Die Mehrzahl der Wasserversorger sind kommunale Unternehmen. Hier werden Wasserzähler auf Dichtheit und Messgenauigkeit überprüft. Bild: VKU

Keine Effizienzunterschiede

DIW-Studie: Kommunale Unternehmen arbeiten genauso effizient wie private Unternehmen.

Drei Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zur Entwicklung des Energie- und Wassersegments haben den kommunalen Unternehmen ein gutes Zeugnis ausgestellt. Nachdem in der Vergangenheit gerade die Monopolkommission und das Kartellamt den kommunalen Sektor sehr kritisch sah, haben die Wissenschaftler des DIW keine Beanstandungen am öffentlichen Sektor ausgesprochen. Die Studien basieren auf Datenmaterial der Jahre 2003 bis 2012. Eine besondere Erkenntnis der Studie ist die hohe Effizienz der kommunalen Unternehmen. "Unsere Analysen zeigen, dass kommunale Energieunternehmen ihre Leistung ebenso effizient erstellen wie private Unternehmen", sagt Maria Nieswand, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut. "Das gilt nicht nur für den wettbewerblich organisierten Stromvertrieb. Auch die kommunalen Netzbetreiber arbeiten genauso effizient wie die privaten."

Die DIW-Beurteilung geht sogar noch weiter: "Das Ergebnis unserer Studie ist insofern bemerkenswert, als dass öffentliche Unternehmen anders als private nicht auf reine Gewinnmaximierung abzielen, sondern weitergehende Interessen verfolgen", erklärt DIW-Mitarbeiterin Caroline Stiel. So haben die kommunalen Unternehmen etwa auch energie- und klimapolitische und nicht zuletzt fiskalische Ziele. Bemerkenswert war ferner, dass die Wissenschaftler keinen Trend zur Rekommunalisierung ausgemacht haben. Dies liegt an der Tatsache, dass sie auch die privaten Unternehmen als Vergleich hernahmen und dort ein noch größere Dynamik vorfanden als im kommunalen. Treiber für die Dynamik waren vor allem das Unbundling und die Energiewende. "Von einer Verdrängung privater Energieversorger durch Rekommunalisierungen kann keine Rede sein", sagt DIW-Mitarbeiterin Astrid Cullmann.

Demnach haben sich im kommunalen Sektor die Zahl der Energie-Unternehmen zwischen 2003 und 2012 um 17 Prozent erhöht. Im privaten Sektor lag die Steigerung gar bei 49 Prozent. Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung, wenn man die Umsätze hernimmt: bei kommunalen Unternehmen fanden die Wissenschaftler eine Steigerung von 54 Prozent vor, bei den privaten gar um nahezu 100 Prozent. Auch am Anteil macht sich das deutlich: Die öffentlichen Versorger erwirtschafteten im Jahr 2012 nur noch etwas mehr als ein Viertel der Umsätze im Energiesektor, obwohl sie die Mehrheit der Unternehmen stellen.

Auch der Wassersektor wurde eingehend durchleuchtet. Mehr als 6000 Trinkwasserversorger gibt es insgesamt in Deutschland – die Monopolkommission hat daher bereits in der Vergangenheit eine Konsolidierung des Sektors empfohlen. Die Ergebnisse der DIW-Analyse deuten allerdings eher nicht darauf hin, dass größere Versorger kostengünstiger arbeiten und Trinkwasser zu niedrigeren Preisen anbieten können. Ausnahmen gab es nur in Einzelfällen – etwa bei sehr kleinen Unternehmen. DIW-Mitarbeiter Michael Zschille spricht sich daher gegen eine Zusammenlegung von Trinkwasserversorgungsgebieten und -unternehmen in Deutschland aus: "Das würde vermutlich zu Nachteilen für die Versorger sowie Verbraucherinnen und Verbraucher führen."

Die DIW-Mitarbeiter wiesen bei der Vorstellung der Studien darauf hin, dass sie die vorliegenden statistischen Daten in einem umfangreichen Prozess aufgearbeitet haben und deshalb jetzt erstmals Fragen zu diesem Sektor "empirisch robust" beantworten können. Es wurden Datensätze von Energiestatistiken, Jahresabschlüssen öffentlicher Fonds, Einrichtungen und Unternehmen sowie das Unternehmensregister verwendet und "zusammen gespiegelt". So könne nun aus den Daten sektorenscharf und wertschöpfungsscharf Antworten gegeben werden. Diese Tiefe der Datenbearbeitungen habe es bisher in Deutschland noch nicht gegeben. Andere Institutionen wie die Monopolkommission beziehe lediglich eine Statistik ein und generiere daraus ihr Schlüsse, so DIW-Mitarbeiterin Cullmann.

Die Ergebnisse der Studien sind im DIW Wochenbericht 20/16 veröffentlicht. (al)