Breitband: TAL-Entgelte sinken

Die BNetzA veröffentlicht die Entgelte, die die Wettbewerber an die Deutsche Telekom für das Mieten der Teilnehmeranschlussleitung entrichten müssen.

Während die Entgelte zur Teilnehmeranschlussleitung von Hauptverteilern bis zum Kunden (HVt-TAL) um 1,6 Prozent sanken, sind es bei der Anschlussleitung von Kabelverzweiger bis zum Kunden (KVz-TAL) nur 0,2 Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr. Verbände der Wettbewerber kritisieren dies.

So betragen die Entgeltvorschläge der Bundesnetzagentur (BNetzA), die die Wettbewerber der Deutschen Telekom an den Bonner Konzern von 1. Juli an monatlich entrichten müssen, für die HVt-TAL 10,02 Euro. Derzeit liegt der Preis bei 10,19 Euro. Für die KVz-TAL, die grauen Verteilerkästen am Straßenrand, werden dann 6,77 Euro – statt bisher 6,79 Euro – monatlich fällig.

Wolfgang Heer, Geschäftsführer des Glasfaserverbands Buglas nennt die Maßnahmen der BNetzA einen "Zickzack-Kurs". Dass die Erhöhung der HVt-TAL aus dem Jahr 2013 nicht nur zurückgenommen, sondern darüber hinaus eine weitere Reduzierung vorgenommen werde, sei positiv. Allerdings müsse auch die KVz-TAL in gleichem Maße abgesenkt werden, so Heer.

Auch der VATM spart nicht an Kritik: Die Entgelte seien immer noch auf überhöhtem Niveau. "Für altes Kupferkabel zahlen wir unverändert die Kosten für den hypothetischen kompletten Neubau der angemieteten sogenannten letzten Meile bis zum Kunden", kommentierte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner die BNetzA-Entscheidung.

Er weist darauf hin, dass die EU-Kommission ein Kostenberechnungsmodell präferiere, das deutlich geringere und damit investitionsfördernde Preise gerechtfertigt hätte. Auch eine Studie von Dr. Karl-Heinz Neumann und Prof. Ingo Vogelsang kommen zu dem Ergebnis, dass eine Neujustierung des Preissetzungsmodells dringend erforderlich ist, etwa eines das auch abgeschriebene Netzteile berücksichtigt und auf ein glasfaserbasiertes Netz abstellt.

Darüber hinaus stellen beide Wissenschaftler in ihrer Studie fest, dass die Telekom in der Zeit von 1999 bis 2015 über die regulatorisch festgesetzten Entgelte rund 40 Mrd. Euro anhand von Abschreibungen verdient hat. Demgegenüber habe sie nur 18 Mrd. Euro in das Anschlussnetz investiert. Damit ergebe sich eine Lücke von mehr als 20 Mrd. Euro. "Den Vorleistungsnachfragern, also den Wettbewerbern, hingegen wurden eigene Finanzmittel durch die überhöhten Entgelte entzogen", so Grützner. Er fordert, auch für die Telekom den Anreiz zu verstärken, altes Kupfer abzubauen und in moderne Glasfasernetze mit entsprechenden Vorleistungsprodukten zu investieren. "Das Modell der BNetzA ist nicht zukunftssicher und bereitet nicht den Weg in die Gigabit-Gesellschaft. Weitermachen wie bisher darf es nicht geben", unterstreicht Grützner. (sg)