dankte er Deutschland für seine „First Mover“-Rolle beim Ausbau der erneuerbaren Energien und dem Klimaschutz. Knackpunkt sei nun die erfolgreiche Systemintegration und die Sektorenkopplung.

„Auch die Bundesregierung bleibt beim Klimaschutz weit unter Plan und stellt die Weichen falsch“, kritisierte allerdings Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Deutschland bremse ausgerechnet jetzt den Ausbau der erneuerbaren Energien, wo andere Staaten wie China oder Indien den Umstieg forcierten. (hcn)