Die Thüringer Strombrücke wurde in zweieinhalb Jahren realisiert. Das Bild zeigt den Mastaufbau in der Nähe des Pumpspeicherkraftwerks Goldisthal (links) am Rennsteig. Bild: Leßner

Thüringer Strombrücke partiell in Betrieb

Die Übertragungsnetzbetreiber haben Wort gehalten: Die südliche Verbindung zwischen dem Netzgebiet Tennet und 50Hertz ist aufgebaut.

Ab heute funktioniert eine neue Höchstspannungsleitung zwischen Thüringen nach Franken. Sie kommt vor allem der regionalen Versorgungssicherheit Nordbayerns zugute, berichtet der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Tennet. Der bayerische Abschnitt der für die Stromversorgung Deutschlands strategisch wichtigen Höchstspannungsleitung von Lauchstädt in Thüringen nach Redwitz in Oberfranken ist fertiggestellt. Auf thüringischer Seite hat der dort zuständige Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz die Fertigstellung eines Stromkreises vorgezogen. Damit geht die gesamte Stromleitung ab heute teilweise in Betrieb.

„Die neue Leitung ist ein wesentlicher Beitrag zur Versorgungssicherheit Bayerns“, sagte Lex Hartman, Mitglied der Geschäftsführung von Tennet. Er begrüßte, dass die Stromverbindung nun zumindest teilweise bereits vor den Wintermonaten den Engpass beim Stromtransport aus dem Nordosten in den Süden und Südwesten Deutschlands entlasten könne.

Bayerns Energieministerin Ilse Aigner erklärte: „Die Inbetriebnahme des ersten von zwei Stromkreisen der Strombrücke ist ein wichtiger Meilenstein der Energiewende. Die Leitung entschärft den höchstbelasteten Netzengpass Deutschlands erheblich. Hierzu hat nicht nur die Rekordbauzeit von elf Monaten beigetragen, sondern auch das zügige und rechtlich einwandfreie Planfeststellungsverfahren durch die Regierung von Oberfranken.“

Mit insgesamt zweieinhalb Jahren von der Vorbereitung der Unterlagen über das Genehmigungsverfahren bis zum Bau sei ein Benchmark für den Netzausbau gesetzt worden, so Hartman. Hartman erwartet, dass die Inbetriebnahme der Verbindung auch einen eindämmenden Effekt auf das Netzengpassmanagement haben werde. Mit diesen Maßnahmen wird das Stromnetz stabilisiert. Dazu gehören Eingriffe in die Erzeugung von konventionellen Kraftwerken (Redispatch) und auch von erneuerbare Energien-Anlagen sowie die Sicherung von Reservekapazität.

Im Netzgebiet von Tennet werden sich diese Kosten 2015 auf voraussichtlich insgesamt ca. 500 Mio. Euro belaufen. Sie werden letztlich von den privaten, gewerblichen und industriellen Verbrauchern getragen. Die neue Stromleitung entlastet die bislang einzige schon bestehende Verbindung zwischen Remptendorf in Thüringen und Redwitz in Nordbayern, die heute deutschlandweit eine der am stärksten von Engpässen bedrohten Leitungen ist. Ein großer Teil der Eingriffe, mit denen Tennet das Stromnetz stabilisiert, findet wegen der hier bestehenden Engpässe statt. Allein im ersten Halbjahr 2015 lag das Volumen der deswegen ausgelösten Eingriffe in die konventionelle Erzeugung (Redispatch) bei rund 3400 Mio. Kilowattstunden.
 
Tennet verantwortet den Abschnitt der Leitung von der Landesgrenze Bayern/Thüringen bis nach Redwitz (rund 30 Kilometer). Auf thüringischer Seite wurde jetzt der Abschnitt zwischen Altenfeld und der Landesgrenze zu Bayern (26 Kilometer) teilweise fertig gestellt; zwei weitere Abschnitte wurden bereits früher fertig gestellt (Lauchstädt – Erfurt-Vieselbach, 78 Kilometer, sowie Vieselbach – Altenfeld, 57 Kilometer). (al)