Schäffner verlässt Stadtwerke Lübeck vorzeitig

Jürgen Schäffner ist seit 1. Juli 2017 Co-Geschäftsführer der Stadtwerke Lübeck Holding und Alleingeschäftsführer der Stadtwerke Lübeck. Bild: © Stadtwerke Lübeck

Jens Meier ist seit Juli 2017 Alleingeschäftsführer der Stadtwerke Lübeck Netz und seit Juli 2019 zusätzlich einer der Geschäftsführer ihrer 100-Prozent-Mutter Stadtwerke Lübeck. Bild: © Stadtwerke Lübeck

Der Holding- und Stadtwerke-Geschäftsführer gibt persönliche Gründe und einen erfüllten Auftrag an. Aber natürlich war der Chef der Netztochter, Jens Meier, zu einem Kollegen von ihm im Stadtwerk befördert worden.

Jürgen Schäffner, seit Juli 2014 Co-Geschäftsführer der Stadtwerke Lübeck Holding und Alleingeschäftsführer der Stadtwerke Lübeck, wird das Unternehmen auf eigenen Wunsch zum Jahresende verlassen. Dies geht aus einer Pressemitteilung des Kommunalversorgers vom Montag hervor. Vergangenen Dienstag war demnach eine Aufhebungsvereinbarung geschlossen worden. Sie sieht auch vor, dass Schäffner bis zuletzt alle seine Ämter weiter verantwortlich wahrnimmt.

Als Grund gibt Schäffner persönliche Gründe an. Die ihm gestellte Aufgabe, den Kommunalkonzern in wirtschaftlich stabile Fahrwasser zu führen und weiterzuentwickeln, sei gelungen. Er wolle sich jetzt auf neue Herausforderungen konzentrieren.

Die Machtfrage mit Jens Meier

Dabei spricht einiges für die Annahme der "Lübecker Nachrichten", dass zwischen Schäffner und dem Chef der Netztochter und der Tochter Travekom, Jens Meier, seit einem Zeitpunkt X auch die Machtfrage gestellt war, die schließlich zugunsten Meiers ausging: Seit Juli 2017 Geschäftsführer der "Stadtwerke Lübeck Netz" und des Telefonieanbieters Travekom, stieg Meier genau zwei Jahre später zusätzlich zum zweiten Geschäftsführer der Stadtwerke und damit zum Kollegen Schäffners auf – ein seltener, wenn nicht einmaliger Vorgang innerhalb ein und desselben Kommunalversorgers. Dies alles nach monatelangen Indiskretionen und Spekulationen in diese Richtung, die die 560 Beschäftigten im Konzern seit Mitte Mai meistens aus der Lokalzeitung erfuhren. Sie gipfelten sogar in dem Szenario, dass Meier auch gleich in die Holding-Geschäftsführung einziehen könnte. Dort ist Schäffner von Anfang an Kollege von Andreas Ortz, dem Geschäftsführer der Verkehrstochter. Die Stadtwerke verwiesen auf ZfK-Anfrage auf die von Schäffner angegebenen Rückzugs-Gründe. Weitere Erklärungen gebe man bei Personalien grundsätzlich nie ab.

Die Aufsichtsräte von Holding und Stadtwerken – denen Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) nicht angehört; einen OB gibt es in der Hansestadt nicht – versuchen nun, den Schaden zu begrenzen: Sie bedauern Schäffners Schritt, bedanken sich bei ihm und wünschen ihm "für seine künftigen Aufgaben weiterhin viel Glück und Erfolg". "In die Zeit von Jürgen Schäffner fallen maßgebliche Entscheidungen, die bestimmend sein werden für die Zukunft der Stadtwerke Lübeck", hieß es von den Stadtwerke-Gesellschaftern Stadt Lübeck und Stawag Stadtwerke Aachen AG. Sie hoben Schäffners "erfolgreiche Tätigkeit" in den bisher gut fünf Jahren hervor:

  • "insbesondere" die wirtschaftliche Konsolidierung des Konzerns: Der Verlustvortrag aus der Zeit seiner Vorgänger sei fast ganz abgeschmolzen.
  • die Weichenstellung für mehr Klimaschutz als wesentliches Geschäftsfeld. So wurde der Bereich der Energiedienstleistungen (EDL) auf- und ausgebaut sowie die Fernwärme auf Basis der hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ausgeweitet.
  • die Orientierung der Stadtwerke zu den Kunden und danach Vertriebserfolge. Für die Einführung neuer, digitaler Prozesse und Plattformen zur Bearbeitung von Kundenanliegen bekamen die Lübecker 2018 den "Stadtwerke Award" des Verbandes kommunaler Unternehmen, der Kooperation Trianel und der ZfK. (geo)