Sarah²: Der Server hält die Daten im SmartHome.

Smart Home Kongress Nürnberg: Den Datenschutz im Blick behalten

Neue Chancen für die Smart Home Technologien: Von Energieoptimierung bis Sicherheit. Auf dem Kongress der Smart Home Initative in Nürnberg lassen sich innovative Tendenzen in der Branche ausmachen.

Was sich heute „Smart Home“ nennt, startete vor etwa 20 Jahren unter der Überschrift „Intelligente Häuser“. Auf dem diesjährigen Kongress des Verbands Smart Home Initiative Deutschland e.V. (SMI) in Nürnberg erinnerte Günther Ohland an die Anfänge von Bussystemen in Privatvillen und Zweckbauten. Und daran, was sich seither, gerade seit der SMI-Gründung vor zehn Jahren, getan hat. Denn inzwischen sei das „Segment der technischen Innovatoren bedient“.

Für die arbeiteten zu Beginn meist einzelne Handwerks-Gewerke; sie handelten ohne Verbindung zu den Kollegen. Heute hätten alle vernetzt zu denken; einzelne Handwerker müssten sich trauen, mit Spezialisten gemeinsam aufzutreten. Und: „Smart Home“ sei ein Massenmarkt, dessen Produkte oft auch ohne Handwerker installierbar und selbst per Internet-Versandhändler zu beziehen.

Bringt Smart Home wirklich mehr Lebensqualität?

„Dank RWE, jetzt Innogy, wurde Smart Home zum Thema in allen Bevölkerungsschichten“, nannte der Vorstandsvorsitzende der SMI jenen Konzern, der mit den Vorurteilen „Smart Home ist teuer, Luxus, hoch kompliziert“ aufgeräumt habe. Die „smarten“ Vorteile herauszustellen, war wohl der Schlüssel des Erfolgs.

Also alles super? Mitnichten! Denn sei es wirklich eine „Errungenschaft, das Licht im Haus mit dem Smartphone einzuschalten?“ fragte Ohland die fast 200 Kongressteilnehmer. Auch „die permanente Internet-Abhängigkeit, die wenig bis gar nicht vorhandene Integration in IoT-Inseln“ (Internet of Things; d.Red.) kritisierte der SMI-Gründer genauso wie „zum Teil dubiose externe Cloud-Dienstleister-Software“.

Chance: Smart Home nach Kundenwunsch

Dennoch sieht gerade Günther Ohland die Chancen für die Branche: Das nach Kundenwunsch ausgerüstete Smart Home, direkt vom Fertighaus-Hersteller geliefert und jederzeit vom Endkunden zu erweitern, stellte er beispielsweise heraus. Damit diese Markt-Entwicklung zügig weitergehen kann, gab er auch der Forderung nach einem „allumfassenden Standard“ eine klare Absage: „Den haben wir nirgends, nicht mal beim Auto. Warum brauchen wir den dann hier im Smart Home?“

Fresh Energy aus Berlin macht es vor: Mit ihrem System lassen sich im heutigen Normalhaushalt die genauen Elektro-Energieverbräuche erkennen und Stromfresser identifizieren. Und das, ohne dafür an den einzelnen Geräten etwas zu verändern oder zu installieren, geschweige sie zu vernetzen. „wir kennen die Verbrauchsprofile der einzelnen Geräte. Eine KI (Künstliche Intelligenz; d.Red.) legt diese übereinander. Das ist magische Disaggregation“, sagt Adrian Beyertt. Am Ende jedes Monats erfahre der Kunde, wie viel Strom welches Gerät verbraucht hat. Und mit Amortisationsrechnungen liefert die Firma auch noch den Anreiz zur Neuanschaffung verbrauchsarmer Kühl-, Spül-, Leucht- oder Koch-Geräte. Nicht zu vergessen „Predictive Maintenance: Anomalien werden erkannt, bevor das Gerät beschädigt wird. Dadurch sei >Repair in Time< möglich.“ Außerdem nannte Beyertt noch viele andere Möglichkeiten, das Fresh-Energy-System zu nutzen.

Energieeinsparung dank Smart Home?

Der Firma aber böte diese neue Messtechnik die Chance, „from Kilowatt to Kilobyte to Kilocash“ zu kommen, also echt viel Geld zu erwirtschaften. Und: Eigentlich sei Fresh Energy „Energieversorger geworden, ohne es zu wollen“, sagt er. Vielleicht hat deshalb Innogy strategisch bei den Berlinern investiert. Damit war das Start-Up-Unternehmen jedenfalls genau richtig auf dem Kongress, der unter dem Motto lief: „Wege zum Markterfolg.“

Außerdem trifft das System den zweiten Effekt, den Smart Homes auslösen können: Klima schützen durch weniger Energieverbrauch. Dafür sei es aber „nötig, die Komplexität zu reduzieren“, stellte Tanja Loitz von der Beratungsagentur CO2 Online heraus. Oder wie es Günther Ohland formulierte: „Denken Sie mit dem Kopf der normalen Uroma. Die muss auch mal 14 Tage in einem Smart Home leben.“

Sicherheit durch Sarah2

Doch was Tanja Loitz als Vorteil darstellte – „mit Smart Home schaffen Sie die Möglichkeit, in die Häuser zu schauen, diese durch smarte Produkte besser zu überwachen“ –, davor haben viele Menschen Angst. Für die einen ist es ein Eingriff in die Privatsphäre, die anderen fürchten um die Datensicherheit in der „Cloud“, in der ihre Messwerte irgendwo auf der Welt gespeichert werden. Und die dann natürlich auch übers Internet mit dem Haus verbunden ist, die Gefahr, „gehackt“ zu werden, inclusive.

Eine Lösung, Smart Home und Sicherheit zu verbinden, stellte in Nürnberg die Schweizer Hubware AG mit Sarah² vor. Der Server wird im Haus installiert, funktioniert auch „offline“, also ohne Internet-Verbindung und ist deshalb äußerst sicher vor Angriffen und Datenklau, meinen die Mitarbeiter. Und weil Sarah² mit vielen gängigen Bussen und Geräten korrespondiert, selbst mit Consumer-Hardware, rechnen sich die Schweizer gute Marktchancen auch in Deutschland aus.

KNX-Chef zeigt "Smart City Flensburg"

Auf jeden Fall ist es gerade für Stadt- und Gemeindewerke fast Pflicht, sich mit Smart Home zu beschäftigen: Heinz Lux, Geschäftsführer von KNX, dem in Brüssel residierenden offenen Standardgeber für Haus- und Gebäudesystemtechnik, erklärte, wie „Smartes Energiemanagement“ funktioniert. Dass den Herausforderungen ans CO2- und Energiesparen in Städten begegnet werden kann, zeigte er eindrucksvoll zum Beispiel anhand der „Smart City Flensburg“. (wra)