Haaks soll Nachfolgerin Fenskes bei den KVB werden

Jürgen Fenske ist bis 31. Dezember 2018 Vorstandschef der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) und Co-Geschäftsführer der Stadtwerke Köln (SWK). Bis 5. November 2018 war er Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Bild: © Stadtwerke Köln

Stefanie Haaks, Jahrgang 1966, ist seit April 2015 kaufmännische Vorständin der Stuttgarter Straßenbahnen AG. Am 5. November 2018 schlug sie der Ständige Aufsichtsratsausschuss der Kölner Verkehrsbetriebe als KVB-Vorstandsvorsitzende vor. Bild: © SSB

Eine Ära bei den Kölner Verkehrsbetrieben, bei den Stadtwerken Köln und beim VDV geht zu Ende: Jürgen Fenske geht in Pension. Was die KVB angeht, soll angeblich Stefanie Haaks an die Spitze kommen. Woher sie kommt:

Der Ständige Aufsichtsratsausschuss der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) hat die Vorständin der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB), Stefanie Haaks (52), als Nachfolgerin von KVB-Vorstandschef Jürgen Fenske vorgeschlagen. Die KVB bestätigten der ZfK einen entsprechenden Bericht des "Kölner Stadtanzeigers". Nächsten Mittwoch soll die Personalie demnach in einem außerordentlichen Aufsichtsratsplenum endgültig entschieden werden. Die Abstimmung in dem Ausschuss fiel "mehrheitlich" für Haaks aus, eine ungenannte Mitbewerberin unterlag. Im Plenum ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich.

Mit dem 63-jährigen Gymnasiallehrer und Diplom-Betriebswirt Jürgen Fenske geht ein bestens vernetztes Urgestein der deutschen Nahverkehrsbranche zum Jahresende in Pension. Er war bis zum Montag mit neun Jahren der bisher dienstälteste VDV-Präsident; zum Nachfolger in diesem Ehrenamt wurde Ingo Wortmann gewählt.

Gut vernetzt in SPD, DB-Gruppe und VDV

Im westfälischen Lünen geboren, war Fenske SPD-Fraktionsgeschäftsführer im Kieler Rat, dann bis 1998 Büroleiter von Peer Steinbrück (SPD), der damals schleswig-holsteinischer Wirtschafts- und Verkehrsminister war. Anschließend bekleidete Fenske Führungsfunktionen in Bus- und Bahntöchtern der Deutschen Bahn in Schleswig-Holstein. Zwischendurch, 2003, scheiterte er als OB-Kandidat in Kiel. Schon damals bekleidete er Ehrenämter im VDV.

Anfang 2009 wechselte er zunächst als "Sprecher", seit 2011 als "Vorsitzender" des momentan vierköpfigen Vorstandes zu den KVB nach Köln. Dort war er Assistent der SPD-Ratsfraktion gewesen; seine Frau ist Kölnerin. Ebenfalls seit 1. Januar 2009 ist er ehrenamtlicher Co-Geschäftsführer der kommunalen Finanzholding Stadtwerke Köln (SWK), derzeit zusammen mit Rheinenergie-Chef Dieter Steinkamp. Die Stadt Köln will sie in eine strategische Holding mit hauptamtlicher Geschäftsführung umwandeln. Über einen ersten Versuch, die Stelle zu besetzen, hatte es seit April einen kommunalpolitischen Streit gegeben, in dem allerdings weder Fenske noch Steinkamp Gegenstand waren.

Erst Entscheid über KVB, dann über SWK

Fenskes Nachfolge bei den Stadtwerken Köln (SWK) wird erst nach der endgüligen KVB-Entscheidung beraten werden. Das teilten die SWK der ZfK mit. Der SWK-Aufsichtsrat tagt das nächste Mal regulär am 14. Dezember. Er könnte auch schon eine neue Geschäftsführung bestellen. Wer hierfür kandidiert und ob dann schon der Übergang zum Hauptamt kommt, ist nicht bekannt.

