Gülle-Prozess: Landwirt geht in Berufung

Die EWR Remscheid muss länger auf das Urteil im Gülle-Prozess warten als gedacht. Diese neue Entwicklung kommt überraschend.

Das endgültige Urteil im sogenannten "Gülle-Prozess" wird wohl erst im Herbst gesprochen werden. Das sagte ein Sprecher des kommunalen Energieversorgers EWR Remscheid auf Anfrage der "Rheinischen Post". Hintergrund ist, dass der angeklagte Landwirt, aus dessen Tank rund 1,7 Mio. Liter Gülle in die Neye-Talsperre geflossen waren, Berufung gegen ein Grundsatzurteil des Landgerichts Hagen vom Juli diesen Jahres eingelegt hat. Das Gericht hatte vor einigen Wochen bestätigt, dass die EWR Remscheid berechtigt sei, Schadenersatzansprüche an den Landwirt zu stellen. Der Energieversorger betreibt die betroffene Talsperre und beziffert allein den technischen Aufwand für die Beseitigung der entstandenen Schäden auf insgesamt 242 000 Euro. In dieser Summe sind die massiven Umweltschäden, die durch den Unfall verursacht wurden, noch nicht enthalten.

Gemäß dem Artikel bezweifelt die Verteidigung des Angeklagten die Höhe der von der EWR Remscheid gestellten Forderungen, diese soll ihr Zustandekommen nun mit einer detaillierten Aufstellung nachweisen. Mit Blick auf die Berufung sprach der EWR-Sprecher von einer bedauerlichen Verzögerung des Zivilprozesses. Diese werde aber den Elan des Unternehmens nicht stoppen, hier zu einem gerechten Ergebnis zu kommen.

Der Gülleunfall ereignete sich im März vergangenen Jahres und hat gemäß EWR Remscheid große persönliche Betroffenheit bei den eigenen Mitarbeitern, der Geschäftsführung, aber auch bei vielen Remscheider Bürgern ausgelöst. "Bei diesem Gülleunfall handelt es sich um eine Umweltkatastrophe besonderen Ausmaßes und ohne uns vergleichbar bekannter Größenordnung", schrieb EWR-Geschäftsführer Professor Dr. Thomas Hoffmann Anfang Juni in einer Medienmitteilung. Der langjährige intensive Einsatz des Unternehmens für eine hervorragende Wasserqualität in der Neyetalsperre sei mit einem Schlag zunichte gemacht worden. Mit Blick auf die Dimensionen des Schadens hat das kommunale Unternehmen einen Vergleich mit dem Beklagten kategorisch abgelehnt. (hoe)