Die Mischtaktik der Brandenburger Landesregierung wird für die Trinkwasserversorgung aus der Spree riskant.
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Brandenburg: Bedenkliche Eisen- und Sulfatwerte in der Spree

Die Landesregierung will die Grenzwerte für Sulfateintragungen in der Spree nach oben schrauben: Ein Versäumnis in der Kohlepolitik, das nun zur Gesundheitsbelastung wird?

Die Sulfat und Eisenwerte in der Spree sind seit Jahren grenzwertig. Das Brandenburger Umweltministerium kündigte nun an, für sechs Wochen den bislang geltenden Wert von 450 Milligramm pro Liter auf 500 Milligramm erhöhen zu wollen. Die enormen Einträge sind die Folge der Rekordhitze und des jahrzehntelangen Braunkohleabbaus in der Lausitz.

Bei der Kohleförderung wird der Grundwasserspiegel abgesenkt, dabei werden unter anderem Sulfat und Eisen im Boden freigesetzt und reagieren mit Sauerstoff. Kommt im Abbaugebiet der Tag der Stilllegung und der Wasserpegel steigt wieder, gelangen die chemischen Rückstände in den Trinkwasserkreislauf.

Verdünnungsstrategie vor dem Aus

Da die Spree durch die Nähe zum Leag-Bergbaurevier in der Lausitz schon immer stark von der Verockerung durch Eisenhydroxid und Sulfat betroffen ist, wurde das belastete Wasser bisher mit Süßwasser aus Stauseen in der Region verdünnt. Immerhin können die Eintragungen zu Magen- und Darmbeschwerden beim Menschen führen. Diese Strategie stößt in Zeiten der Extremwetterlagen jedoch an ihre Grenzen. Hinzu kommt, dass auch ein Teil der Talsperren, wie z.B. der Standort Spremberg vom Eisenhydroxidschlamm verunreinigt sind.

Bereits im Jahr 2015 sollten Vertreter des Berliner Senats und der Brandenburger Landesregierung, sowie des Bergbaukonzerns Leag, der Verwaltungsgesellschaft LMBV und der Wasserbetriebe aus Berlin und Frankfurt/Oder mögliche Lösungen für die chemischen Eintragungen finden. Bislang blieben die Beteiligten jedoch eher passiv. Die bergbaupolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion Heide Schinowsky kritisiert: „Es ist ein Unding, dass es noch nicht einmal ein Konzept gibt, wie man den Ockerschlamm aus der Hauptsperre entfernen will. Ein Teil des Eisenockerschlamms bleibt in der Hauptsperre und setzt diese zu. Das nun in dem extrem trockenen Sommer die Talsperre nicht umfänglich zur Bereitstellung von Wasser für die Spree genutzt werden kann, ist klar dem Versagen des Ministers zuzuschreiben.“

Saubere Trinkwasserversorgung in Gefahr

Bisher wurde die Anhebung der Sulfatwerte als Notlösung vom Umweltministerium abgeleht, dass die Werte nun doch gelockert werden müssen, um die Situation zu entschärfen, sei ein „absolutes Armutszeugnis für die Landesregierung“, so Schinowksy weiter. Ähnlich sieht das die Initiative „Bürgerbegehren Klimaschutz“: „Es kann nicht sein, dass Richt- oder Grenzwerte einfach erhöht werden, wenn die Last von Emissionen durch Umweltsünder steigt. Die Versorgung mit sauberem und gesundem Trinkwasser darf nicht aufs Spiel gesetzt werden, gesundheitliche Folgen für die Menschen in Berlin und Brandenburg müssen ausgeschlossen bleiben.“  (ls)