Beruf "Energiemakler" vor tiefgreifendem Wandel?

Andreas Metz ist Vertriebsleiter des digitalen Maklerbüros Kunver ("Stride Energy"). Bild: © Kunver

Schloss Gödens im Kreis Friesland - der Sitz des digitalen Maklerbüros Kunver mit seiner Marke "Stride Energy". Maximilian und Casimir Grafen von Wedel sind Geschäftsführer. Das Schloss gehört denen von Wedel. Bild: © Kunver GmbH

Das Geschäftsmodell der vlelleicht 50.000 selbstständigen Makler von Energielieferverträgen ist unter Druck. Gründe: Der Verfall der Margen und Seriositäts-Diskussionen. Eine neue Plattform könnte dem Berufsstand Impulse geben. "Stride Energy" heißt sie.

50.000 "Vertriebspartner" von Energieversorgern (EVU) gibt es bundesweit, davon 5000 "Energiemakler", schätzt Andreas Metz, Vertriebsleiter des Start-up Kunver GmbH. Einige von ihnen nennen sich auch "Energieberater", doch das Geschäftsmodell ist nicht, zu einem energieeffizienten Verbrauch zu verhelfen, sondern gegen Provision Energielieferverträge zu vermitteln. In der Vertriebs-Wertschöpfungskette, die sich vor gut 20 Jahren mit der Öffnung des Strommarktes ausbildete, schieben sich die Energiemakler zwischen die Versorger (EVU), die sogenannten "Distributoren" ("Dispos") und die Privat(B2C)- oder Unternehmens(B2B)-Kunden.

Damit ließ sich lange gut leben, doch erstens sind mit dem Verfall der Strompreise und dem steigenden Anteil der nicht beeinflussbaren Preisbestandteile die Vertriebsmargen zusammengeschmurgelt, so dass es weniger zu verteilen gibt. Und zweitens stehen Energiemakler im Visier von Seriositäts-Debatten. Zu dem Berufsstand gehören halt sowohl etwa B2B-Vertriebe, die Industrie-Unternehmen darin beraten können, Geld und Energie zu sparen und Ökostrom-Umlage zurückzuholen, indem sie ihre Workflows ändern – als auch B2C-Strukturvertriebe, die von Drückerkolonnen schwer unterscheidbar sind.

Anbindung an Tochter von Ispex, bald auch an Eless

Diese Probleme versprechen Andreas Metz und sein Kunver-Team anzugehen: indem sie die Abwicklungsarbeit der Makler, aber auch der sie beauftragenden EVU und Dispos, digitalisieren, auf einer einzigen Plattform: "Stride Energy". "Wir füllen hier eine Lücke, denn alle Branchen haben ein fachspezifisches CRM(Kundenpflege)-System, nur die Makler nicht", sagt Metz. So sänken die internen Kosten pro Abschluss und pro Kunde deutlich, es bleibe mehr Vertriebsmarge zwischen EVU, Dispo, Makler und Endkunden zu verteilen. Die Herrschaft des Maklers über seine eigenen Daten auf Stride sowie ein Chat förderten zudem die Seriosität des Geschäfts, weil krumme Touren schnell offensichtlich würden und sich dann rasch herumsprächen.

Metz nennt "Stride Energy" das "digitale Maklerbüro". Auf der Plattform können Makler ihre Kundenkartei geschützt vor Einblicken anderer hochladen, Abschlüsse verwalten und an Dispos als Auftraggeber durchreichen, ohne sich selbst in deren Systeme einbuchen zu müssen, auf alles mobil zurückgreifen, Wiedervorlage-Listen und Filter anlegen, rechtssichere Dokumente erzeugen und sicher speichern. Und ihre Kunden jetzt schon volldigital zu Ausschreibungen bei E.Q Energy bringen (nicht zu verwechseln mit Energie Quader), einer Dispo-Tochter des Bayreuther Ausschreibungs-Spezialisten Ispex. Für März ist zusätzlich die Anbindung an das Gewerbekunden-Vertriebsportal Eless angekündigt, im Rahmen einer Kooperation.

Makler sparen Zeit

Vertriebsleiter Metz fasst den Vorteil für Makler nach "über 500 Gesprächen" so zusammen: Die durchschnittliche Arbeitszeit, um einen Endkunden zu gewinnen, sinke von 1,5 Stunden auf 20 Minuten. Bei Anträgen auf Versorgerwechsel schrumpfe die Arbeitszeit im Mittel von einer Stunde auf 20 Minuten zusammen. Gebe es zu dem betreffenden Distributoren, der auch ein EVU selbst sein kann, schon eine Schnittstelle, funktioniere dies gar auf Knopfdruck.

Kunver ist eine erst im Frühjahr 2019 gegründete GmbH, Sitz ist Schloss Gödens im Kreis Friesland. Das Schloss ist Familiensitz der Grafen von Wedel, und Maximilian und Casimir Graf von Wedel sind auch die Geschäftsführer von Kunver. Clemens Graf von Wedel ist in der Branche bekannt als einer der Geschäftsführer der Ausschreibungsplattform Enportal.

Jedenfalls hatten etwa 100 Makler eine Beta-Version von "Stride" bereits ein halbes Jahr lang getestet. Anfang Dezember präsentierte Kunver auf einer ausgebuchten Veranstaltung auf Schloss Gödens vor 80 Gästen die Vollversion. Sie soll im Januar auf den Markt kommen. "Wir erreichen mit unserem Netzwerk heute bereits über 1500 Makler persönlich", sagt Andreas Metz. Weit über 100 Makler hätten schon die kostenpflichtige Version von "Stride Energy" bestellt.

Was ist mit Verivox/Check?

Und die Abgrenzung zu den Maklerportalen Verivox und Check24 im B2C-Bereich? Metz ergänzt: "Die 20 Prozent der Kunden, die sich selbst optimieren wollen, machen das über diese Portale. Wir wenden uns an den Rest der Verbraucher, die den Aufwand in andere Hände legen möchten." (geo)