Der Wasserverbund Niederrhein verfügt mit dem Binsheimer Feld und dem Gindericher Feld in Wesel über zwei Trinkwasserschutzgebiete.
Bild: © Wasserverbund Niederrhein

WVN will Abgrabungen im Wasserschutzgebiet verhindern

Die Landesregierung von NRW beabsichtigt, das Abgrabungsverbot in Wasserschutzgebieten aufzuheben. Wasserversorger wie der WVN sehen dadurch die Trinkwasserqualität gefährdet. Diese Befürchtungen werden jetzt durch ein Fachgutachten bestätigt.

In den kommenden Wochen wird in Nordrhein-Westfalen an einer Änderung des Landeswassergesetzes gearbeitet. Darin ist eine Streichung des Abgrabungsverbotes in Wasserschutzgebieten vorgesehen. Auch die landesweite Wasserschutzgebietsverordnung wird überarbeitet. Für die anstehende Diskussion über die möglichen Auswirkungen der Änderungen auf die Versorgungssicherheit hat der Wasserverbund Niederrhein (WVN) das IWW Rheinisch-Westfälische Institut für Wasser Beratungs- und Entwicklungsgesellschaft beauftragt, die potenziellen Risiken von Abgrabungen in Trinkwasserschutzgebieten zu untersuchen.

Zum Gesellschafterkreis des WVN gehören zahlreiche Versorgungsunternehmen. Von ihnen hängt die Trinkwasserversorgung von rund 2 Mio. Menschen ab. Die Ergebnisse der Untersuchung ließ sich der Aufsichtsrat des WVN in einer Sondersitzung vorstellen. 

Risiken der Freilegung

Bei den am Niederrhein üblichen Nassabgrabungen handelt es sich nach dem Wasserhaushaltsgesetz um unmittelbare Eingriffe in das Schutzgut Grundwasser. Die Fachgutachter machten deutlich, dass die Entfernung der schützenden Deckschichten und das Freilegen des Grundwassers stets ein Risikopotenzial darstellt, das zunimmt, je mehr man sich den Förderbrunnen nähert.

Abbauprozesse von im Trinkwasser unerwünschten Substanzen durch im Boden lebende Mikroorganismen finden nicht mehr statt. Der direkte Kontakt von Luft und Wasser erhöht die Eintragswahrscheinlichkeit atmosphärischer Schadstoffe. Die Schaffung eines See-Ökosystems birgt das Risiko von Parasiten, Viren und Bakterien sowie durch Cyanobakterien produzierte Toxine im Grundwasserleiter.

Kosten der Wasseraufbereitung steigen

Das den Baggersee durchströmende Grundwasser erfährt ein großes Spektrum an chemischen, physikalischen und biologischen Veränderungen, die dauerhaft sorgfältig zu beobachten sind. Mögliche Folge: Die technischen Anforderungen und damit auch die Kosten der Trinkwasseraufbereitung steigen, was letztendlich in höheren Wasserpreisen mündet oder sogar zur Schließung von Brunnenanlagen zwingt.

"Die Gesamtwertung der vielen Risiken zeigt, dass Abgrabungen in Wasserschutzgebieten generell nicht akzeptabel und daher weitere Kiesgruben neben den bereits bestehenden auch nicht tolerierbar sind", fasst Franz Josef Schulte, Vorsitzender des Aufsichtsrates des WVN, die Diskussion zusammen.

Herausforderung Klimawandel

Die Studie habe gezeigt, dass die Risiken größer sind als vielfach vermutet. Das ist umso bedrohlicher, als angesichts des Klimawandels die Herausforderungen für die Trinkwassergewinnung zunehmen. Der WVN kündigt deshalb an, im Interesse seiner Kunden und einer sicheren Wasserversorgung die Öffentlichkeit und die Politik über die möglichen Folgen von Abgrabungen in Wasserschutzgebieten aufzuklären. (hp)