Bodensee Wasserversorgung: tiefgreifendes Renovierungsprogramm führt zu deutlichem Anstieg der Wasserpreise Bild: @ Bodensee Wasserversorgung

Preissprung für Trinkwasser am Bodensee

Die Wasserpreise im Bereich der Bodensee-Wasserversorgung steigen um rund 13 Prozent. Großer Investitionsbedarf macht diese deutliche Erhöhung notwendig.

Die Bodensee-Wasserversorgung (BWV) steht vor dem größten Umbau in ihrer Verbandsgeschichte. Mit dem Projekt „Zukunftsquelle. Wasser für Generationen“ sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, „dass die Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg sich weiterhin auf eine sichere und ausreichende Trinkwasserversorgung aus dem Bodensee verlassen können“. Der frischgewählte Verbandsvorsitzende Jürgen Zieger gab gegenüber dem Südkurier zu bedenken: „Es wird deutlich teurer werden, da machen wir gar keinen Hehl daraus.“

Für das Jahr 2020 plant der Verband eine Erhöhung des Wasserpreises um rund 13 Prozent von 56 auf 63,7 Cent pro Kubikmeter Trinkwasser. Dank einer überdurchschnittlich hohen Wasserabgabe von 137,6 Mio. Kubikmeter Trinkwasser im Jahr 2018 konnte dabei rückwirkend die mittlere Umlage, also der durchschnittliche Wasserpreis, um 2,6 Prozent günstiger als geplant ausfallen. Dieser Überschuss wird teilweise an die Verbandsmitglieder zurückerstattet, eine Mio. Euro fließen einer zweckgebundenen Rücklage zu.

Anlagen vor Grundsanierung

Handlungsbedarf besteht in verschiedener Hinsicht. Die Anlagen und Leitungen der Bodensee-Wasserversorgung sind in weiten Teilen seit 60 Jahren in Betrieb und nähern sich dem Ende ihrer Lebensdauer. Außerdem verzeichnet der BWV eine steigende Nachfrage nach Trinkwasser aus dem Bodensee, sowohl bei bestehenden Verbandsmitgliedern, als auch bei Gemeinden, die der Solidargemeinschaft neu beitreten möchten. Als Ursache haben die Verantwortlichen den Klimawandel und die „damit einhergehenden höheren Temperaturen“ ausgemacht.

Außerdem gibt es ein Problem mit Neophyten. Die schnelle Besiedlung des Bodensees durch die Quaggamuschel und kommende Veränderungen in der Qualität des Seewassers verlangen eine Anpassung der Aufbereitung und den Bau einer neuen Aufbereitungsstufe. Der BWV versichert: „Diese wird nicht nur die Entfernung der Quaggamuschel sicherstellen und ihre Ausbreitung verhindern, sondern auch den Herausforderungen der Zukunft wie Spurenstoffen, Mikroplastik oder schädlichen Blaualgen gewachsen sein.“

Das Land soll helfen

Christoph Jeromin, Technischer Geschäftsführer des BWV, hofft nun auf Landesmittel: „Unterstützung erwarten wir hier von den Ergebnissen des ‚Masterplans Wasserversorgung‘, den das Land Baden-Württemberg Anfang 2019 aufgelegt hat und der aktuelle und relevante Daten und Prognosen zur Entwicklung des Trinkwasserbedarfs liefern wird.“ Die Bodensee-Wasserversorgung plant für das Jahr 2020 mit Investitionen in Höhe von 35,5 Millionen Euro, die etwa je zur Hälfte im Leitungsnetz und in den technischen Anlagen in Sipplingen anfallen werden. (sig)