Interessenkonflikt angeprangert

Glyphosat-Beurteilung: JMPR-Vorsitzende Boobis soll 500 000 Euro von Monsanto erhalten haben für das eigene Institut.

Laut britischer Zeitung "The Guardian" liegt ein Interessenkonflikt bei Entscheidern der Glyphosat-Beurteilung des Joint Meeting on Pesticide Residues (JMPR) der FAO/WHO vor: Im Mittelpunkt steht Professor Alan Boobis, der Vorsitzende de JMPR und gleichzeitig Vize-Präsident des International Life Science Institute (ILSI) Europe. Nach Informationen des Guardian erhielt ILSI im Jahr 2012 eine Spende über 500 000 US-Dollar von Glyphosat-Hersteller Monsanto sowie eine weitere Spende über 528 500 Dollar von der Pestizidlobby Croplife International, in der unter anderem Monsanto, Dow und Syngenta vertreten sind.

Auch ein weiteres Mitglied des JMPR, Angelo Moretto, ist Vorstandsmitglied eines Instituts, das zu ILSI gehört. Moretto war Ko-Vorsitzender der entscheidenden Sitzung über Glyphosat.

Brisanz hat die Aufdeckung, da die Europäische Kommission eigentlich heute über eine weitere Zulassung des Herbizids Glyphosat entscheiden wollte. Manche Medien wie die "Deutschen Wirtschafts Nachrichten" berichteten bereits von einer Verschiebung der Entscheidung.

Die deutsche Regierung ist auch nach der Entwarnung des JMPR, das Unkrautvernichtungsmittel Glyhosat sei nicht krebserregend, weiterhin gespalten. Bundeskanzlerin Merkel plädiert für eine weitere Zulassung. Die SPD bleibt bei ihrer ablehnenden Haltung bezüglich einer erneuten Zulassung. "Ich bin dagegen, dieses Produkt zuzulassen, solange die Zweifel nicht ausgeräumt sind", sagte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) am Dienstag am Rande eines Termins in Brüssel laut "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Auch das Umweltressort von Ministerin Barbara Hendricks (SPD) wiederholte, dass weiter erhebliche ungeklärte Gesundheitsrisiken bestünden. Die "FAZ" berichtete, notfalls werde sich die SPD durch eine Ermächtigungsentscheidung der Kanzlerin Angela Merkel beugen.

Heute soll es in Brüssel zu einer Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels kommen. Fraglich ist, ob eine Mehrheit für eine 15-jährige Verlängerung der Zulassung bei der Entscheidung erreicht wird. Frankreich will dagegen votieren. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete von einem EU-Entwurf, nachdem Glyphosat für weitere neun Jahre zugelassen werden soll. Das EU-Parlament hatte sich bereits für eine auf sieben Jahre befristete Wiederzulassung ausgesprochen. (al)