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13 September 2017 | 10:55

Reiche: Kooperieren statt Durchregieren

, Bild: mn/zfk
Bild: mn/zfk
Auf dem Stadtwerkekongress kritisiert die VKU-Chefin die Pläne der Regierung beim Netzmanagement scharf. Landespolitiker Griese pflichtet bei.

Nach Ansicht der VKU-Hauptgeschäftsführerin hat die Politik in der kommenden Legislaturperiode die Gelegenheit, wichtige Entscheidungen im Energiebereich zu treffen beziehungsweise zu korrigieren. Das betrifft unter anderem den Klimaschutz. Hier müssen die Lasten nach Ansicht von Katherina Reiche auf mehrere Schultern verteilt werden. Konkret heißt dies, mehr Sektoren in die Pflicht zu nehmen.

Wenn man den Klimaschutzplan betrachte, habe man den Eindruck nur die Energiewirtschaft müsse diesen bewältigen, sagte die VKU-Chefin auf dem Stadtwerkekongress in Mainz. "Die Kommunalwirtschaft ist offen für pragmatische und kosteneffiziente Lösungen", so Reiche weiter und kündigte hier eigene Vorschläge an.

Zudem fordert Reiche bessere Wettbewerbsbedingungen für kommunale Unternehmen. Hier bestünden insbesondere Hindernisse auf Landesebene, aber auch beim Zugang zu Fördergeldern. Dies sei häufig bei EU-Projekten ein Problem, da dort bei vielen Vorhaben Unternehmen mit einem Kommunalanteil von über 25 Prozent ausgeschlossen seien. Negativ wirke sich dies auch dann aus, wenn sich nationale Förderprogramme an EU-Vorgaben orientierten.

Einfache Lösungen

Das zentrale Thema, mit dem sich die VKU-Chefin an ihre Zuhörer in Mainz wandte, war jedoch die künftige Rolle der Verteilnetzbetreiber (VNB). "Wir sorgen dafür, dass der Strom auch in die entlegensten Gebiete kommt", betonte Reiche. Da der weitaus größte Teil der erneuerbaren Energien an diese angeschlossen sind, seien sie der Schlüssel der Energiewende.

Umso stärker wundert sich Reiche darüber, dass die Politik dies offenbar nicht anerkennt und auf die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) setzt. Diese sollen nach Plänen des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi), "Zugriff auf jedes Windrad" haben. "Die Politik neigt zu scheinbar einfachen Antworten, um der Komplexität ein Stück weit zu entgehen", lautet ein Erklärungsversuch der VKU-Chefin.

Dies sei jedoch der falsche Weg. Die Flexibilitätsoptionen befänden sich zukünftig auf Verteilnetzebene. Deshalb müssten auch Maßnahmen zur Systemstabilität den VNB zugängig gemacht werden. "Wir brauchen zu jeder Zeit die Entscheidungshoheit über die Verteilnetze", fordert Reiche. Der Verband spricht sich hier für die Beibehaltung der Kaskadenregelung aus, bei der jeder Betreiber die Verantwortung für seine Netzebene hat.

Holzweg zentraler Datenserver

Der VKU hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit den künftigen Aufgaben der VNB und den dazu passenden Rahmenbedingung auseinandergesetzt. Ein Ergebnis ist die Notwendigkeit der Intensivierung der Zusammenarbeit, etwa in Form intelligenter, regionaler Verteilnetz-Cluster.

Eine Aufgabe ist hier das gemeinsame Datenmanagement. Auch dieses muss nach Ansicht des Verbands dezentral organisiert werden. "Mit dem Konzept der Konzentration der Daten auf einem Server ist die Politik auf einem Holzweg", so Reiche. "Wir setzen auf Kooperation, das BMWi auf das Durchregieren", folgert sie. In den kommenden Monaten will der Verband seine Gedanken und Vorschläge intensiv mit der Politik diskutieren.

Auch der in Mainz anwesende Staatssekretär für Umwelt und Energie in Rheinland-Pfalz, Dr. Thomas Griese, ist kein Freund einer überbetonten Zentralität: "Die Energie dezentral zu erzeugen und dann zentral zu organisieren, wird nicht funktionieren." Regelungs- und Speicherfragen müssten viel stärker dezentral gehandelt werden, so der Landespolitiker.

Für ihn hat die Diskussion noch eine weitere Komponente: Je stärker man auf zentrale Steuerung setze, desto stärker befördere dies zentrale Erzeugungsstrukturen wie Großkraftwerke. Dabei kämen weitere dezentrale Herausforderungen hinzu, wie die Elektromobilität. "Es ist ausgeschlossen, dass die ÜNB das Management der E-Mobile übernehmen können", so Griese. (mn)

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Agora Energiewende bedeutet dies, verglichen mit 2016, einen Anstieg von fünf Mio. Tonnen oder 1,2 Prozent.