Zu viel Stickstoff-Eintrag schadet den Trinkwasser-Ressourcen, da sich der Nitrat-Gehalt im Grundwasser erhöht. Bild: Jennifer Kolling / pixelio.de

EU will Glyphosat dulden

Die EU-Kommission schlägt vor, die Zulassung des umstrittenen Herbizids bis 2031 zu verlängern. Nun ist Glyphosat im Bier entdeckt worden.

Die EU-Kommission hat ihren Vorschlag für die Entscheidung des Ständigen Ausschusses für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel über die Verlängerung der Zulassung für das Herbizid Glyphosat an das Europäische Parlament zur Kenntnis geschickt. Die EU-Kommission schlägt vor, die Zulassung des umstrittenen Herbizids bis 2031 zu verlängern.

Die Behörde berücksichtigt dabei nicht einmal die Einschränkungen, die die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gemacht hat, kritisiert der agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion Martin Häusling in einer Pressemitteilung. "Die EU-Kommission verstößt gegen das Vorsorge-Prinzip. Sie wirft alle Bedenken von Wissenschaftlern über Bord und schlägt eine uneingeschränkte Verlängerung der Zulassung für die kommenden 15 Jahre vor. Das meist verwendete Pestizid gilt als gesundheitsschädlich und steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Die EU-Kommission hat offenbar nicht die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger im Blick, sondern die Interessen der Agrarindustrie wie die des Herstellers des Pestizids Monsanto."

Häusling weiter: "Sogar die schon sehr vorsichtigen Bedenken der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA berücksichtigt die EU-Kommission in ihrem Vorschlag nicht. Die EFSA hatte immerhin auf die negativen Folgen für Biodiversität hingewiesen. Die EU-Kommission schlägt diese Bedenken in den Wind und will Glyphosat weitgehend ohne Mengen- oder Anwendungsbeschränkung erlauben. Die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten müssen dem einen Riegel vorschieben und sich gegen die Verlängerung der Zulassung aussprechen."

Auch die SPD-Bundestagsfraktion kämpft gegen die Glyphosat-Zulassung: Sie hat ein Positionspapier zu Glyphosat verabschiedet, erklären die beiden Abgeordneten Elvira Drobinski-Weiß und Rita Hagl-Kehl in einer Presseerklärung. In dem Positionspapier fordert die Fraktion, das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel in Haus- und Kleingärten sowie im kommunalen Bereich zu verbieten. Zudem sollen Alternativen und ein Ausstiegsplan für die Anwendung in der Landwirtschaft entwickelt werden.

„Die Einstufung von Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ durch 
die WHO hat zu einer großen Besorgnis in der Gesellschaft geführt. So lange 
unklar ist, ob dieses Unkrautvernichtungsmittel für die menschliche 
Gesundheit schädlich ist, müssen wir dafür sorgen, dass unsere Kinder so 
wenig wie möglich damit in Berührung kommen", so die SPD-Abgeordneten.

Die SPD-Bundestagsfraktion fordert deshalb ein Verbot für die Anwendung von 
glyphosathaltigen Herbiziden in Haus- und Kleingärten sowie im kommunalen 
Bereich. Bei der privaten Nutzung ist die Gefahr durch Fehlanwendung und 
Überdosierungen am größten. "Darüber hinaus wollen wir verhindern, dass 
auf Spielplätzen und in öffentlichen Gärten Glyphosat gespritzt wird."

Ebenso ist eine Reduktion des stetig steigenden Glyphosat-Einsatzes in der 
Landwirtschaft notwendig, so die Parlamentarier. In vielen Fällen ist die Anwendung überflüssig, wie zum Beispiel bei der Stoppelbearbeitung nach der Ernte und vor der Aussaat der Folgekultur.

Die Entscheidung über die Wiederzulassung von Glyphosat auf EU-Ebene steht 
in Kürze bevor. Am 7. oder 8. März werden die EU-Mitgliedstaaten im 
Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel 
darüber entscheiden.

Wie heute bekannt wurde, hat das Umweltinstitut München in 14 in Deutschland konsumierten Bieren hohe Rückstände des Pflanzengiftes Glyphosat entdeckt. „Ich bin entsetzt!“, kommentierte Susanne Melior, SPD-Europaabgeordnete im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments. (al)