Bild: (c) Anja Skeide / pixelio

Oberflächliche Sichtweise

Die Verbände der Wasserwirtschaft kritisieren die Berichterstattung des Handelsblatts über den deutschen Wassermarkt.

Bestimmt war die Antwort von Verbänden der deutschen Wasserwirtschaft auf Artikel des heutigen Handelsblatts ("Wasserschutzgebiet Deutschland", "Höhere Preise bei sinkender Nachfrage"), die die unterschiedlichen Wasserpreise in Europa relativ oberflächlich verglichen und interpretierten.

"Der Autor des Artikels hat wohl nicht verstanden, dass Wasser keine x-beliebige Ware ist", so der Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Um alle Bürger mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser zu versorgen, sei eine aufwändige Infrastruktur notwendig. Die hohe Anlagenintensität für die Wassergewinnung und Verteilung führe zu einem Fixkostenanteil in der Trinkwasserbereitstellung von ca. 80 %. Lediglich ca. 20 % der Versorgungskosten hängten vom tatsächlichen Trinkwassergebrauch der Verbraucher ab. Dieses Kostenverhältnis führe letztlich dazu, dass sich ein allgemein rückläufiger Wasserverbrauch kaum auf die aus der Trinkwasserversorgung resultierenden Gesamtkosten auswirken könne.

"Wer einfach nur den Betrag auf der Wasser-Rechnung in Deutschland mit den entsprechenden Beträgen in anderen Staaten vergleicht, führt sich faktisch selbst hinters Licht: Diese Vergleiche berücksichtigen weder Subventionen noch europäische Qualitäts- und Leistungsstandards“, sagte Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Der BDEW hat in einem Detailvergleich sechs europäische Länder in den
Bereichen Trink- und Abwasser miteinander verglichen. Das Ergebnis: Bei
Annahme eines ähnlichen, von der Europäischen Union vorgegebenen
Qualitäts- und Leistungsniveaus und gleichzeitiger Berücksichtigung aller
Subventionen zahlen Verbraucher in Deutschland pro Kopf und Jahr gemessen
am verfügbaren Einkommen für ihre Wasserversorgung und Abwasserentsorgung
nicht mehr als Verbraucher in England/Wales, Frankreich, Österreich und den Niederlanden", erläuterte Weyand.

Die hohe Qualität der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur in Deutschland
im europäischen Vergleich zeige sich auch an den Wasserverlusten: Während
in Deutschland die Wasserverluste rückläufig seien und etwa 6,5 % des Wasseraufkommens betragen, seien die Wasserverluste in anderen EU-Ländern deutlich höher: In England/Wales gingen demnach 15,5 % des Wasseraufkommens verloren, in Frankreich fast 21 %, in Polen sogar fast ein Viertel (24,6 %).

Die Studie findet sich auf den Seiten des BDEW. (al)