Beim Vectoring werden Kupfer statt Glasfaserkabel eingesetzt.
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Wut auf Telekom wegen Vectoring-Überbaus steigt

Weil die Deutsche Telekom wiederholt Glasfaser-Gebiete mit Vectoring überbaut haben soll, will der Branchenverband VATM diese Fälle sammeln und veröffentlichen.

Überbau mit Vectoring sei bei der Deutschen Telekom bittere Realität, beklagt VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. Für private Investoren und kommunale Netzbetreiber würde damit der Ausbau mit Glasfaser schwierig und unkalkulierbar. "Genau das ist das strategische Ziel: Nicht der gegenüber der Politik verkündete gemeinsame FTTB/H-Ausbau steht im Vordergrund und nicht das beste Angebot auch für die eigenen Telekom-Kunden auf FTTB/H-Basis, sondern der strategische Angriff auf die Unternehmen, die bauen wollen", beklagt Grützner.

Mit FTTB/H sind Glasfaseranschlüsse bis in das Gebäude oder die Wohnung selbst gemeint. Rückendeckung bekommt Grützner von Manfred Maschek, Chef des Glasfaserausbauers Breitbandversorgung Deutschland (BBV): Die Telekom sei bei Glasfaserkooperationen völlig unglaubwürdig. Trotz Open-Access und Kooperationsangebot an die Telekom erlebe die BBV im badischen Bretten das Vectoring-Desaster.

Telekom baut plötzlich in Bretten bei Karlsruhe

"Die Telekom versucht mit ihrer nicht mehr zukunftsfähigen Vectoring-Technik ohne Rücksicht auf Verluste und sinnfrei möglichst rasch noch viele Wettbewerber entgegen aller wirtschaftlicher Vernunft aus dem Markt zu drängen", so Mascheks Kritik. Im Gegenzug für die Kooperationen erhoffe sich der Bonner Konzern von der Politik bei der Glasfaser aus der Regulierung genommen zu werden, sagt Maschek. Doch die Realität des Tagesgeschäfts beweise die Unglaubwürdigkeit des Unternehmens, schimpft er weiter.

Die BBV baut in Bretten seit Sommer 2017 ein komplett privatwirtschaftlich finanziertes FTTB/H-Glasfasernetz bis in die Haushalte auf. In der Mittelstadt in der Nähe von Karlsruhe will die Telekom nun trotz bestehender Open-Acess und Wholebuy-Möglichkeiten für die Telekom bis Ende des ersten Quartals 2019 rund 11 000 Haushalte mit Vectoring ausbauen. Zuvor hatte der Bonner Konzern laut Maschek jahrelang einen "riesengroßen Bogen um die Stadt" gemacht.

Liste von Überbau-Fällen

Dem Bundesverkehrsministerium liegen laut VATM zahlreiche Beschwerden von Bürgermeistern vor. Vor über einem Jahr habe es eine einmalige Aktion gegeben: Eine Vereinbarung mit der Telekom sollte dafür sorgen, dass nicht mit Vectoring übergebaut wird. Der Erfolg ließ jedoch auf sich warten. "Das Unternehmen behindert aktiv die Umsetzung der Ziele der Bundesregierung, obwohl der Bund der Haupteigentümer ist", moniert Grützner.

"Wir werden nun die Fälle sammeln und öffentlich machen. Es ist unglaublich, dass sich gerade die Telekom hier auf Wettbewerb beruft", so Grützner weiter. Kein kleines Unternehmen würde ihm zufolge auf die Idee kommen, genau in dem Ort zu bauen, in dem gerade eine für den Investor teure und gute Versorgung entsteht. Nur ein Unternehmen wie der Bonner Konzern könne sich einen solchen Verdrängungswettbewerb beim Glasfaserausbau leisten – Deutschland aber nicht, betont Grützner.

Zuvor hatte schon Karl-Peter Hoffmann, Chef der Stadtwerke Sindelfingen und Vorsitzender des VKU-Ausschusses Telekommunikation, die Deutsche Telekom stark kritisiert. (sg)