Die Star-Energiewerke in Rastatt sind von den Grundwasserverunreinigungen durch perfluorierte Chemikalien stark betroffen. Geschäftsführer Olaf Kaspryk (Bild) fordert, dass der PFC-Skandal nicht ohne Konsequenzen bleibt. Bild: @ Star Energiewerke

Grundwasser-Schwellenwerte sind aktualisiert

Die neue "Ableitung von Geringfügigkeitsschwellen für das Grundwasser" ist Pflichtlektüre für Wasserversorger und Entsorger. Aber nicht nur für sie.

Ab welchen Konzentrationen welcher toxischer Stoffe ist das Grundwasser zur Trinkwasseraufbereitung und in vielen anderen Zusammenhängen gefährdet? Dazu gibt es eine kostenpflichtige Schrift "Ableitung von Geringfügigkeitsschwellen für das Grundwasser" der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA). Diese hat die LAWA aktualisiert. Sie trägt den Zusatz "2016", den Copyright-Vermerk "Januar 2017", wurde aber erst jetzt als Buch verlegt. Nun sind auch die europäischen Umweltqualitätsnormen für prioritäre Stoffe einbezogen sowie weitere EU- und nationalrechtliche Änderungen und neue fachliche Erkenntnisse.

Jetzt gibt es für 91 Stoffe und Stoffgruppen Geringfügigkeitsschwellenwerte (GFS-Werte). Sie sind nach einer einheitlichen Systematik abgeleitet. Vier davon sind neu. Bei 15 Stoffen wurden die Geringfügigkeitsschwellen abgesenkt, bei acht anderen angehoben. Das wurde jeweils öko- und humantoxikologisch begründet, vor allem gemäß der Trinkwasserverordnung. Das teilte gestern das derzeit bei der LAWA federführende baden-württembergische Umweltministerium (UM) mit. Peter Fuhrmann vom UM führt momentan den LAWA-Vorsitz.

Was sind GFS-Werte?

Die GFS-Werte gewährleisten nach Fuhrmanns Anspruch den ausreichenden Schutz des Grundwassers im Hinblick auf alle rechtlich erfassten Schutzgüter. Sie definieren sich als Konzentration, bei der keine erheblichen ökotoxikologischen Wirkungen auftreten können. Sie bilden die nachvollziehbaren und einheitlichen Bewertungskriterien zur bundeseinheitlichen Bewertung von Veränderungen der Grundwasserbeschaffenheit. Das dahinterstehende Ziel ist, das Grundwasser einerseits als Trinkwasser nutzen zu können und andererseits den Lebensraum sowie die Oberflächengewässer und Landökosysteme als Lebensräume zu erhalten. Die toxischen Stoffe sind unterteilt in:

  • anorganische Stoffe wie etwa Fluoride, zum Beispiel PFC, mit einem GFS-Wert von 900 Mikrogramm pro Liter
  • organische Stoffe wie etwa Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
  • Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln und deren Abbauprodukten
  • zinnorganische Verbindungen wie etwa Dibutylzinn-Kationen
  • sprengstofftypische Verbindungen wie etwa Nitrotoluole


Laut dem 28-seitigen Bericht beeinflussen die GFS-Werte folgende Gesetze und Verordnungen:

  • im Wasser- und im Bodenschutzrecht das Wasserhaushaltsgesetz, Bundesbodenschutzgesetz und -verordnung sowie die Grundwasserverordnung
  • im Abfallrecht das Kreislaufwirtschaftsgesetz. (geo)


Externer Link zum kostenlosen Bericht, 28 Seiten (Die Datenblätter sind nur im kostenpflichtigen Buch enthalten)