Stadtwerke gehen gegen Enervie-Netzentgelte vor

Die Energieversorgung Ihmert (EVI) aus NRW ist von der Netzentgelterhöhung der Enervie Asset Network (EAN) aus Hagen "besonders hart" betroffen.

Nachdem sich die Bundesnetzagentur und die Enervie-Gruppe zuletzt auf einen Kompromiss bei der umstrittenen Inselnetzsituation im Enervie-Netzgebiet geeinigt hatten, kündigte Stromnetzbetreiber EAN nun erheblich steigende Entgelte für das Netz zum 1. Januar an.

Besonders betroffen sind nach eigenen Aussagen die Kunden der Energieversorgung Ihmert (EVI), ein Stadteil der nordrhein-westfälischen Stadt Hemer, die zu 100 % Strom aus dem EAN-Netz bezieht. Als Grund für die Kostensteigerung habe Enervie das Abschaltverbot und somit den zwangsweisen Einsatz von Kraftwerken genannt. Dieser Einsatz sei nötig, um Engpässe im Übertragungsnetz der Amprion GmbH auszugleichen und so die Versorgungssicherheit aller Netzkunden zu gewährleisten.

Kunden der EVI müssten demnach für einen privaten Durchschnittshaushalt eine jährliche Mehrbelastung von 88 € zahlen. Auch andere Städte wie Iserlohn und Schwerte sind von der Erhöhung der Netzentgelte betroffen, aber nicht in solch starkem Ausmaß, beklagt Monika Otten, Geschäftsführerin der Stadtwerke Hemer GmbH, die Muttergesellschaft der 100%-Tochter EVI. Ihr zufolge erhöhen sich die Netzentgelte der EVI-Haushaltskunden um 45 %, das würden 8,14 ct/kWh statt wie bisher 5,62 ct/kWh bedeuten. Bei den Sonderkunden betrage die Erhöhung 50 %.

Michael Esken, Bürgermeister von Hemer, befürchtet, dass die erhöhten Stromkosten auch erhebliche Auswirkungen auf Industriekunden haben werden. Er sieht einen "eklatanten Standort- und Wettbewerbsnachteil" für die Unternehmen in der Region. "Warum sollen hier in Südwestfalen andere Regelungen gelten als in der übrigen Republik? Was ermutigt die Bundesnetzagentur, einen so erheblichen Wettbewerbsnachteil für diese Region auszusprechen?", fragt er.

Stadtwerke-Geschäftsführerin Otten bewertet es als ungerecht, dass "dieser Kraftwerks-Soli" nur auf wenige Netzgebiete in Südwestfalen umgelegt wird, statt auf das gesamte Übertragungsnetz. Damit wäre der Beitrag jedes einzelnen Kunden wesentlich geringer und gleichmäßiger auf vielen Schultern verteilt. "Die rechtliche Grundlage für diese Entscheidung bleibt völlig unklar und wird rechtlich zu prüfen sein, kündigte sie an. Man werde umgehend alle rechtlichen Schritte prüfen, um gegen diese einseitige Belastung vorzugehen. Auch wenn man jetzt dazu angehalten sei, die Erhöhung zunächst an alle Netzkunden weiterzugeben. (sg)