Es geht um den Smart Meter (von links): Dr. Michal Sobotka, Projektleiter GW Adriga; Achim Zerres, Bundesnetzagentur; Thomas Kästner, Geschäftsführer Stadtwerke Schweinfurt. Bild: Hoeren

Unmut über Bundesnetzagentur

Der bevorstehende Smart-Meter-Roll-Out sorgt beim Stadtwerke-Kongress von Euroforum für lebhafte Diskussionen.

"Jeder Euro, den wir an die Rechtsanwälte von Becker Büttner Held zahlen, müsste eigentlich die Bundesnetzagentur übernehmen." Mit diesen Worten machte Dr. Ronald Heinze, der Geschäftsführer der Stadtwerke Rhede, gestern am ersten Tag des Euroforum-Stadtwerkekongresses in Berlin seinem Ärger Luft. Viel zu oft würden maßgebliche Gesetze und Verordnungen mit der heißen Nadel gestrickt, die Zeche müssten oft die Stadtwerke zahlen. Als Beispiel nannte er den Entwurf des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende und die dort vorgesehene Übertragung der Datenhoheit von den Verteilnetz- auf die Übertragungsnetzbetreiber.

Zuvor hatte Achim Zerres, Abteilungsleiter Energie bei der Bundesnetzagentur sich für eine Beibehaltung der im Gesetzentwurf vorgesehenen Aufgabenverteilung ausgesprochen. Diese ermögliche unter anderem eine schnellere Abrechnung, so Zerres. "Die Verteilnetzbetreiber werden weiterhin die Daten erhalten, die sie als Netzbetreiber benötigen", stellte er klar. Die Datenhoheit liege künftig weder beim Verteilnetz- noch beim Übertragungsnetzbetreiber, sondern beim Verbraucher.

Gemäß Zerres werde die Diskussion über den Gesetzesentwurf etwas verzerrt geführt. Bei den Kostenobergrenzen für die Smart Meter sei beispielsweise nicht die Frage entscheidend, ob diese für den Netzbetreiber, sondern ob diese für den Verbraucher zumutbar seien. "Wir werden das Thema Kostenobergrenzen durchaus ernst nehmen und schauen, dass ein Teil dieser Kosten nicht etwa in den Netzentgelten verbuddelt wird", kündigte Zerres an. Richtig beginnen könne der im kommenden Jahr vorgesehene Rollout aber erst, wenn drei Anbieter mit zertifizierten Lösungen am Markt seien. Da aber bis 2017 die Regeln für die Zertifizierung dieser Anbieter durch das BSI noch nicht fertig sein würden, werde es im Laufe des nächsten Jahres ein Übergangsmodell beim Thema Smart Meter geben, so Zerres. Dieses werde derzeit in enger Kooperation mit der Branche erarbeitet. Beim Übergangsmodell werde es noch keine sternförmige Verteilung der Daten geben, sondern diese blieben wie im bisherigen Modell vorerst beim Verteilnetzbetreiber.

Angesichts der unsicheren regulatorischen Rahmenbedingungen hält Thomas Kästner, Geschäftsleiter der Stadtwerke Schweinfurt, einen Investitionsentscheid "erst für opportun, wenn ein belastbarer Entscheidungsrahmen da ist". "Ich wünsche mir, dass die Bundesnetzagentur das Thema entkompliziert", forderte Kästner. Erste Praxisversuche mit Smart Metern in Schweinfurt verliefen durchwachsen. Einer großen Offenheit bei den Kunden standen Probleme bei der Fernablesung der Daten gegenüber.

Die Stadtwerke Uelzen hingegen sind das Thema offensiv angegangen und sind mittlerweile an zwei Orten als Messstellenbetreiber vertreten. Alle Sparten würden ausgelesen. Bereits 2010 habe man begonnen, gemeinsam mit sechs Partnerstadtwerken sich mit dem Thema Smart Meter zu befassen, heißt es. Als Hemmschuh habe sich dabei die Software erwiesen, deshalb habe man eine Beschreibung der notwendigen Prozesse erstellt und lässt auf dieser Grundlage die Software anpassen, sagte ein Vertreter der Stadtwerke Uelzen.

Eine schnelle Verabschiedung des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende, mahnte Dr. Michal Sobotka, Projektleiter von GW Adriga an. Das Gemeinschaftsprojekt von EWE, Rheinenergie und Westfalen Weser Netz AG gestaltet Lösungen für die Gateway-Administration. Aufgrund der hohen Fixkosten und der zu kleinen Mengen brauche man einen Partner, um in Sachen Smart Meter ein eigenes System aufzubauen, so Sobotka. Da man aber am Markt niemanden gefunden habe, mit dem man das machen möchte, habe man sich für die Neugründung von GW Adriga entschieden. (hoe)