Tacheles April 2012

Andreas Mundt, Klaus-Dieter Maubach und Klaus Töpfer

 

»Sorgen macht uns auch die missbräuchliche Festsetzung der Konzessionsabgabe auf Gas zur Marktabschottung.
Wo wir marktbeherrschende Unternehmen abgemahnt haben, stellen wir hohe Loyalitätseffekte zu deren Gunsten fest, vor allem,
wenn sie einer einzigen Kommune gehören.«


Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, kann es beim Branchentreffen Gas (21./22. März, Berlin; ICG Innovation Congress) nicht verwinden, dass Stammkunden noch näher an ihr Stadtwerk heranrücken, nachdem es in Sachen Konzessionsabgabe auf Gas abgemahnt wurde. Der bekannteste Fall GAG Ahrensburg ist mittlerweile beim Bundesgerichtshof anhängig.

 

 

 


»In fünf Jahren wird
niemand mehr
für ein deutsches
Photovoltaik-Unternehmen arbeiten. Sie werden
 alle pleite sein. «


Klaus-Dieter Maubach, Mitglied des Vorstands der Eon AG erinnerte beim „Bloomberg New Energy Finance Summit“ (19.–21. März, New York) daran, dass die steigende Produktion von Solarzellen und Modulen in China die Preise für Solarmodule schnell sinken ließ. Damit seien deutsche Hersteller nicht mehr wettbewerbsfähig. Nach einer Studie des Bundesumweltministeriums arbeiten derzeit ca. 125 000 Menschen direkt oder indirekt in der deutschen Solarindustrie, wobei 111 000 Personen der Photovoltaik zuzurechnen sind. Der Solarindustrie als einer der stärksten Sektoren folgen: Die Biomasse-Branche mit rd. 124 000, der Windkraft-Sektor mit rd. 100 000 Beschäftigten.

 

 

»Das zweite Jahr der Energiewende muss besser genutzt werden als das erste. Bisher ist es bei diesem Gemeinschaftssprojekt nicht
 so gelaufen, wie es hätte
 laufen müssen. «


Prof. Dr. Klaus Töpfer, Exekutivdirektor des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS), Potsdam, nennt als Beispiel für fehlende Fortschritte den Kraftwerksbau. „Wir brauchen zehn zusätzliche Gaskraftwerke. Die Rahmenbedingungen sind derzeit nicht so, dass irgendjemand bereit wäre, zu investieren“, illustrierte er das Problem in einem Interview mit den „Südkurier“. In einem eigenen Energieministerium sieht er nicht den Königsweg. Die Energiewende müsse von der Bundesregierung insgesamt umgesetzt werden, mit besonderem Engagement der Kanzlerin.