SW Pforzheim: Geschäftsführer müssen gehen

Stühlerücken in Pforzheim: Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Roger Heidt (links) und Geschäftsführer Thomas Engelhard wurden mit sofortiger Wirkung abberufen. Bild: © SWP

Neuer SWP-Geschäftsführer ist Herbert Marquard, er wird das Unternehmen übergangsweise bis zum 31. Januar 2020 führen. Bild: © Dirk Hanus/Eins Energie

Grund ist das gestörte Vertrauensverhältnis zum Aufsichtsrat. Der frühere Eins-Energie-Geschäftsführer Herbert Marquard übernimmt ab sofort die kommissarische Leitung des Unternehmens. Auch Minderheitsgesellschafter Thüga begrüßt den Neuanfang bei den Stadtwerken.

Mit einem Paukenschlag ist am Mittwochabend die Sondersitzung des Aufsichtsrates der Stadtwerke Pforzheim (SWP) zu Ende gegangen. Das Kontrollgremium hat einstimmig und mit sofortiger Wirkung Roger Heidt und Thomas Engelhard als Geschäftsführer des mehrheitlich kommunalen Unternehmens abberufen. "Das gestörte Vertrauensverhältnis macht eine weitere Zusammenarbeit zwischen Geschäftsführung und Aufsichtsrat unmöglich", sagte Aufsichtsratsvorsitzender Dirk Büscher in einer ersten Stellungnahme. Zum neuen Geschäftsführer der SWP wurde der ehemalige Kaufmännische Geschäftsführer von Eins Energie, Herbert Marquard (64), ernannt. Er wird die Geschäfte bis zum 31. Januar 2020 führen.

"Neue Erkenntnisse"

Auslöser für die Sitzung waren laut einer Pressemiteilung der Stadt "neue Erkenntnisse über das Handeln der Geschäftsführung in der Vergangenheit". Konkret geht es dabei um die Aufarbeitung des Gewinneinbruchs und der Verluste im Tele-Sales-Vertrieb im vergangenen Geschäftsjahr. Hier steht der Vorwurf im Raum, die ehemaligen Geschäftsführer hätten das Kontrollgremium erst Wochen nach dem Bekanntwerden über die massive Ergebnisverschlechterung informiert. Die Stadt Pforzheim musste wegen des Wegfalls der eingeplanten Dividende in Höhe von 6,5 Mio. Euro die Verabschiedung ihres mehrheitsfähigen Haushaltes auf Ende Januar verschieben.

Thüga: "Stromvertrieb schnell profitabel machen"

Gesellschafter der SWP sind die Stadt Pforzheim mit einem Anteil von 65 Prozent und die Thüga mit 35 Prozent. Auch der Stadtwerkeverbund unterstützt den Personalwechsel an der Stadtwerkespitze. "Das ist ein klares Signal an die Mitarbeiter und die Kunden für einen notwendigen Neuanfang", so ein Thüga-Sprecher auf ZfK-Anfrage. Die SWP seien grundsätzlich operativ solide aufgestellt." Aufgabe der neuen Geschäftsführung ist es jetzt, die Sparte Stromvertrieb schnell profitabel zu machen, das Risikomanagement zu überarbeiten und eine Strategie für eine langfristige und erfolgreiche Weiterentwicklung des Unternehmens zu erarbeiten", betonte der Thüga-Sprecher.

Wirtschaftsprüfer gehen über die Bücher

Die Gründe für den jüngsten Gewinneinbruch sollen von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young untersucht werden. Der Betriebsrat und die SWP-Führung hatten laut "Pforzheimer Zeitung" darauf bestanden, die Verträge mit den externen Gutachtern rechtlich zu prüfen, bevor diese ihre Arbeit aufnehmen. Er werde jetzt sofort mit "Ernst & Young" in Kontakt treten, betonte der Aufsichtsratsvorsitzende Dirk Büscher. Es gelte jetzt mit der gebotenen Sorgfalt, schnellstmöglich die Vorgänge rund um die erhebliche Verschlechterung in der Sparte Stromvertrieb, insbesondere im Geschäftssegment Telesales, zu untersuchen.

Die Tücken des Telesales-Geschäfts

2015 entfielen laut dem langjährigen SWP-Chef Wolf-Kersten Meyer (er leitete die SWP von 2001 bis Sommer 2016) rund zwei Drittel des SWP-Unternehmensergebnisses auf den Vertrieb. Damals hatten die Stadtwerke Pforzheim weit über 40.000 externe Haushalts- und rund 1200 Sondervertragskunden. Das Geschäftsmodell basiert auf der Zusammenbarbeit mit externen Distributoren, die früher unter anderem in der Telekommunikationsbranche tätig waren. In diesem Geschäft sind eine optimale Beschaffung und effiziente Prozesse essentiell. Aufgrund der sinkenden Margen wird pro verlorenem Kunden zum Ausgleich die drei- bis vierfache Zahl von Neuabschlüssen benötigt, hieß es damals bei einem Redaktionsbesuch der ZfK.

Meyer war im Sommer 2016 aus Altersgründen aus dem Unternehmen ausgeschieden. Sein Nachfolger Roger Heidt war aus der Stadtverwaltung an die SWP-Spitze gewechselt, von 2008 bis Ende August 2016 war Heidt Erster Bürgermeister Pforzheims. Während dieser Zeit war er zudem Vorsitzender des SWP-Aufsichtsrates, etwas mehr als zwei Jahre später hat ihn nun genau dieses Kontrollgremium um seinen neuen Leiter, den ersten Bürgermeister, Peter Büscher, als Vorsitzenden der SWP-Geschäftsführung, abberufen. (hoe)