Die Stadtarchiv-Katastrophe 2009

Fenske gestaltete während seiner bald zehn Jahre an der Spitze der KVB deren Expansion in der wachsenden Metropole Köln nicht nur in neue Linien, sondern auch in neue Geschäftsfelder, etwa den Fahrradverleih auf Verbundfahrschein. Überschattet wurde die Entwicklung vom Einsturz des Kölner Stadtarchivs am 3. März 2009 während der Bauarbeiten zur künftigen Nord-Süd-Bahn. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben.

Am 12. Oktober verurteilte das Landgericht Köln von ursprünglich sieben Angeklagten einen Bauüberwacher der KBV wegen fahrlässiger Tötung zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe. Der Bundesgerichtshof muss darüber in Revision entscheiden. Der Verurteilte hat nach Überzeugung des Landgerichts erhöhte Überwachungspflichten vernachlässigt, nachdem ihn Mitarbeiter auf ein Hindernis bei der Herstellung einer Schlitzwand für das Gleiswechselbauwerk Waidmarkt hingewiesen haben sollen. Die Hindernislücke im Beton soll dann dem Stadtarchiv unter anderem Erde weggesogen haben. Dieser "gravierende" Herstellungsfehler sei "eindeutig und zweifelsfrei" die Einsturzursache. Die Leiterin der Bauüberwachung sowie zwei Bauleiter wurden freigesprochen.

Zwei weitere Strafprozesse

Vor einer anderen großen Strafkammer des Landgerichts läuft noch ein weiterer Strafprozess gegen einen Oberbauleiter der Baufirmen, der später aufgrund von Erkenntnissen in dem früheren Verfahren angeklagt worden war. Er ist bis nächsten März terminiert. Das wäre gerade noch rechtzeitig vor der Verjährung.

Das Verfahren gegen einen Baggerfahrer und einen Polier war abgetrennt worden, weil sie schwer erkrankt sind. Hier droht die Verjährung. Der siebte Angeklagte, ein anderer Polier, war im Januar verstorben.

KVB und Stadt fordern Milliarden von Bau-Arge

In einem zivilrechtlichen Beweissicherungsverfahren stehen sich am selben Gericht die KVB und die Stadt als Kläger und die 21 Baufirmen in der "Arge Los Süd" als Beklagte gegenüber. Die Kommune geht von einem Gesamtschaden von 1,2 bis 1,3 Mrd. Euro aus. Ein geringer Teil des Schadens war versichert: 60 Mio. Euro in einer Kunstversicherung der Stadt und 30 Mio. Euro in einer Projekthaftpflicht der Nord-Süd-Bahn.

Erst nach Abschluss des Beweissicherungsverfahrens als Vorstufe zum zivilrechtlichen Hauptverfahren darf an der Katastrophenbaustelle Waidmarkt weitergebaut werden. Die Arbeiten werden laut KVB vier, eher fünf Jahre dauern. Die Nord-Süd-Bahn war sukzessive von 2011 bis 2015 eröffnet worden. Aber es verkehren nur zwei Teillinien, die jeweils an den Stationen vor dem Waidmarkt, dem Heumarkt und der Severinstraße, kehrt machen.

Die erste Frau und Nichtakademikerin an KVB-Spitze?

Fenskes designierte Nachfolgerin Stefanie Haaks als KVB-Alleinvorständin ist seit April 2015 kaufmännische Vorständin der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), in einem vierköpfigen Führungsgremium. Sie wäre laut "Kölner Stadtanzeiger" die erste Frau und der erste Nichtakademiker an der Spitze der KVB.

Die 52-jährige gelernte Steuerberaterin, in Lübeck geboren, verfügt seit 2010 über umfangreiche Führungserfahrung in Nahverkehrsunternehmen: zunächst in Karlsruhe als kaufmännische Leiterin der Albtal Verkehrsgesellschaft (AVG) und seit 2012 in zusätzlichen Führungsfunktionen bei der Karlsruher Schieneninfrastruktur GmbH (Kasig), bei den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK), beim Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) und in der kommunalen Holding KVVH. Darüber hinaus ist Haaks unter anderem im Präsidiums des VDV und im Wirtschaftsausschuss der UITP, des internationalen Verbandes für das öffentliche Verkehrswesen. Ehrenamtlich ist sie SPD-Stadträtin im rheinland-pfälzischen Hagenbach bei Karlsruhe. (geo)