Auf dem Weg zum Flugtaxi: Daniel Wiegand (l.), Erfinder des eVTOL (Electric Vertical Take-off and Landing Jets), und sein Kollege (r.), präsentieren vor Peter Altmaier (Bundesminister für Wirtschaft und Energie, CDU), Anja Karliczek (Bundesministerin für Bildung und Forschung, CDU), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Dorothee Bär (Staatministerin für Digitales, CSU), Andreas Scheuer (Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, CSU), und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf dem Digital-Gipfel den Prototypen ihres "Flugtaxis". Bild: © Daniel Karmann/dpa

Digitalgipfel mit Flugtaxi

Bei ihrem jährlichen Digitalgipfel fasste die Bundesregierung diesmal Künstliche Intelligenz ins Auge. Was kam dabei heraus? Forderungen, Mahnungen und eine Kooperationsidee.

Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert, bei der Digitalisierung die soziale Marktwirtschaft nicht aus den Augen zu verlieren. "Wohlstand für alle – das muss auch die Zukunftsmelodie sein in dem Zeitalter der Digitalisierung", sagte die CDU-Politikerin zum Abschluss des Digitalgipfels der Bundesregierung in Nürnberg am Dienstag. Digitalisierung müsse eine Erfolgsgeschichte werden wie die soziale Marktwirtschaft es im Grunde auch war.

Neben Merkel war auch eine Reihe von Bundesministern zu dem zweitägigen Digitalgipfel (ehemals IT-Gipfel) gekommen. Schwerpunkt der zwölften Ausgabe war Künstliche Intelligenz (KI). Sie könne durch stupide Arbeiten verschwendete Lebenszeit für Kreativität aufsparen, betonte Merkel. "Eine gute Nachricht jedenfalls für die, die nicht denkfaul sind", scherzte die Bundeskanzlerin.

Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie

Künstliche Intelligenz gilt als Schlüsseltechnologie von morgen. Darunter fallen etwa selbstfahrende Autos, Roboter in der Altenpflege oder denkende und sprechende Computer. Bisher haben vor allem China und die USA in dem Bereich die Nase vorn. Doch die Bundesregierung will aufholen und beschloss erst vor rund drei Wochen, zusätzlich drei Milliarden Euro in die KI-Entwicklung zu investieren.

"Künstliche Intelligenz verändert unsere digitale Gesellschaft immer mehr", sagte Verbraucherschutzministerin Katarina Barley (SPD). Ihr Einsatz beeinflusse heute schon, "welche Informationen uns angezeigt werden, mit wem wir uns vernetzen und wie wir konsumieren".

Breitbandanschlüsse als größte Baustelle

Bitkom-Präsident Achim Berg nannte Bildung, Breitbandanschlüsse und Daten als die größten Baustellen bei KI. "Wenn wir das datenpolitische Korsett immer enger schnüren, kann Künstliche Intelligenz nicht atmen", sagte der Chef des Digitalverbands. Man müsse eine Balance finden zwischen dem Schutz der Privatsphäre und dem Nutzen von Daten. Denn ohne gehe es nicht.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sprach sich für einen Zusammenschluss europäischer Unternehmen in Sachen KI aus. "Ein einzelnes europäisches Unternehmen – und sei es noch so groß – wird gegen die großen amerikanischen Akteure alleine nicht ankommen", sagte Altmaier. Deshalb liege die Lösung in der Kooperation und im Bündeln von Kräften. Die Idee der KI-Kooperation hatte er schon im Juli geäußert.

"Wenn Doro Bär da ist, dann muss was fliegen"

Gemeinsam mit Merkel und weiteren Kabinettsmitgliedern ließ es sich beim Gipfel von Unternehmern zeigen, auf welchem Weg die deutsche Wirtschaft bei der Anwendung von Künstlicher Intelligenz ist. Ausgestellt wurden Beispiele aus den Bereichen vernetztes Wohnen, Medizin und Mobilität – samt elektrogetriebenem Mini-Jet, einem Flugtaxi. "Wenn Doro Bär da ist, dann muss was fliegen", sagte Merkel mit Blick auf die Staatsministerin für Digitales, die auch an dem Rundgang teilnahm.

Die Opposition kritisierte den Gipfel als Schaulaufen. "Der Gipfel ist eine steuerfinanzierte PR-Kampagne, um sich ein digitales Schildchen anheften zu können", monierte etwa die Grünen-Fraktion.

Besucher waren vor allem Männer

Was auffiel: Unter den 1100 Teilnehmern des Gipfels aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft waren vor allem Männer. Der Gruß eines bestimmten Mannes fehlte jedoch: Angekündigt war eine Botschaft aus dem All des deutschen Astronauten Alexander Gerst von der internationalen Raumstation ISS. Diese entfiel aber ersatzlos. Nach dpa-Informationen hatte eine kurzfristige Terminänderung auf der ISS die rechtzeitige Aufzeichnung verhindert. (dpa/al)