Das deutsche Wassernetz wird in den kommenden Jahren so marode, dass viele Teile ausgetauscht werden müssen. Dies wird zu hohen Kosten führen.
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Die Gefahr aus dem Untergrund: Marode Wasserrohe

Das Rohrnetz in Deutschland kommt in die Jahre. Bereits anhand des Freistaates Bayern wird die Dimension der maroden, essenziellen Infrastruktur deutlich. Das ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs.

Für die Städte und Gemeinden zählt das Rohrnetz zu dem größten und wichtigsten Vermögen, das durch die begrentre Nutzungsdauer zu einer finanziellen Last werden kann. Tausende Kilometer Rohre sind beispielsweise auch in Bayern in die Jahre gekommen und müssen bald ausgetauscht werden. Nach Angaben des Landesamtes in Augsburg gibt es in Bayern rund 115.000 Kilometer öffentliche Trinkwasserleitungen und 105.000 Kilometer Entsorgungskanäle. Auf Privatgrund gibt es noch einmal etwa 250.000 Kilometer Abwasserleitungen. Die Experten gehen davon aus, dass 10 bis 15 Prozent aller kommunalen Leitungen in den kommenden Jahren aus Altersgründen saniert werden müssen.

Das Landesamt für Umwelt tourt deswegen durch den ganzen Freistaat und informiert Kommunalpolitiker, Behördenmitarbeiter und private Immobilienbesitzer. Um die Menschen vor Ort zu informieren, wurde die Initiative "Schau auf die Rohre" gegründet. "Sonst könnte eine Zunahme von Schäden und Rohrbrüchen die Bürgerinnen und Bürger unnötig belasten", betont das Umweltamt. Aber auch die privaten Eigentümer seien gefordert: "Ein neuer öffentlicher Kanal nutzt wenig, wenn die damit verbundenen Grundstücksentwässerungsanlagen undicht sind."

30 Prozent sind älter als 40 Jahre

In der Regel müssten Rohre nach 50 bis 80 Jahren erneuert werden. Deswegen wird das Thema jetzt aktuell. "In den 1960er, 1970er und 1980er Jahren erfolgte großteils der flächige Ausbau von Kanal- und öffentlicher Trinkwasserversorgung in Bayern", erklärt Karl Schindele vom Wasserwirtschaftsamt in Kempten. "Etwa 30 Prozent unserer Leitungen sind heute älter als 40 Jahre." Besonders um kleinere Gemeinden bei der Aufgabe zu unterstützen, hat die Staatsregierung eine Härtefallförderung ins Leben gerufen. Bis zu 70 Millionen Euro stehen pro Jahr dafür zur Verfügung.

Ein Problem für belastetes Wasser sind auch häufig sogenannte Totleitungen, die früher oft in öffentlichen und privaten Netzen montiert wurden. Es handelt sich um verschlossene Rohre, an die später eventuell eine neue Verbrauchsstelle angeschlossen werden soll. Bis dahin steht das Wasser aber in diesen Leitungen, die so eine Brutstätte für Krankheitserreger werden können. In betroffenen Orten wie im Kreis Augsburg müssen deswegen Totleitungen nun wieder aufwendig entfernt werden.

2,3 Mrd. Euro Kosten durch Wasserschäden jährlich

Wenn Probleme mit der öffentlichen Wasserversorgung bekanntwerden, hat das für die Bürger unangenehme Folgen und sorgt häufig für Ärger. Immer wieder werden in Gemeinden Keime im Wasser entdeckt, dann folgt üblicherweise eine Abkochanordnung als Sofortmaßnahme. Wenn das Problem nicht kurzfristig abgestellt werden kann, wird Trinkwasser auf Anordnung des Gesundheitsamtes gechlort – eine überaus unbeliebte Maßnahme, die oftmals zu Kritik führt und Jahre dauern kann.

Doch auch in Wohnungen drohen Probleme, wenn marode Leitungen nicht ausgetauscht werden – insbesondere Rohrbrüche. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft registriert jährlich rund 1,1 Millionen Leitungswasserschäden, die etwa 2,3 Milliarden Euro Kosten verursachen. Der Verband empfiehlt, nach 30 Jahren Rohre überprüfen zu lassen. Besonders betroffen von den Wasserschäden sind nach der Statistik der Versicherer die alten Bundesländer. Grund dafür sei, dass in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung viele Häuser von Grund auf saniert worden seien und so über neuere Technik verfügen. (dpa/gun)