Tacheles - Dezember 2012

Oliver Krischer, Hans-Joachim Reck und Robert Habeck reden Klartext

»In den 70er und 80er Jahren wurde das Netz massiv
ausgebaut, ohne dass etwa die Kosten Gegenstand öffentlicher Diskussionen gewesen wären. Das wurde einfach gemacht.«


Oliver Krischer, Sprecher für Energiewirtschaft der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, stellt in der Berliner Zeitung einen historischen Vergleich seines Bundestagsbüros vor. So wollten die Grünen wissen, wie schnell das Netz wuchs, als die meisten Atomkraftwerke anliefen. Dazu addierten sie die Statistiken der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke aus jenen Jahren. Heraus kam folgendes Ergebnis: von 1970 bis 1993 sei das Stromnetz um 34 000 km auf 84 000 km angewachsen. Krischer zufolge eine gigantische Subvention der Atomkraft. Heute hingegen dienten 3 800 km Netzausbau als Argument, den Ausbau erneuerbarer Energien in Frage zu stellen.



»Ich will aber auch ganz klar sagen: Mit dem EEG geht es so nicht weiter. Es ist ein einfaches Rechenexempel, dass wir die angestrebten 80 % erneuerbaren Stroms im Jahre 2050 nicht über eine EEG-Umlage finanzieren können. «

Hans-Joachim Reck,  Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), kritisierte auf dem 13. VKU-Stadtwerkekongress in Mannheim das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Vor dem Hintergrund eines geradezu explosionsartigen Zubaus von PV-Anlagen müsse jetzt eine Weiterentwicklung stattfinden. Ansonsten drohe die PV zur Archillesferse der Energiewende zu werden. Gerade wegen der sozialen Dimension müsse etwas geschehen. So treffe jede Strompreiserhöhung einkommensschwache Haushalte stärker als andere.



»Eine komplette Verkabelung wäre eine Stromautobahn ohne Autobahnauffahrten.«


Robert Habeck,  Schleswig-Holsteins Energiewendeminister (Grüne) beschreibt bei einer Gesprächsrunde über die Weststromtrasse in Husum so das Hauptproblem bei der Verkabelung. Er reagiert damit auf die Aussage Ingo Rennerts, Aufsichtsratsvorsitzender der Infranetz AG, der meint, er könne die Westküstenleitung, eines der zentralen Vorhaben beim Netzausbau in Deutschland, verkabelt für 780 Mio. € bauen. Um was es aber gehe, seien die gewaltigen Mengen an Windenergie, die schon jetzt im Norden und besonders an der Westküste produziert werden, ohne große Verluste zu sammeln und in den Süden zu leiten, so Habeck. Und all dies müsse rasch gehen. Deswegen hat auch die Kieler Landesregierung aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband gerade den Netzausbau zu einem ihrer wichtigsten Projekte erklärt.