Eine Trinkwasseraufbereitungsanlage am Rhein
Bild: © J. Mai/Hessenwasser

Hessen: Wasser verfügbar, Technik am Limit

Das Wasser im Rhein-Main-Gebiet sprudelt trotz dem zweiten Rekordsommer in Folge, allerdings gerät die technische Infrastruktur zu bei anhaltenden Spitzenverbräuchen an ihre Grenzen.

Nachdem Deutschland bereits 2018 unter tropischer Hitze geächzt hat, legt der diesjährige Sommer mit wochenlang anhaltenden Spitzentemperaturen nach. Das bekommen auch die Trinkwasserversorger zu spüren. Bei Hessenwasser war die Tageshöchstmenge von 417.867 Kubikmetern aus dem vergangenen Jahr bereits vergangene Woche überschritten. 426.312 Kubikmeter Wasser wurden am 26. Juni abgegeben. Die Wasserressourcen verkraften das, die Technik allerdings weniger.

„Sowohl für die Trinkwassergewinnung als auch für die Trinkwasserverteilung bedeuten solche Spitzenwerte eine enorme Herausforderung“, stellt Nicole Staude, Bereichsleiterin Technik bei Hessenwasser fest und ergänzt: „Der Trinkwasserbedarf in solchen Hitzeperioden verläuft parallel zu den Tageshöchsttemperaturen. Im konkreten Fall bedeutete das innerhalb weniger Tage einen Anstieg um rund 35 Prozent. Dann laufen alle Wasserwerke in kürzester Zeit am Limit.“

Lastmanagement wird komplexer

Für die Mitarbeiter von Hessenwasser ist der gesteigerte Bedarf vor allem in Anbetracht des damit verbundenen Lastmanagements eine Herausforderung. Sie müssen Anlagen und 126 Hochbehälter so steuern, dass genügend Wasser im eigenen Versorgungssystem aber auch in den 50 Kundenkommunen ankommt.

„Vor allem in den Abendstunden, wenn alle nach Hause kommen, Duschen und den Garten bewässern oder vielleicht das Planschbecken für die Kinder neu befüllen, können dann im Einzelfall 100 Kubikmeter pro Stunde mehr oder weniger darüber entscheiden, ob ein Behälter bis in die Nachtstunden, wenn der Verbrauch sinkt, vor dem Leerlaufen bewahrt werden kann“, sagt Franco Coppola, der in der Leitzentrale des Versorgers arbeitet.

Infrastruktur anpassen

Sowohl Pumpen, als auch Transportleitungen, Übergabestationen und Speicher sind auf die Wassermengen im zweiten Rekordsommer in Folge nicht ausgelegt. Je nach Dauer und Ausprägung des Spitzenbedarfs gelangt die Technik an ihre Grenzen. Damit die Trinkwassersituation nicht nur aus Sicht der Ressourcenverfügbarkeit unkritisch bleibt, hat sich Hessenwasser bereits an die Optimierung der Infrastruktur gemacht. Der erste Abschnitt einer neuen Leitung ins hessische Ried ist bereits fertig gestellt. Weitere Projekte sollen nun schnellst möglich vorangebracht werden, so der Versorger. (ls)