Gülle im Stausee

Umweltkatastrophe in der Neyetalsperre bei Wipperfürth (NRW): Große Mengen eingeflossener Jauche haben eine giftige Gülleblase gebildet.

Vergangene Woche waren aus einem geplatzten Schlauch 1500 – 1700 m³ in den Neyebach eingedrungen, melden der Wupperverband und der Talsperreneigentümer, die Remscheider EWR GmbH. Der Bachlauf oberhalb der Sperre sei ökologisch tot, die Güllewelle habe darin jegliches Leben vernichtet, ebenso in den im Zulauf des Stausees liegenden Teichen. So sei in dem Bach am Tag der Einleitung in der Spitze ein Wert für Ammonium-Stickstoff in Höhe von 1800 mg/l ermittelt worden. Für Fische beginne es bei einem Wert von 0,5 mg/l kritisch zu werden: „Dies hatte zur Folge, dass es zu einem Fisch- und Amphibiensterben gekommen ist“, so Wupperverband und EWR.

Der Bach fließt in die Neyetalsperre (Fassungsvermögen 6 Mio. m3). Die Jaucheflut hatte auch in der Sperre verheerende Folgen, die Wupperverband und EWR große Probleme bereiten. Die Gülleblase, die sich in tieferen Wasserschichten gebildet hat, wird derzeit auf ca. 50 000 m³ geschätzt. Fachkräfte wollen nun versuchen, die Blase nach und nach über eine Kläranlage zu beseitigen. Das werde voraussichtlich Wochen dauern.

Der Stausee dient eigentlich der Trinkwasserversorgung, wird aber lt. EWR dazu schon länger nicht mehr genutzt. Das Versorgungsunternehmen betont, dass es daher keinerlei Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung gebe. Das Wasser für Remscheid komme vielmehr aus der Großen Dhünn-Talsperre und sei sauber.

Die Katastrophe hat inzwischen auch die Politik erreicht. So hat die EWR GmbH NRW-Umweltminister Johannes Remmel mit der Bitte angeschrieben, seitens des Landes „auf eine Bündelung und Intensivierung der behördlichen Maßnahmen“ hinzuwirken. Es sei zu hoffen, dass die Ursache dieser Umweltkatastrophe detailliert aufgeklärt und Entscheidungen gefällt würden, welche ein solches Desaster in Zukunft verhindern sollten. Insbesondere der Gülletourismus und der Güllehandel in NRW hätten sich in den letzten Jahren zu einem sehr ernst zu nehmenden Problem entwickelt und seien als eine Ursache für diesen Fall anzusehen. (hi)