Je nach Empfangssituation werden die Messdaten per Mobilfunk oder BPL übermittelt.
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Datenübertragung beim Smart Metering: Hybridlösung für Powerline und Funk

Netze BW testet derzeit einen hybriden Ansatz aus Breitband Powerline und Mobilfunk, damit die Daten aus dem Stromzähler zum Smart-Meter-Gateway gelangen.

Eine Herausforderung beim Rollout intelligenter Messsysteme treibt viele startbereite Messstellenbetreiber im Vorfeld noch um: Wie lassen sich Daten von Gateways ohne stabile Funkanbindung übertragen?

In Laupheim (Kreis Biberach) testet die Netze BW jetzt einen hybriden Ansatz, der die Vorteile von Breitband Powerline (BPL) und Mobilfunk vereint.

CommsHub entscheidet sich je nach Situation für Mobilfunk oder BPL

"CommsHub" heißt das im Zählerschrank zu installierende Gerät. Es ist per Ethernet an ein Smart-Meter-Gateway angebunden und übermittelt die Messdaten, je nach Empfangssituation, per Mobilfunk oder per BPL. Mögliche Empfänger sind dann weitere CommsHubs in der Nähe mit guter Mobilfunkanbindung.

Über die lässt sich dann die Kommunikation mit den Backendsystemen einrichten. Der Clou an der Lösung, die von der Telefónica und dem Mannheimer Powerline und Smart Meter Gateway-Spezialisten PPC entwickelt wurde: Gateways mit "wackeliger" Funkanbindung nutzen diese im Normalfall.

Schätzungsweise ein Viertel der Zählerplätze kann keine Signale senden

Sobald die Kommunikation unterbrochen ist, aktiviert der CommsHub den Versand und Empfang von Daten über BPL an benachbarte Empfänger, die dann an das Backend via LTE angebunden sind.

Die "dicken Kellerwände", durch die kaum Funksignale dringen, beschäftigten die Netze BW schon seit den ersten Tests mit intelligenten Messsystemen im Jahr 2013, erläutert Projektleiter Marc Müllmaier. "Auch wir schätzen, dass etwa ein Viertel der Zählerplätze davon betroffen ist".

Test läuft seit Ende August

Bereits Ende 2015 ließ sich bei einem Feldversuch mit über siebzig Haushalten in Laupheim nachweisen, dass die Kommunikation über BPL technisch funktioniert. Da diese Lösung jedoch nicht in jedem Netzgebiet wirtschaftlich sei, seien weiteren Alternativen gefragt. Für den aktuellen Pilotversuch im Laupheimer Stadtteil Baustetten waren die technischen Voraussetzungen wie Repeater in den Verteilerschränken noch gegeben.

Bereits Ende August konnten daher sieben Smart-Meter-Connect – also die Gesamtlösung von Telefónica und CommsHub, dem Gerät von PPC – der ersten  Generation verbaut und seitdem getestet werden. Bis Ende des Jahres geht es jetzt vor allem um Funktionalitäten der Geräte, Reichweiten und das Betriebsverhalten.

Weitere Tests geplant
Parallel dazu plant man bei der Netze BW bereits einen weiteren Test in geeigneten Ortsnetzen mit den neuen LTE-BPL-Headends von PPC in den Verteilerkästen. Diese Gerätevariante nutzt ein LTE zur Kommunikation mit den Backendsystemen und empfängt die Messdaten von allen Gateways generell über Powerline. (sg)