Markus Haas ist Chef von Telefónica Deutschland. Bild: © Telefónica Deutschland

Telefónica: Lieber in 5G investieren als Glasfaserausbau fördern

Es sei eine Illusion, alle Haushalte direkt mit Glasfaser in die Wohnung versorgen zu wollen, sagt Markus Haas, Chef von Telefónica Deutschland. "Dem Mobilfunk gehört die Zukunft", ist dagegen seine Prognose.

Dass die neue Koalition plant, zehn bis zwölf Milliarden Euro aus dem Erlös neuer Handyfrequenzen in den Ausbau von Glasfaseranschlüssen für Haushalte zu stecken, sieht Markus Haas, Chef von Telefónica-Deutschland, sehr kritisch. Damit werde nur eine Zukunftstechnik zu Gunsten der anderen geschwächt, sagte er im Interview mit der Rheinischen Post. Für den Mobilfunkstandard 5G brauche man eine starke Infrastruktur, um Kapazitäten und Qualität zu erhöhen und das Tor für neue Anwendungen aufzustoßen. Eine Quersubvention auf Kosten der Mobilfunker lehnt er kategorisch ab.

Ohnehin, dem Mobilfunk gehöre die Zukunft, so Haas. Er hält es für eine Illusion, alle Haushalte direkt mit Glasfaser in die Wohnung zu versorgen – viele Vermieter würden solche Bauarbeiten nicht hinnehmen. Zudem lege die mobile Datennutzung in Deutschland jedes Jahr um über 50 Prozent zu. Bis 2022 plant der Telekommunikations-Riese rund 70 Prozent seiner 26 000 Funkstationen mit Glasfaser anzuschließen. Das erlaube es, "extrem schnelles Internet per Mobilfunk mit mehr als einem Gigabit pro Sekunde" anzubieten, so Haas.

Erste Pilottests zu 5G in München und Hamburg

Von der Politik wünscht sich der Telefónica-Chef, dass der Großteil der bald auslaufenden Mobilfunknutzungsrechte umfassend verlängert oder diese den Netzbetreibern direkt zugeteilt werden. Als Gegenleistung stellt er in Aussicht, dass die Branche die Versorgung auf dem Land deutlich verbessern könnte, so dass es von 2020 an keine relevanten Funklöcher mehr gebe. Zudem setzt er sich für eine zurückhaltende Regulierung ein und plädiert dafür, die Frequenzen für 5G nicht zu teuer zu werden lassen. So entstünden Freiräume für mehr Investitionen.

Auch die Finanzierung von autonomen Fahrzeugen sieht er skeptisch: Bislang gebe es kein Geschäftsmodell, wie die hohen Milliardeninvestitionen für dieses sehr spezielle Anwendungsgebiet per 5G unterstützt würden. Als nächstes will Telefónica Deutschland in München und Hamburg jeweils bis zu 50 Haushalte per 5G-Mobilfunk mit Internet im Pilotbetrieb versorgen. Dazu werden entlang der vorhandenen Glasfasertrassen kleine Mobilfunkstationen, die dann Wlan-Router in den Wohnungen versorgen, gebaut. Ähnliches plane US-Mobilfunkgigant Verizon in mehreren Städten. (sg)