Das deutsche Stromnetz muss für die Energiewende weiter ausgebaut werden. Bild: Mitnetz Strom

Redispatch stark angestiegen

Der Monitoringbericht 2013 der Bundesnetzagentur und des Bundeskartellamts offenbart einen Anstieg um 42 %.

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) und das Bundeskartellamt haben gestern (19. Dezember 13) den Monitoringbericht 2013 veröffentlicht. Auffallend ist dabei der hohe Zuwachs an Maßnahmen seitens der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) und Verteilnetzbetreiber (VNB), um die Netze stabil zu halten. Die strom- und spannungsbedingten Redispatch-Maßnahmen der ÜNB (§ 13 Abs. 1 EnWG) beliefen sich im Berichtsjahr 2012 auf 7160 h. Dies entspricht einer Steigerung um 42,3 % gegenüber 2011 (5030 h). Die Maßnahmen umfassten dabei im Berichtsjahr 2012 ein Gesamtvolumen von 2566 GWh und betrafen im Wesentlichen die Regelzonen von TenneT und 50Hertz.

Darüber hinaus haben zwei ÜNB an vier Tagen über insgesamt zwölf Stunden Anpassungsmaßnahmen nach § 13 Abs. 2 EnWG durchgeführt. Dabei erfolgte eine Reduzierung von Stromeinspeisungen um eine maximale Leistung von 4805 MW und insgesamt eine Arbeit von 15 594 MWh. Weiterhin haben sieben Verteilnetzbetreiber (VNB) an 254 Tagen über 1649 h Anpassungsmaßnahmen nach § 13 Abs. 2 EnWG durchgeführt. Es wurden Stromeinspeisungen um eine maximale Leistung von 87 MW und insgesamt eine Arbeit von ca. 5935 MWh reduziert. Bei Unterstützungsmaßnahmen von dreizehn Verteilernetzbetreibern nach § 13 Abs. 2 und § 14 Abs. 1a EnWG kam es an 4 Tagen über 12 h zu einer Reduktion von Stromeinspeisungen um eine maximale Leistung von 326 MW und eine Gesamtsumme der Arbeit von ca. 4535 MWh.

Im Vergleich zum Jahr 2011 (421 Mio. kWh) verringerte sich die Menge der Ausfallarbeit, die durch Einspeisemanagementmaßnahmen (EMM) nach § 11 EEG verursacht worden ist, um 8,5 % auf 385 Mio. kWh. Neben einzelnen Netzausbaumaßnahmen war die insgesamt günstige Wetterlage (kein Zusammentreffen von Extremeinspeisewerten bei der Photovoltaik und der Windkraft) im Berichtsjahr 2012 mit verantwortlich für den Rückgang der durch Einspeisemanagement entstandenen Ausfallarbeit.

Wie in den Vorjahren waren auch im Berichtsjahr 2012 Windkraftanlagen mit einem Anteil von 93,2 % an der gesamten Ausfallarbeit am stärksten von EMM betroffen (2011: 97,4 %). Der Anteil der Solaranlagen lag im Berichtsjahr 2012 bei 4,2 % und hat sich somit im Vergleich zum Jahr 2011 (0,6 %) versiebenfacht. Die Summe der Entschädigungszahlungen ist mit ca. 33,1 Mio. € (2011: 33,5 Mio. €) trotz des Rückgangs der Ausfallarbeit durch die Zunahme der Abregelung von Solaranlagen nahezu konstant geblieben.

