In Enlichheim wird seit vielen Jahrzehnten Erdöl gefördert.
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Niedersachsen: Sanierung des Bohrstellen-Lecks auf Erdölfeld dauert Jahre

Es ist einer der größten Umweltschäden der niedersächsischen Erdölförderung: Jahrelang traten in Emlichheim unbemerkt Millionen Liter gesundheitsschädigendes Lagerstättenwasser aus. Der Schadensverursacher Wintershall Dea will die Leckage schnell beseitigen. Weitere alte Bohrungen im Bereich der Trinkwassergewinnung sollen geprüft werden.

Die Sanierung eines Lecks auf einem Erdölfeld in der Grafschaft Bentheim wird längere Zeit dauern. "Wir gehen von einem mehrjährigen Prozess aus", sagte der Leiter der Wintershall Dea Deutschland, Dirk Warzecha, am Dienstag nach einem Treffen mit Behörden und Kommunen in Nordhorn.

An einer Bohrstelle in Emlichheim direkt an der niederländischen Grenze waren von 2014 bis 2018 unbemerkt bis zu 220 Mio. Liter Lagerstättenwasser in den Untergrund ausgetreten.

Ausmaß des Schadens noch unklar

Wintershall Dea will das Lagerstättenwasser wieder aus dem Untergrund abpumpen und über andere Bohrungen zurück in die Gesteinstiefe pressen, wo es bei der Erdölförderung herausgefördert wurde. Das genaue Ausmaß des Schadens müsse weiter erkundet werden, sagte Warzecha.

Zunächst solle nun ein spezieller Pumpversuch erfolgen, bei dem das Lagerstättenwasser aus verschiedenen Tiefen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten gefördert werden soll. Damit könne in zwei Wochen begonnen werden. Zunächst müsse das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) eine entsprechende Genehmigung erteilen.

Überwachungsmaßnahmen ausbauen

Auch die Überwachungsmaßnahmen sollen ausgebaut werden, sagte Warzecha. Zu den schon vorhandenen 15 Messstellen sollen 8 weitere hinzukommen. Damit soll das oberflächennahe Grundwasser kontrolliert werden. Das Leck trat in einer Tiefe zwischen 100 und 150 Metern Tiefe auf.

Für den Landkreis Grafschaft Bentheim sagte Kreisrat Michael Kiehl, er sei erfreut, dass Wintershall Dea zügig mit der Sanierung beginne, auch wenn noch kein abschließendes Bild des Schadensausmaßes vorliege. Auch Emlichheims Samtgemeindebürgermeisterin Daniela Kösters (parteilos) äußerte sich positiv: "Man hat gemerkt, dass auf die Worte auch Taten gefolgt sind."

Weitere Schadensfälle in Niedersachsen?

Das Landesbergamt hatte im Sommer auch Daten von anderen Einpressbohrungen in Niedersachsen angefordert, um weitere Lecks dieser Art auszuschließen. Die Auswertung sei noch nicht abgeschlossen. Hinweise auf weitere Schadensfälle gebe es derzeit nicht. Bei der Auswertung werde Priorität darauf gelegt, zunächst Einpressbohrungen aus der Grafschaft Bentheim auszuwerten, sagte der Präsident des LBEG, Andreas Sikorski. Das sei wichtig, weil alte Einpressbohrungen im Bereich der Trinkwassergewinnung liegen, sagte Kreisrat Kiehl. In der Grafschaft Bentheim wird seit vielen Jahrzehnten Erdöl gefördert. (dpa/pm)