Nur eine HGÜ-Leitung bauen

Nach Meinung von CSU-Energieexperten Göppel reicht Südlink für die Versorgung von Bayern.

Die geplanten Gleichstromtrassen quer durch Deutschland sind im bayerischen Energiedialog heiß umstritten: Der CSU-Energieexperte Josef Göppel schlägt nun in einem Brief an das Bayerische Wirtschaftsministerium vor, nur die in der Fachwelt unumstrittene Südlink-Leitung von Schleswig-Holstein nach Bayern zu bauen.

Diese sei als Verlängerung der Leitung von Norwegen nach Schleswig-Holstein zu sehen, die derzeit im Bau ist. Die norwegischen Wasserspeicherkraftwerke könnten Schwankungen der erneuerbaren Eigenerzeugung so weit auffangen, dass die Versorgungssicherheit im Süden Deutschlands voll gewährleistet sei. Die Leistung von 6 GW sei ausreichend um die gesicherte Leistung aller bayerischen Atomkraftwerke zu ersetzen.

Auch zum Verlauf der Leitung hat Göppel einen Vorschlag: Er regt an, die Leitung entlang der Autobahn A 7 bis Grundremmingen in der Erde zu verlegen. "Grundremmingen ist die günstigste Gelenkstelle in das bayerische und baden-württembergische Netz. Damit wäre der zweite Korridor von Sachsen-Anhalt quer durch Bayern endgültig überflüssig.“

Die Möglichkeit der Erdverkabelung entlang der A7 sei nicht ausreichend geprüft, sagt Göppel. Weltweit seien bereits rund 4000 km in Gleichstromleitungen in Erdkabeltechnik gebaut, ca. 3000 km als Seekabel und über 1000 km als Landkabel, fast die Hälfte davon in Deutschland. Seekabel sind gepanzerte Erdkabel, die unter weit extremeren Bedingungen verlegt würden als Landkabel. Für die geplante Anbindung Deutschlands an Norwegen per Seekabel (Norger-Projekt) seien drei Jahre Bauzeit, eine Leistung von 1,5 GW und Kosten von 1,4 Mrd. € für 623 km, also 2300 €/m veranschlagt. Ein baugleiches Kabel in die Niederlande existiere schon. Die Kostenschätzung basiere also auf tatsächlichen Erfahrungswerten. Ein Gutachten im Auftrag des Netzbetreibers Tennet beziffere die Kosten für eine Gleichstrom-Freileitung in Schleswig-Holstein auf 2100 €/m.

„Angesichts der Erfahrungen mit Seekabeln ist für mich nicht nachvollziehbar, dass die Netzbetreiber immer noch behaupten, die Erdverkabelung koste acht- bis zehnmal so viel. Die Verlegung in bundeseigenem Grund, etwa entlang der A 7, würde die Kosten weiter verringern. Dafür beträgt die Lebensdauer von Erdkabeln ca. 10 Jahre mehr, die Wartungskosten liegen niedriger und die Gefahr von Schäden durch Extremwetterereignisse ist vernachlässigbar. Das Landschaftsbild bleibt erhalten.“ (al)