Symbolische Inbetriebnahme des Verbundwasserwerks Essen (v.l.): Franz-Josef Britz (Aufsichtsratsvorsitzender Stadtwerke Essen AG), Umweltminister Johannes Remmel, Dr. Dirk Waider (Technischer Vorstand Gelsenwassser AG) und Dietmar Bückemeyer (Technischer Vorstand Stadtwerke Essen AG) Bild: Stadtwerke Essen

"Eine der modernsten Anlagen Europas"

Die neue Wasseraufbereitungsanlage 2 (WAA II) in Essen-Überruhr ist offiziell in Betrieb gegangen.

Nach einem Jahr "Generalprobe" ist es endlich soweit: Die neue Wasseraufbereitungsanlage 2 (WAA II) in Essen-Überruhr ist vollständig in das neue Verbundwasserwerk integriert und damit betriebsbereit. In Anwesenheit von NRW-Umweltminister Johannes Remmel wurde gestern das neue Verbundwasserwerk offiziell seiner Bestimmung übergeben. Ab sofort durchläuft das Trinkwasser, mit dem rund eine Million Menschen versorgt werden, alle Etappen des neuen Verbundsystems.

Die Stadtwerke Essen und die Gelsenwasser AG haben insgesamt 56 Mio. Euro in Essen investiert, entlang der Ruhr sind es insgesamt über 300 Millionen Euro, die die Wasserwerke für neue Aufbereitungstechnik derzeit ausgeben. Auch das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) hat an der Ruhr 50 Mio. Euro in den Gewässerschutz investiert, um die Wasserversorgung der Menschen an der Ruhr auch für die Zukunft zu sichern. "Ich begrüße es sehr, dass mit der neuen Trinkwasseraufbereitungsanlage ein hervorragender Schlussstein unter die Diskussion um die Gewässer- und Trinkwasserbelastung durch PFT gesetzt wird", sagte NRW-Umweltminister Johannes Remmel.

Zwischen den beiden vorher getrennten Wasserwerken Essen-Überruhr und Essen-Horst wurden insgesamt fast sechs Kilometer Rohrleitungen mit einem Durchmesser von 1,40 Metern verlegt. Durch diese Rohrleitungen werden durchschnittlich 160 000 Kubikmeter Wasser pro Tag transportiert. Die drei neuen Aufbereitungsstufen sorgen für eine noch bessere Trinkwasserqualität. Mit vollständiger Inbetriebnahme des neuen Verbundsystems gibt es nun eine weitestgehend chemiekalienfreie Wasseraufbereitung. Gleichzeitig stellt man sich mit der Modernisierung auch den zukünftigen Herausforderungen der Trinkwasserversorgung.

Die Einbindung der Modernisierungsmaßnahmen verlief für die Verbraucher ohne Einschränkungen. "Aus technischer Sicht war es eine besonders anspruchsvolle Herausforderung, im laufenden Betrieb alle Modernisierungsmaßnahmen durchzuführen", erklärt Dirk Waider, technischer Vorstand der Gelsenwasser AG. Die Inbetriebnahme bezeichnet Waider daher als "logistische Meisterleistung". So verfügt allein die neue WAA II über mehr als 1000 Objekte (Schieber, Pumpen, Dosierstationen, Messinstrumente), die vom Leitstand in Essen-Horst bedient werden.

Der Verbund läuft seit etwa einem Jahr im Probebetrieb: "Bereits seit April 2015 fließt Wasser durch die neu gebaute WAA II. Zunächst begann der Probebetrieb – die sogenannte hydraulische Inbetriebnahme – mit der Zuschaltung der Rohwasserpumpen, die das bereits vorgereinigte Bodenfiltrat aus der Anlage in Burgaltendorf nach Überruhr transportiert. Schritt für Schritt wurden die beiden übrigen Verfahren anschließend eingegliedert", führt WGE-Werksleiter Gregor Langenberg aus. Anfangs lief das Wasser zur Probe beispielsweise im Bereich der Aktivkohle-Filtration durch ein leeres Becken. Die Kohle wurde erst nach den erfolgreichen Tests eingefüllt. "Wir haben hier in der Wasseraufbereitungsanlage Essen-Überruhr den größten Aktivkohlefilter in Deutschland mit einem Fassungsvermögen von 1500 Kubikmeter. Die Gesamtoberfläche aller Aktivkohle-Körner ist doppelt so groß wie die Bundesrepublik Deutschland", so Langenberg weiter. Der Probebetrieb an sich wurde als interner Kreislauf gefahren, das verwendete Wasser versickerte am Ende wieder in der Wassergewinnung.

"Wir als Wassergewinnung Essen garantieren die Versorgung mit Trinkwasser in bester Qualität auch für die kommenden Generationen. Darauf dürfen wir zu Recht stolz sein", berichtet Dietmar Bückemeyer, technischer Vorstand der Stadtwerke Essen AG und technischer Geschäftsführer der Wassergewinnung Essen GmbH. Mit diesem wasserwirtschaftlichen Großprojekt betreibe man nun eine der modernsten Trinkwasseraufbereitungsanlagen Europas, hier in Essen im Herzen vom Ruhrgebiet. (al)