Ferner bekundet der Monitoringbericht, dass die Endkundenpreise deutlich angestiegen sind. Bei den Gewerbekunden ist eine durchschnittliche Steigerung des Gesamtpreises um 11,9 % auf 26,74 ct/kWh zu beobachten. Der durchschnittliche Gesamtpreis für Industriekunden stieg im Vergleich zu den anderen Kundensegmenten etwas weniger stark. Er erhöhte sich durchschnittlich um 8,8 % auf nunmehr 17,17 ct/kWh. Die höchsten Preissteigerungen sind im Haushaltskundensegment zu verzeichnen. Hier ist gegenüber dem Jahr 2012 mit Stichtag 1. April 2013 der Durchschnittspreis für Haushaltskunden in der Grundversorgung um 13,2 % auf 30,11 ct/kWh angestiegen. Dies ist der höchste Anstieg innerhalb von sieben Jahren.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) wies in einer Pressemitteilung darauf hin, dass der Monitoringbericht die problematische Marktsituation für Gaskraftwerke belege. Obwohl diese mit ca. 26 % den größten Anteil am konventionellen Kraftwerkspark ausmachen, gehen die Erzeugungsanteile immer weiter, auf etwa 14 % im Bereich der nicht erneuerbaren Erzeugung, zurück. Dagegen steigt die Stromerzeugung aus Stein- und Braunkohle. Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU): „Gerade die flexiblen und umweltfreundlichen Kraftwerke kommen nicht an den Markt, während die alten Kraftwerke mit hohen CO2-Emissionen im Geld sind. Dieses Ungleichgewicht ist vor allem auf den dysfunktionalen Emissionshandel zurückzuführen." Hier müsse etwas geschehen, der Koalitionsvertrag gehe nicht weit genug. Wenn auf EU-Ebene kurzfristig keine wirksame Reform des Emissionshandelssystems durchgeführt werde, müsse man über nationale Maßnahmen nachdenken.

Der Monitoringbericht zeige zudem, dass die Investitionen und Aufwendungen der Verteilnetzbetreiber deutlich zurückgegangen seien – von 6930 Mio. € in 2011 um 925 Mio. € in 2012. Durch die gestiegenen vorgelagerten Netzkosten der Übertragungsnetzbetreiber und die Erweiterungsinvestitionen seien gleichzeitig die Erlösobergrenzen angestiegen und somit auch die Netzentgelte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Hier wird der Effekt des Basisjahres in der Anreizregulierung deutlich – wir sind hier auf bestem Wege in eine regulatorisch vorbestimmte Fünf-Jahresplanung. Auch die Investitionszurückhaltung der Verteilnetzbetreiber aufgrund fehlender Anreize zur zeitnahen Refinanzierung der Netzinvestitionen lässt sich an den vorgelegten Zahlen ablesen. Nur dort, wo es keinen Zeitverzug gibt, wird investiert, so wie es die Energiewende erfordert“, fasst Reck die Ergebnisse zusammen. Der VKU begrüßt daher ausdrücklich, dass im Koalitionsvertrag für die Verteilnetze die Notwendigkeit von erheblichen Investitionsvolumina für die intelligente Systemintegration der erneuerbaren Energien (EE) gesehen wird und dafür Rahmenbedingungen geschaffen werden sollen.

Der Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) thematisiert, wie massiv mittlerweile in die Fahrweise von Kraftwerken und Speichern eingegriffen werden muss, um die Stromnetze vor einer Überlastung zu schützen. "Dies unterstreicht die Dringlichkeit des Netzausbaus insbesondere in Nord-Süd-Richtung. Das Stromnetz in Deutschland steht in einigen Regionen unter erheblichem Stress", sagte Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Der Bericht veranschauliche darüber hinaus, dass die Netzbetreiber im Zuge der Energiewende große Summen in den Betrieb, den Erhalt und den Ausbau der Netzinfrastruktur investierten. Nachdem in den letzten Jahren Kostensenkungspotenziale ausgeschöpft worden seien, stiegen nun die Netzentgelte durch die hohen Investitionen für die Integration der erneuerbaren Energien in den Übertragungs- und Verteilnetzen wieder an. Immer deutlicher würden dabei auch die regional sehr unterschiedlichen Belastungen der Netzbetreiber durch die energiepolitischen Herausforderungen. "Der Regulierungsrahmen muss deshalb aus unserer Sicht differenziert weiter entwickelt werden. Auch bei der aktuellen Netzentgeltsystematik im Strombereich sind Anpassungen erforderlich, um Fehlanreize und eine Entsolidarisierung zu vermeiden. Die im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD angekündigte Verbesserung der Investitionsbedingungen für Verteilnetzbetreiber dürften nicht auf die lange Bank geschoben werden", so Müller.

Der Monitoringbericht kann auf den Seiten der Bundesnetzagentur heruntergeladen werden. (al)