Breitband: Telekom holt zum Rundumschlag aus

Die Wettbewerber würden in einer Tour kritisieren und jammern, anstatt selbst in den Breitbandausbau zu investieren, so Telekom-Chef Timotheus Höttges.

So schoss der Telekom-Chef auf der Hauptversammlung des Bonner Konzerns scharf gegen seine Konkurrenten beim Breitbandausbau. Es fielen Worte wie "Jammern baut kein Netz", "besser investieren als kritisieren" und "kein Unternehmen in Deutschland hat mehr Glasfaser verlegt als wir". Nämlich 400 000 Kilometer, während der nächstgrößte Wettbewerber auf gerade einmal 50 000 Kilometer käme. Ebenso sei es mit den Investitionen, kein Unternehmen investiere mehr als die Deutsche Telekom, nämlich mehr als vier Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Stattdessen werde man jedoch ständig als Blockierer beim Netzausbau dargestellt. Die Rivalen hingegen würden in einer Tour jammern: "Mal haben wir angeblich die falsche Technik, dann ist der Ausbau angeblich zu langsam. Aber sobald wir ausbauen, nehmen genau diese Kritiker sofort unser Netz", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" Timotheus Höttges. Er habe höchsten Respekt vor lokalen Anbietern, die ein eigenes Netz aufbauen. "Aber ich habe wenig Respekt, vor denen, die nichts investieren und ihre Gewinne auf fremden Netzen einstreichen", heißt es weiter.

Das Echo von der Konkurrenz kam prompt: So weisen die Verbände Breko und VATM, die nach eigenen Angaben nahezu alle Festnetz-Wettbewerber auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt vertreten, die Behauptung der Telekom "energisch zurück". Vielmehr würde der Ausbau mit "ultraschnellen Glasfaseranschlüssen bis zum Gebäude (FTTB) oder direkt bis in die Wohnung (FTTH) mit großem Abstand durch die alternativen Netzbetreiber vorangetrieben. Nach Zahlen Brekos treiben in Deutschland die alternativen Netzbetreiber über 80 Prozent des Glasfaserausbaus voran. "Die Telekom gibt zwar immer wieder Glasfaserkilometer an, dabei handelt es sich aber im Wesentlichen nicht um die Verlegung von direkten Glasfaseranschlüssen (FTTB / FTTH) – vielmehr zählt der Konzern seine FTTC-Anschlüsse (VDSL /VDSL Vectoring ) hinzu", so beide Verbände.

Empört zeigt sich auch der Bundesverband Glasfaser (Buglas). "Die im Buglas organisierten Unternehmen haben von den aktuell in Deutschland verfügbaren etwa 2,2 Mio. FTTB/H-Anschlüssen rund 1,6 Mio. beziehungsweise über 70 Prozent realisiert und damit tatsächlich hochleistungsfähige Netze für die Gigabitgesellschaft aufgebaut", so Geschäftsführer Wolfgang Heer. Die Telekom hingegen hätte sich bereits vor einigen Jahren nach vollmundigen Ausbauversprechen aus dem FTTH-Ausbau weitestgehend zurückgezogen. Allein bis Ende 2018 wollen die Mitgliedsunternehmen weitere 850 000 Haushalte direkt mit Glasfaser anschließen. "Es kann also keine Rede davon sein, dass die Wettbewerber nicht ausbauen", so Heer. Stattdessen erlebe man landauf landab, dass gerade dort, wo die dringend benötigten FTTB/H-Netze von meist kommunalen Unternehmen aufgebaut werden, durch die Telekom ein Überbau dieser Netze mit FTTC (Glasfaser bis zum Verteilerkasten) stattfindet – dies sei keine wirklich zukunftsorientierte Vorgehensweise, verdeutlicht Heer. (sg)