AGEB verabschiedet prägenden Wissenschaftler Ziesing

Hans-Joachim Ziesing (76) gehört seit ihrer Einrichtung 2011 bis Ende Juni 2019 der Expertenkommission zum Monitoring-Prozess "Energie der Zukunft" an. Er war unter anderem 1969 bis 2006 am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und gehörte seit 1971 der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen an, von 2004 bis Mai 2019 als Co-Vorstand. Bild: © privat

Hans-Georg Buttermann
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Der Wissenschaftler Hans-Joachim Ziesing (76) trägt seit 50 Jahren zur energiepolitischen Debatte bei. Jetzt verließ er den Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen. Auch bei der Energiewende-Monitoringkommission steht sein künftiger Nachfolger fest. Der ZfK gab Ziesing ein Statement.

Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB), ein Zusammenschluss mehrerer Branchenverbände und Forschungseinrichtungen, der quartalsweise die Erzeugung und den Verbrauch von Primärenergie in Deutschland modelliert und nach Energieträgern und -formen differenziert, verabschiedet Hans-Joachim Ziesing aus ihrem fünfköpfigen Vorstand "mit größtem Dank und umfassender Anerkennung". "Ziesing gehört zu den kompetentesten Energieexperten des Landes und hat die Arbeit der AG Energiebilanzen geprägt wie bislang kein zweiter", erklärte AEGB-Vorstandschef Uwe Maaßen vom Braunkohleverband Debriv laut AGEB-Pressemitteilung.

Auch der Energiewende-Monitoringkommission beim Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) unter dem Vorsitz von Andreas Löschel – wörtlich heißt sie "Expertenkommission zum Monitoring-Prozess 'Energie der Zukunft'" – wird der 76-jährige Wirtschaftswissenschaftler bekanntlich nur noch bis Ende Juni angehören. Auch Georg Erdmann scheidet dann dort aus. Die beiden Nachfolger sind Veronika Grimm, Ordinaria für Wirtschaftstheorie an der Uni Erlangen-Nürnberg und Vorsitzende der Wissenschaftlichen Leitung des Energie Campus Nürnberg (EnCN), sowie Barbara Lenz, Professorin für Verkehrsgeographie an der HU. "Aus anderen ehrenamtlichen Einrichtungen – Beiräte und Ähnliches – habe ich mich nicht zurückgezogen", teilte Ziesing der ZfK mit.

Der Wissenschaftler gab der ZfK aus diesem Anlass ein Statement:

"Die künftige Struktur der Energieversorgung wird in erheblichem Umfang durch die weitere Elektrifizierung geprägt sein, weil Strom aus erneuerbaren Energien direkt oder indirekt in allen Endenergiesektoren fossile Energien klimaneutral ersetzen kann. Dazu muss Strom aber auch gegenüber fossilen Energien konkurrenzfähig sein, was heute nicht der Fall ist. Konkurrenzfähigkeit wird aber nur erreichbar sein, wenn der Strom für die Verbraucher von den vielen zusätzlichen Belastungen (zum Beispiel Steuern, Abgaben, Umlagen) befreit wird und/oder die fossilen Energieträger mit einer CO2-Bepreisung belastet werden. Eine Neuorientierung des gesamten Umlage- und Steuersystems wird also zwingend notwendig für den Erfolg der Sektorkopplung."

Verdienstkreuz-Träger

Ziesing hat seit einem halben Jahrhundert "einen unschätzbaren Beitrag für die energiepolitische Diskussion in Deutschland gehabt", schreibt Andreas Löschel der ZfK. Von 1969 bis 2006 arbeitete Ziesing am gewerkschaftsnahen Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Zuletzt war er dort Senior Executive in der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt. Für seine "herausragenden Leistungen als Wissenschaftler und Berater der Energiepolitik" bekam er 2005 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik. Seine Nachfolgerin beim DIW wurde Claudia Kemfert. Ziesing machte sich als Gutachter und Politikberater, vor allem für die Bundesregierung, selbstständig.

1983 war Ziesing an der TU Berlin über die ökonomische Bewertung Erneuerbarer promoviert worden. Seine Zitierung zog sich durch unzählige Ausgaben der ZfK-Druckausgabe. Ziesings Credo war früh, dass die Klimawende nur mit Erneuerbaren und Energieeffizienz zu schaffen sei. Zu seinen Tätigkeiten zählten unter anderem:

  • die Mitarbeit in zahlreichen Enquete- und sonstigen Kommissionen auf Bundes- und Landesebene, zuletzt eben in der Löschel-Kommission
  • die Mitwirkung am Nationalen Allokationsplan im Rahmen des europäischen CO2-Handelssystems
  • die Erstellung der AGEB-Jahresberichte über die energiewirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Ziesing entwickelte bei der AGEB zudem Berechnungsmodelle, neue Tätigkeitsfelder und methodische Anpassungen.
  • eine Fülle wissenschaftlicher Publikationen
  • Vortrags- und Beratungstätigkeit auch im Ausland, gewissermaßen auch als Botschafter der deutschen Energiewende
  • energiewirtschaftliche Analysen, Prognosen und Szenarien
  • Intensiv widmete er sich den ökonomischen Aspekten von Energiesystemen vor allem mit Blick auf die Erneuerbaren und die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). 2006 etwa schrieb er zusammen mit Felix Christian Matthes für den Verband VKU ein Gutachten "Zur Wirtschaftlichen Lage der Kraft-Wärme-Kopplung" (ZfK-Druckausgabe 3/2006, Seite 2).

Buttermann neu im AGEB-Vorstand

Der AGEB trat Ziesing bereits kurz nach der Gründung 1971 bei und gehörte seit 1994 zunächst deren Geschäftsführung an, später auch dem Vorstand. Nachfolger in beiden Gremien wird Hans Georg Buttermann. Der Wirtschaftswissenschaftler ist seit 2004 am EEFA-Institut in Münster tätig.

Der empirische Forscher im Energie- und Umweltsektor Buttermann begleitet die Arbeit der AGEB seit vielen Jahren: Die EEFA (Energy Environment Forecast Analysis) erstellt die AGEB-Energiebilanzen, koordiniert die Erstellung der nationalen Energiestatistiken für die Internationale Energie Agentur (IEA) und liefert aktuelle Energiedaten für die nationalen Treibhausgasinventare. Das Institut hat im Auftrag der am CO2-Handel beteiligten Industrieunternehmen die Makropläne für die Handelsperioden 2005 bis 2007 und 2008 bis 2012 erstellt. (geo)


Diese Meldung wurde am 3. Juni 2019 mit dem vollständigen Statement von Hans-Joachim Ziesing für die ZfK ergänzt, das am selben Tag stark gekürzt in der gedruckten Ausgabe auf Seite 32 erschien. (geo)