Das Holstentor - Wahrzeichen von Lübeck. Bild: Gabriele Planthaber / pixelio.de

Stadtwerke Lübeck räumen Imageschaden ein

Die Stadtwerke Lübeck stehen gleichzeitig vor mehreren Großbaustellen: personell, gesellschaftsrechtlich und ethisch.

Der Kommunalversorger steht vor einem kompletten Neuanfang: Der dänische Minderheitsgesellschafter Dong geht, das Stadtparlament hat die Aachener Stawag als potentiellen Nachfolger abgelehnt, zwei Geschäftsführer und der Vertriebschef verlassen das Unternehmen, der Aufsichtsratschef hat seinen Rückzug angekündigt, und der Betriebsratschef ist aus dem Gremium geworfen worden; sein als überhöht angesehenes Gehalt wurde drastisch gekürzt. Die verschiedenen Ereignisstränge haben nur teilweise miteinander zu tun.

Vergangenen Donnerstag Abend stimmte der Rat mehrheitlich dagegen, dass die kommunale Aachener Stawag für 4 Mio. € das 25,1%-Paket des dänischen Energiekonzerns Dong an den Lübeckern übernimmt. Die Ablehnung des Angebots aus Westdeutschland hatte bereits zuvor bei der Stawag Enttäuschung hervorgerufen. Die Ratsmehrheit bevorzugt einen Rückkauf des Anteils durch die Stadt für 42,5 Mio. €, dessen derzeitiges Finanzierungsmodell wiederum von der Kommunalaufsicht abgelehnt wird.

Die Stadtwerke, die bereits vor dem Einstieg der Dong in finanzieller Schieflage gewesen waren, schreiben derzeit schwarze Zahlen, drohen aber 2014 nach Querverbund mit dem Nahverkehr ins Minus zu rutschen. Der Erwerb der 100 % durch die Stadt war ein Anliegen von Stadtwerke- und Holdinggeschäftsführer Stefan Fritz, der auf eigenen Wunsch und aus privaten Gründen seinen Vertrag nicht über 2014 hinaus verlängern will. Seine Kollegin Annie Lykke Gregersen geht ebenfalls; sie war von Dong gekommen. Dongs Rückzug aus Lübeck war allgemein bedauert worden; er hat mit den finanziellen Herausforderungen des Gesamtkonzerns zu tun.

Im Februar war zudem in der Lokalzeitung "Lübecker Nachrichten" bekannt geworden, dass die Stadtwerke ihrem Betriebsratschef Jürgen Oelrich kündigen – wegen angeblichen Spesenbetrugs. Diesem Anfangsverdacht geht auch die Staatsanwaltschaft nach. Eines von vier verschiedenen Gutachten, die von verschiedenen Akteuren in Auftrag gegeben worden waren, spricht von mangelnden Regeln und Kontrollen in dem Kommunalversorger. Oelrichs Kündigung hatte vor dem Arbeitsgericht nicht Bestand, wohl aber seine Abberufung aus dem Betriebsrat und eine Gehaltskürzung von 115.000 auf 49.000 € (jeweils nicht rechtskräftig). Kurt Kuhn, mittlerweile im Ruhestand befindlicher Geschäftsführer, soll laut einem der Gutachten Oelrich, stellvertretender Abteilungsleiter, zu hoch eingruppiert haben, er äußert sich aber dazu nicht. Treibende Kräfte von Oelrichs Entlassung waren Holdinggeschäftsführer Willi Nibbe und Personalchef Peter Thieß. Er ist SPD-Kreischef, und über ihn gab es im Ratsgremium eine Debatte wegen angeblicher Parteibuchkarriere. Der Versorger steht nach eigenen Angaben zu Thieß, räumt aber einen "Imageschaden" durch die Betriebsrats-Affäre ein.

Und zu allem Überfluss geht auch Dirk Riedel, von Flensburg kommender Vertriebsleiter seit August 2011. Der Kommunalversorger nennt private Gründe, die Lokalzeitung sprach von einem zerrütteten Vertrauensverhältnis zur ersten Führungsebene. Und last but not least hat Aufsichtsratschef Claus Möller im Juni angekündigt, seine Mandate im Stadtwerkekonzern zum Jahresende beenden zu wollen, um auch dort einen Neuanfang zu ermöglichen. (geo)