Vereinbarten in Bonn den gemeinsamen Glasfaserausbau: EWE-Marktvorstand Michael Heidkamp (links) und Telekom-Vorstandsvorsitzender Tim Höttges. Bild: Deutsche Telekom

EWE Tel und Telekom gründen Unternehmen

Jetzt ist es offiziell: EWE Tel und die Telekom starten ein gemeinsames Breitband-Unternehmen. Der Bonner Konzern will hier auch mit anderen kooperieren.

Noch am 1. Dezember hatte ein EWE-Sprecher betont, dass es keine konkreten Kooperationspartner gebe, für Zusammenarbeiten sei man aber offen. Anlass war ein Artikel aus der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der über ein geplantes Joint-Venture von Deutscher Telekom und den Oldenburgern berichtete. Nun haben beide Unternehmen mitgeteilt, man werde ein Gemeinschaftsunternehmen gründen und habe eine entsprechende Absichtserklärung vereinbart.

Konkret wollen EWE und die Telekom in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bremen zusammenarbeiten und über eine Million Privathaushalte direkt ans Glasfasernetz anschließen. An dem neuen Gemeinschaftsunternehmen, das Mitte 2018 starten soll, sind beide zu je 50 Prozent beteiligt. Insgesamt sollen so bis zu zwei Milliarden Euro vor allem in den Glasfaserausbau ländlicher Gebieten in den nächsten zehn Jahren investiert werden.

Open Access für Dritte

Die künftig gemeinsam aufzubauende Infrastruktur soll verschiedenen Telekommunikationsanbietern angeboten werden, so dass diese neben EWE und Telekom das Netz für den jeweils eigenen Vertrieb nutzen können (Open Access). Leistungen für Geschäftskunden werden beide Unternehmen separat anbieten, das aktuell vorhandene Glasfasernetz verbleibt in den jeweiligen Gesellschaften. Das neu errichtete Netz hingegen soll Eigentum der neuen Gesellschaft werden. Deren Sitz in Nordwestdeutschland sein wird.

"Genau so kann es gehen", kommentierte Stephan Albers, Geschäftsführer vom Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko), den Schritt. "Auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft müssen alle Netzbetreiber stärker zusammenarbeiten und auch gemeinsam investieren. "Echte" Ko-Investitionsmodelle sind ihm zufolge ein Schritt nach vorn und "nehmen die Deutsche Telekom auf die Glasfaserreise mit", konnte sich Albers eine Spitze gegen den Bonner Konzern in einer Pressemitteilung nicht verkneifen.

Telekom will sich weiter öffnen

Der Bonner Konzern hatte indes schon auf der Jahrestagung des Bundesverbands Glasfaser (Buglas) in Niederkassel angekündigt, dass man künftig neue Allianzen angehen wolle. "Ich möchte mit Ihnen gemeinsam möglichst viele FFTH- und FTTB-Anschlüsse verlegen", bekannte Telekom-Chef Timo Höttges vor den Buglas-Mitgliedern – also Anschlüsse bis in die Wohnung oder das Gebäude. Dem Verband gehören beispielsweise EWE, M-Net, Net-Cologne, "Wilhelm.Tel", Stadtwerke Neumünster und Deutsche Glasfaser an.

Die Abkommen mit Regionalprovidern könnten etwa vorsehen, dass der Bonner Konzern Kapazitäten bei den Regionalprovidern einkauft, oder man gemeinsam in neue Netze investiert, schreibt das Nachrichtenportal "Heise". Das Bündnis richtet sich demnach auch gegen Telekom-Konkurrenten wie Vodafone.

Ziel: Regulierung von Glasfaser kippen

Zudem will die Telekom mit den acht genannten Regionalprovidern die Regulierung für den Glasfasermarkt kippen und hat dazu ein Eckpunktepapier veröffentlicht. Darin fordern die Unterzeichner bei Glasfaser gänzlich auf Regulierung zu verzichten, denn die Telekom ist hier nur ein Anbieter unter vielen und hat bei Glasfaseranschlüssen bis in die Wohnung oder ins Gebäude nur einen Marktanteil von elf Prozent.
Die Verbraucherzentrale warnt indes vor einer kompletten Deregulierung der Glasfasernetze: Dies hätte für die Kunden negative Folgen beim Preis. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Recht der Netzwirtschaften, Informations- und Kommunikationstechnologien, die die Verbraucherzentrale in Auftrag gab.

Verbraucherzentrale gegen Deregulierung

Demnach würde eine Deregulierung bewirken, dass die Anzahl der Anbieter auf der Infrastruktur- und Dienstebene sinken wird. Dann bestünde in weiten Teilen der Bundesrepublik die Gefahr einer Remonopolisierung oder, dass sehr enge Oligopole entstehen würden. Durch den geringeren Wettbewerbsdruck wären höhere Verbraucherpreise wahrscheinlich. (sg)