Durch die Wasserknappheit 2018 und die neuen Hitzerekorde im Juni kann Wasser 2019 zum Konfliktfall werden.
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Wasserverteilung könnte zum Streitfall werden

Der Juni 2019 brach erneut Hitzerekorde. Für Wasserversorger kann das zum Problem werden, denn auch Bauern wollen mehr bewässern. Solche Konflikte könnten in Zukunft zunehmen.

Die Verteilung von Wasser in Deutschland kann nach Einschätzung des Umweltbundesamts erstmals seit Jahrzehnten zu einem relevanten Thema werden. "Häufigere trockene Sommer bedeuten auch, dass sich voraussichtlich mehr Nutzer um die Ressource Wasser streiten werden", sagte Jörg Rechenberg, Wasserexperte beim Umweltbundesamt (UBA), der Deutschen Presse-Agentur. Die kommunalen Wasserversorger warnen bereits vor wachsender Konkurrenz zu Landwirtschaft und Industrie und fordern, dem Trinkwasser den Vorrang zu geben.

Seit 2018 häufen sich Trockenheit und Hitzerekorde auch in Deutschland. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes war der vergangene Juni der wärmste und sonnigste seit Beginn flächendeckender Messungen. "Eine Kombination von heißen und trockenen Bedingungen kann regional unter Umständen zu Wasserknappheiten und Ernteausfällen führen", sagte Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Landwirtschaft könnte als neuer Nutzer hinzukommen

"Eines ist schon deutlich zu sehen: Als neuer Nutzer von Wasservorräten wird die Landwirtschaft dazukommen", sagt Wasser-Experte Rechenberg vom UBA. Bisher habe die sogenannte Bewässerungslandwirtschaft in Deutschland mit einem Anteil von 2,7 Prozent an der landwirtschaftlich genutzten Fläche eine nur geringe Bedeutung.

Aber es gibt auch andere Interessenten. Die gesamte Politik müsse die Trinkwasserversorgung sichern, forderte Karsten Specht, Vizepräsident des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU). "Wir merken gerade, dass unsere Aufgabe zu selbstverständlich wahrgenommen wird: Wasser läuft ja einfach immer aus dem Hahn", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Landwirte sieht Specht, der auch Geschäftsführer des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands ist, als Konkurrenz. "Landwirte nehmen das Wasser für die Felder teils aus dem Grundwasser", sagte er. Und es werde mehr bewässert als früher. "Aus unserer Sicht muss aber die Trinkwasserversorgung Vorrang haben. Das ist nicht überall gewährleistet", erklärte Specht.

Negative Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit

Das Umweltbundesamt hat noch keine aktuellen Daten zur Grundwassermenge 2018. "Aber es ist zu befürchten, dass sich die Grundwasserpegel noch nicht wieder auf den Stand vor 2018 aufgefüllt haben", sagte Experte Rechenberg. Flächendeckend wisse man auch nicht, wie sich diese Pegel im Fall von drei dürren Sommern hintereinander mit zusätzlich wenig Niederschlag im Winter entwickeln würden. "Das hatten wir in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten so noch nicht." Ein Effekt würde sich aber mit Sicherheit zeigen: "Das hätte in jedem Fall negative Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit. Darauf müssen sich auch die Wasserversorger einstellen."

In diesem Sommer haben einige Regionen, zum Beispiel in Brandenburg, die Bevölkerung zum sensiblen Umgang mit Wasser aufgerufen. In einigen Orten kam zeitweise kaum noch etwas aus der Leitung, weil zu viele Menschen gleichzeitig Wasser zapften – vor allem für ihre Gärten. Einige Wasserversorger hätten eine "historisch hohe" Nachfrage am späten Nachmittag und am Abend verzeichnet, berichtete VKU-Experte Specht.

Es konnte nicht auf örtliche Ressourcen zugegriffen werden

Bisher gibt es in Deutschland laut UBA flächendeckend aber noch keinen Wasserstress. Denn laut Definition hieße das, dass die gesamte Wasserentnahme eines Jahres mehr als 20 Prozent der Mengen an nutzbarem Grund- und Oberflächenwasser betragen müsste. Nach den jüngsten Zahlen für 2016 waren es aber lediglich 12,8 Prozent. Und die öffentliche Wasserversorgung beanspruchte bei der Entnahme davon nur 2,7 Prozent. Hauptnutzer waren zum Beispiel Industrie und Kraftwerke. Die Landwirtschaft verbraucht laut Bauernverband in Deutschland bisher rund 0,2 Prozent des insgesamt verfügbaren Wassers.

Und doch gab es bereits 2018 lokale oder regionale Probleme beim Wasser – im Zusammenhang mit der Landwirtschaft. "Zum Teil konnte nicht auf zusätzliche örtliche Ressourcen zugegriffen werden, da bei diesen die Nitratwerte zu hoch waren", berichtet UBA-Experte Rechenberg. "Dies ist in der Regel ein Ergebnis zu hoher landwirtschaftlicher Düngung."

Gesellschatspolitische Lösung wird gesucht

Wenn es auch weiterhin nicht genug Regen gibt, ist für Rechenberg in Sachen Wasser eine Frage für die Zukunft klar: "Dann müssen wir über eine gerechte Verteilung, also eine Priorisierung nachdenken. Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe." (dpa/bh)