Das Niederspannungsnetz wird teilweise hoch belastet. Bild: ZfK-Hi

Dezentrale müssen netzverträglich sein

Der VDE|FNN hat vier Thesen für eine technisch erfolgreiche Energiewende in der Niederspannung veröffentlicht.

2014 waren erneuerbare Energien zum ersten Mal wichtigster Energieträger im deutschen Strommix. Ein großer Teil des Stroms aus erneuerbaren Energien wird von hunderttausenden dezentralen Erzeugungsanlagen eingespeist, die an das Niederspannungsnetz angeschlossen sind. Diese Anlagen müssen netzverträglich ans Netz angeschlossen werden – das stellen die Technischen Anschlussbedingungen sicher. Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (FNN) hat in diesem Zusammenhang im Rahmen des 8. TAB-Fachforums* in Berlin vier Thesen für eine erfolgreiche Energiewende in der Niederspannung vorgestellt:

1. Die Weiterentwicklung der technischen Mindestanforderungen als bundesweit einheitlich Technische Anschlussregeln (TAR) bietet Vorteile für Netzbetreiber, Hersteller und das Elektrohandwerk. Die Netzbetreiber sind verpflichtet, ihre technischen Anschlussbedingungen zu veröffentlichen. Diese enthielten bisher sowohl technische als auch organisatorische Vorgaben. Der technische Teil wird in Zukunft herausgelöst und zentral beim Forum Netztechnik/Netzbetrieb inhaltlich diskutiert und festgelegt und anschließend als VDE-Anwendungsregel in das VDE-Vorschriftenwerk übernommen. Das sorgt für Transparenz bei Netzbetreibern, Herstellern, Elektrohandwerk und nicht zuletzt auch für die Kunden.

2. Die Technischen Anschlussregeln sind zügig und vorausschauend weiter zu entwickeln. Beispiel Photovoltaik: Die Mehrzahl der mittlerweile rd. 1,5 Mio. Anlagen ist in der Niederspannung angeschlossen. Nur noch für rund ein Drittel des in den nächsten zehn Jahren geplanten Zubaus von Photovoltaik-Anlagen ist eine Festlegung technischer Anforderungen im notwendigen Umfang möglich. Grundlage dieser Einschätzung ist der neueste Netzentwicklungsplan, nachdem von den bis 2024 geplanten 35 GW Photovoltaik-Leistung bereits 24 GW installiert sind.

3. Ohne Technische Anschlussregeln (TAR) kein sicherer Systembetrieb. In einer Erzeugungswelt mit weniger Großkraftwerken und stark steigender dezentraler Erzeugung sind erneuerbare Energien bereits heute an bestimmten Tagen systemrelevant. Technische Anschlussregeln sind daher heute wichtiger als je zuvor. Nur wenn die Anlagen nach vorausschauend abgestimmten Regeln angeschlossen werden, kann das System weiter auf dem gewohnt hohen Zuverlässigkeitsniveau funktionieren. Nachrüstungen wie beim 50,2 Hertz-Problem sollen im Sinne aller vermieden werden.

4. Für den Erfolg der Energiewende ist es unabdingbar, dass Netzbetreiber, Elektrohandwerk und Hersteller eng zusammenarbeiten. Technische Regeln helfen nur dann, wenn sie flächendeckend umgesetzt werden. Daher ist eine enge Abstimmung zwischen Elektrohandwerk, Herstellern und Netzbetreibern unverzichtbar. Ludger Meier, Vorsitzender des Vorstands beim Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VEE (FNN), erklärt dazu: "FNN ist eine ganz wesentliche Instanz bei der technischen Umsetzung der Energiewende, die die Entwicklung eines technisch sicheren Gesamtsystems im Blick hat. Wir organisieren die TAB-Fachforen, weil es auf den Dialog zwischen Netzbetreibern und Handwerk ankommt." Walter Tschischka, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), ergänzt: "Den E-Handwerken kommt bei der erfolgreichen Umsetzung der Energiewende eine besondere Rolle zu. Sie liefern Lösungen zur Steigerung der Energieeffizienz sowie zur verstärkten Einbindung der dezentralen Energieerzeugung und von modernen Speichertechnologien." (hi)

*Das TAB-Fachforum ist eine bundesweite Veranstaltung, bei der sich Elektrohandwerk, Hersteller und Netzbetreiber gemeinsam über Technische Anschlussregeln austauschen. Es findet alle zwei Jahre in mehreren Städten Deutschlands statt.