Stefan Dohler (links), EWE-Vorstandsvorsitzender, und Jean-Francois Conil-Lacoste, CEO der Epex Spot, bei der Vertragsunterzeichnung auf der E-World.
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EWE und Epex Spot starten Marktplatz für Flexibilität

EWE und die europäische Strombörse Epex Spot führen mit den Netzbetreibern Avacon Netz, EWE Netz und Tennet eine Marktplattform zum Handel regionaler Flexibilität ein. Integriert ist das Ganze in das Sinteg-Projekt Enera.

Mit dieser Marktplattform, die von Epex Spot zur Verfügung gestellt wird, wollen die Projektpartner unter anderem das weit verbreitete Problem der Netzengpässe angehen. Die Marktplattform wird Netzbetreibern und Flexibilitätsanbietern des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Schaufensterprojekts für intelligente Energie (Sinteg) „Enera“ zur Verfügung stehen.

Flexibilität bereitstellen können im Enera-Projekt unter anderem rund 400 Heizungsanlagen in Privathaushalten (etwa Wärmepumpen und Heizschwerter) oder drei große Batteriespeicher mit einer Gesamtleistung von zehn MW. In Frage als Flexibilitätsanbieter kommen aber nicht nur Verbraucher, sondern auch Erzeugungsanlagen wie Windmühlen. Unter anderem ist der Windanlagenhersteller Enercon einer der insgesamt 33 Partner des Enera-Projekts.

Zertifizierung ausreichend

Die Anlagenbetreiber müssen dabei kein ausgiebiges Präqualifikationsverfahren durchlaufen, wie dies etwa bei der Bereitstellung von Regelenergie erforderlich ist. Eine „Zertifizierung“ sei ausreichend.
Auf die Umsetzung im Jahr 2018 sollen in einer folgenden zweijährigen Demonstrationsphase „skalierbare Lösungen in einer Modellregion“ im Nordwesten Deutschlands entwickelt werden, die sich als Blaupause in einen „wesentlich größeren Umfang“ übertragen lassen.

Auf der E-World in Essen haben EWE und Epex Spot einen entsprechenden Kooperationsvertrag unterzeichnet. Gemeinsam mit den Enera-Projektpartnern wollen sie einen „klaren und transparenten Marktmechanismus für Flexibilitätsanbieter“ entwickeln, die sich am marktbasierten Engpassmanagement beteiligen wollen“. In der Pressemitteilung heißt es zur konkreten Umsetzung: „Durch die Einführung lokaler Orderbücher werden Flexibilitätsangebote effizient aggregiert, die von Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern zur Vermeidung von Engpässen genutzt werden können.“

Sinteg-Regelung hilft

Basis der Lösung ist eine gesetzliche Regelung speziell für die Sinteg-Projekte. Dort ist in einer Verordnung festgelegt, dass die Projektkonsortien entsprechende Plattformen für Verteilnetzbetreiber (VNB) führen dürfen.
Der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Tennet hat zusätzliche Erwartungen an das Flexibilitätsprojekt. Er verspricht sich Antworten darauf, ob neue marktbasierte Ansätze des Engpassmanagements für das aktuelle Marktdesign nutzbar sind und ob die entworfene Lösung als Koordinierungsmechanismus zwischen ÜNB und VNB fungieren kann.

Die Aufgabe der Energiebörse ist, neben der Bereitstellung der Plattform, als „neutraler Intermediär“ zwischen der Flexibilitätsnachfrage von Netzbetreibern und lokalen Anbietern zu agieren, die Preisbildung zu überwachen und „ein hohes Maß an Transparenz für diesen neuen Markt zu gewährleisten“. Eine Demonstration unter realen Bedingungen werde dadurch ermöglicht, dass alle notwendigen Marktprozesse im Projekt auf Seiten der Flexibilitätsanbietern und Netzbetreiber etabliert sind, betonen die beteiligten Unternehmen. (mn)