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Hochwasser: Versorger haben Lage im Griff

Energieversorger aus dem Süden, Ostdeutschland und im Westen äußern sich bei der ZfK zur aktuellen Hochwasserlage und deren Bewältigung.

Besonders schwer hat es die Stadt Rosenheim getroffen. Dort brach gestern (2. Juni) Nacht ein Damm und veranlasste die Evakuierung von 1000 Menschen. Aufgrund von Überschwemmungen mussten die Stadtwerke Rosenheim den Strom für die südwestlichen Teile der Stadt abschalten. Betroffen war u. a. auch das Verlagshaus der Lokalzeitung, die wegen des Stromausfalls nicht in Druck gehen konnte, berichtet Thomas Sprenger, Pessesprecher der Stadtwerke. Dank des Internets berichten die Redakteure allerdings weiter über die lokalen Geschehnisse (www.rosenheim24.de). Sprenger teilte zudem mit, dass das Wasser südlich der Mangfall bereits zurückgehe und deshalb zwei Verteilstationen wieder in Betrieb sind. Damit Einsatzkräfte und Bewohner möglichst lange Wasser abpumpen können, schalten die Rosenheimer außerdem Verteilstationen und Transformatoren erst im letzten Moment aus.
Das Rosenheimer Trinkwasser sei durch das Hochwasser nicht gefährdet. Die Brunnenanlagen sind mit UV-Anlagen ausgestattet. "Hierbei leiten wir das Trinkwasser an einer starken UV-Lichtquelle vorbei, die etwaige Keime beseitigt. Zudem verfügen unsere Brunnen über Chlorgasanlagen, die wir bei Bedarf zuschalten können", erläutert Sprenger. Bedarf hätte es hierfür aber nicht gegeben. Zudem habe man das Wasserkraftwerk in Oberwöhr vom Netz genommen und versuche derzeit, Druck vom Mangfallkanal zu nehmen, um einem weiteren Dammbruch an der Mangfall entgegenzuwirken. "Hier ist derzeit die Lage am kritischsten", so der Pressesprecher. Würde der Mangfalldamm bei Kolbermoor brechen, würden sich die Wassermassen nach Norden in ein großes Gewerbegebiet und letztendlich auch in Teile der Rosenheimer Innenstadt ergießen. Bislang habe man die anfallenden Aufgaben mit eigenen Kräften bewältigen können.

Im sächsischen Zwickau mussten ebenfalls in einem Stadtteil Trafostationen abgeschaltet werden. Insgesamt waren dies stromseitig zwei Trafostationen, davon eine Kundenstation. Außerdem stellte die Zwickauer Energieversorgung GmbH (ZEV) in denselben Stadtteil die Wärme- und Erdgasversorgung ab. Darüber hinaus verzeichnete die ZEV mehrere kleine Ausfälle wegen überfluteter Hausanschlusskästen. Sobald sich die Lage entspannt, werde man jedoch die Anlagen wieder zuschalten, so Jennifer Böhm, kaufmännische Leiterin der ZEV. Bei der Trinkwasserversorgung gebe es keine Einschränkungen, teilten die Wasserwerke Zwickau mit. Der Katastrophenschutz werde in der Stadt über das Land koordiniert, doch die ZEV benötigten bislang keine Unterstützung.

Die Eins Energie in Sachsen GmbH & Co. KG sagte der ZfK, dass man in Chemnitz vier Trafostationen außer Betrieb genommen habe. "Zwei davon sind für die Versorgung der Allgemeinheit zuständig. D. h. ca 500 Kunden sind derzeit ohne Strom", erklärte Christian Stelzmann von der Unternehmenskommunikation. Man wolle die Hochwassersituation und die Anlagen weiterhin sehr aufmerksam beobachten. Die Trinkwasserversorgung sei auch während des Hochwassers ungefährdet. Zudem seien die Techniker bei Problemen schnell vor Ort.

Die Stadtwerke München nehmen zur Qualitätssicherung ihres Trinkwassers mittlerweile die Transportchlorung in Betrieb. Denn die sehr starken Niederschläge in den vergangenen Tagen haben auch die Gewinnungsgebiete des Münchner Trinkwassers unter Hochwasser gesetzt, teilte Christian Miehling, Pressesprecher der SWM mit. Allerdings handle es sich um eine Präventiv-Maßnahme, das Münchner Trinkwasser könne weiterhin bedenkenlos getrunken werden. Schäden an den Wasserkraftwerken seien nicht zu erwarten. Dennoch habe der Münchner Kommunalversorger zusätzliche Mitarbeiter vor Ort, die im Bedarfsfall eingreifen.
Lediglich einige Häuser in der Au – einem tiefliegenden Stadtviertel an der Isar – haben die SWM ausgesichert, da eine Überflutung der Elektroanlagen angesichts des steigenden Grundwassers drohe. Großflächige Abschaltungen seien jedoch nicht nötig. Für einen echten Hochwasserfall verfüge man über alle Kompetenzen im eigenen Haus. Zudem habe der Versorger genügend notwendige Spezialisten in ausreichender Qualität und Anzahl, so Miehling.

Vergleichsweise komfortabel hat es die Rheinenergie AG in Köln: Zwar habe man in Köln derzeit eine Hochwasserlage, aber Stromabschaltungen seien bei diesen Wasserständen noch nicht zu erwarten, sagte Christoph Preuß, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der ZfK. In Köln sei man weit von einer Katastrophe entfernt. Der Wasserstand liege derzeit unter 8 m; erwartet werde eine Scheitelwelle für Köln von etwa 8,40 m. Das sei jedoch weit weg von "echten" kritischen Marken. Der höchste, seit Aufzeichnungsbeginn gemessene Wasserstand in Köln lag bei 10,69 m. Selbst wenn der Wasserpegel stiege, seien davon in der Regel immer nur einzelne Häuser oder Teile einer Straße betroffen. Auch für das Trinkwasser sieht er keine Gefahr: "Bei Hochwasseranlagen können wir die ufernäheren Brunnen abschalten, obwohl diese von oben gegen eindringendes Wasser gut geschützt sind. Wir fördern ausschließlich Grundwasser und haben genügend Brunnen weitab der Hochwassergebiete", erklärte Preuß. Käme es zu einer echten Katastrophenlage, wäre die Rheinenergie Teil eines umfassenden Konzepts unter Federführung der Stadt Köln. Dann käme auch das Technische Hilfswerk unterstützend zum Einsatz. (sg)