Flexiblere und kommunikativere Netze nötig

Vom Netz zum System lautet nicht nur das Motto des 19. Fachkongresses Netztechnik in Nürnberg. Auch das Thema Anreizregulierung spielte eine Rolle.

"Das Netz der Zukunft muss vor allem flexibler, kommunikativer und damit intelligenter sein als heute", sagte Dr. Stefan Küppers, Vorstandsvorsitzender des Forums Netztechnik/Netzbetrieb (FNN) im Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) vor den 800 Fachbesuchern des Branchenkongresses. Auf dem 19. Fachkongress Netztechnik stand vor allem der intelligente Netzausbau neben der Weiterentwicklung der technischen Anschlussregeln (TAR) im Mittelpunkt des ersten Tages in Nürnberg.

Heike Kerber, Geschäftsführerin des Forums Netztechnik/Netzbetreib im VDE (VDE|FNN) strich hervor, 2015 habe man bereits einen Meilenstein erreicht. Erstmals sei der Anteil von Strom aus Erneuerbaren deutlich über mehr als 25 % am Bruttostromverbrauch. Allerdings dürfe man sich auf dem Erreichten nicht ausruhen: Geht es nach der Politik, soll der Anteil auf 40 % am Bruttostromverbrauch bis 2025 anwachsen und bis 2050 gilt es 80 % zu integrieren. "Der Zeitpunkt der Entscheidungen ist jetzt", so Kerber. Lösungen für ein von erneuerbaren Energien dominiertes Stromversorgungssystem müssen jedoch noch entwickelt werden. Die Anforderungen sind komplex. Auch in Hinblick auf die Definition der technischen Anschlussregeln (TAR).

Es gehe nicht mehr um den reinen Netzausbau oder den punktuellen Austausch einiger Betriebsmittel, sondern das Netz müsse intelligenter werden. Ob die Anreizregulierung der richtige Weg zu intelligenten Netzen sei, hält Dr. Küppers für unwahrscheinlich. Stellung zur Anreizregulierung bezog Gerlind Heckmann, Ministerin aus dem Bundeswirtschaftsministerium: Man nehme die Bedenken der Branche ernst, derzeit arbeite man an einem Kompromissvorschlag, so ihr Statement. Der Zeitverzug soll abgeschafft werden. Man bestehe aber weiterhin auf Anreize, das Netz so effizient wie möglich zu machen und so wenig Kosten wie nötig zu verursachen. Auch sie mahnt angesichts der noch ausstehenden Verabschiedungen, etwa beim Digitalisierungsgesetz, wir müssen jetzt vorankommen.

Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE stellte darüber hinaus seine neue Roadmap zur Weiterentwicklung der Netze vor, in der die technischen Anschlussregeln die nächsten drei Jahre weiterentwickelt werden sollen. Das FNN sieht drei zentrale Herausforderungen für ein Energiesystem, das auf Erneuerbaren basiert: "Vom Netz zum System", "Sicherer Systembetrieb mit dezentralen Erzeugungsanlagen", "Sicherer Systembetrieb mit Informations- und Kommunikationstechnologien".

Das künftige intelligente Messsystem wird etwa beim Thema Flexibilitätsoptionen eine ganz entscheidende Bedeutung haben, so Küppers. Anlagen müssen zudem mehr Verantwortung übernehmen. Künftig müsse man genau definieren, inwiefern die Wechselrichter der dezentralen Anlagen mit welchen Ergänzungen netzstabilisierende Eigenschaften in Zukunft bereitstellen können. Schließlich werden die rotierenden Massen im Netz künftig deutlich weniger sein. Zum anderen stellt sich die Frage, ob die Trennung von Büro- und Prozesskommunikation weiter aufrecht erhalten bleibt – vor allem im Hinblick auf IT-Sicherheit. "Vernetzung kommt und muss sein", so Küppers. Seiner Überzeugung nach, werde man aber an der Trennung festhalten. (sg)