Die Bodensee-Wasserversorgung und MTU Onsite Energy haben das neue Notstromaggregat erfolgreich in Betrieb genommen. Im Bild die Projektleiter: Thomas Eimer (MTU Friedrichshafen) li. und David Stüble (Bodensee-Wasserversorgung)The Lake Constance Water Supply Authority started up successfully the new emergency diesel genset from MTU Onsite Energy. In the picture: the project managers Thomas Eimer (MTU Onsite Energy) left and David Stüble (Lake Constance Water Supply Authority).
Rolls-Royce Power Systems AG

Notstromaggregat mit 6,5 MW Leistung

Bodensee-Wasserversorgung rüstet Sicherungssystem von 8,8 auf 15,3 MW auf.

Am 23. Juni 2015 hat die Bodensee-Wasserversorgung das neue Notstromaggregat von MTU Onsite Energy (Rolls-Royce Power Systems) in Betrieb genommen. Es erweitert die vorhandene Notstromanlage und sorgt dafür, dass die Trinkwasserversorgung für vier Millionen Bürger in Baden-Württemberg bei Stromausfall sichergestellt wird. Das Aggregat weist eine Leistung von 6,5 MW auf.

Das 9 m lange Kraftpaket ist im MTU-Werk 2 in Friedrichshafen-Manzell gefertigt worden. Mit einem Schwertransporter ging die 67 t schwere Anlage im März 15 auf die kurze Reise von Friedrichshafen bis zum etwa 35 km entfernten Wasserwerk in Sipplingen. Mit rd. 1700 km Rohrleitungen und 125 Mio. m3 Wasserabgabe im Jahr ist die Bodensee-Wasserversorgung der größte Wasserversorgungszweckverband in ganz Deutschland.

Das neue Notstromaggregat der Bodensee-Wasserversorgung basiert auf einem schnelllaufenden 20-Zylinder MTU-Dieselmotor der Baureihe 956. Motoren dieser Baureihe von MTU treiben auch große Lokomotiven, Fähren und andere Schiffe an. Die Leistung dieses neuen Aggregat-Typs "TB34", das erstmals bei der Bodensee-Wasserversorgung eingesetzt wird, ist gegenüber der Vorgängergeneration "TB33" um knapp 5 % gesteigert worden. Die mechanische Leistung des Motors liegt bei 6500 kW (50Hz/1500U/min). Diese wird vom Generator in eine Nennleistung von 7800 kVA umgewandelt.

Um bei Stromausfall die 320 Städte und Gemeinden in ganz Baden-Württemberg sicher mit Trinkwasser versorgen zu können, betreibt die Bodensee-Wasserversorgung bereits seit 1986 eine Notstromanlage mit zwei MTU-Aggregaten auf dem Sipplinger Berg. Das neue Stromaggregat erhöht die verfügbare Leistung von 8,8 auf 15,3 MW. Mit dieser Energie können im Notstrombetrieb bis zu 75 % des durchschnittlichen Wasserbedarfs gefördert, aufbereitet und transportiert werden.

Dr. Marcel Meggeneder, technischer Geschäftsführer der Bodensee-Wasserversorgung: "Die neue Notstromanlage bedeutet ein deutliches Plus an Versorgungssicherheit für vier Millionen Menschen in Baden-Württemberg. Durch den derzeitigen Umbau der Stromnetze im Zuge der Energiewende steigt das Risiko eines Stromausfalls. Diesem Risiko können wir mit dem heutigen Tag entgegen treten."

Durch die Erweiterung der Notstromanlage wird zudem die schrittweise Generalüberholung der beiden vorhandenen MTU-Aggregate möglich. Nach der Generalüberholung besteht dann die Möglichkeit, bei Netzausfall auch eine 11,5 MW Förderpumpe über die drei Ersatzstromaggregate zu betreiben. Somit ist eine Erhöhung der Rohwasser-Fördermenge auf 3000 l/s möglich.

Falls es zu einem Stromausfall kommt, verfügt die Bodensee-Wasserversorgung zunächst über große Speicher, durch die sie die Kunden weiter mit Trinkwasser versorgen kann. Erst wenn das Stromnetz für längere Zeit unterbrochen ist, wird das Aggregat hochgefahren.

Verantwortlich für die Gesamtplanung der neuen Anlage auf dem Sipplinger Berg war die EnBW AG. Allein wegen der Größe dieser Anlage bedeuteten Planung, Bauleitung und Objektbetreuung auch für Kurt Weber, Projektleiter seitens der EnBW AG, ein "nicht alltägliches" Projekt. Den besonderen Reiz habe die bauliche und elektrotechnische Verknüpfung des neuen Aggregats mit den bestehenden Notstromanlagen zu einem leistungsfähigen und vor allem zuverlässigen Gesamtsystem ausgemacht, das jetzt auch höheren Außentemperaturen gewachsen sei. (al)