Chancen erkannt: Digitalisierung in Deutschland genießt immer höhere Priorität Bild: © xiaoliangge/stock.adobe.com

Digitalisierung: Energiewirtschaft erwartet hohes Umsatzplus

Das Digitalisierungsbarometer von BDEW, A.T. Kearney und der Improve Academy zeigt hohe Potenziale für Umsatzsteigerung und Kostenreduktion an – aber auch Nachholbedarf.

Die deutsche Energiewirtschaft sieht in der weiteren Digitalisierung große Chancen, schöpft deren Möglichkeiten aber noch nicht aus. Zu diesem Ergebnis kommt der dritte "Digitalcheck" von Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), A.T. Kearney und Improve Academy. "Die Energiebranche geht den digitalen Wandel entschlossen an und ergreift die Chancen der Digitalisierung, um sich zukunftsfest aufzustellen", kommentiert Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

An der nun vorliegenden Studie haben 80 deutsche Energieversorgungsunternehmen teilgenommen. Sie wurden nach erhofften zusätzlichen Gewinnen und Einsparpotenzialen durch digitale Angebote und Technologien und nach ihren eigenen Fortschritten befragt. Projiziert man die Ergebnisse auf die gesamte deutsche Energiewirtschaft, ergäbe sich daraus branchenweit bis 2025 ein Umsatzplus von 7,7 Mrd. Euro und zusätzliche Einsparungen von 7,8 Mrd. Euro.

Steigende Digitalisierungsrate

Und die Branche macht schnelle Fortschritte: Hatten 2017 erst 33 Prozent der Unternehmen eine Digitalisierungsstrategie, sind es mittlerweile 47 Prozent – also fast die Hälfte. Als Top-Umsatzbringer identifizierten die befragten Unternehmen digitale Self-Service-Portale und E-Mobilitätslösungen. Bereits heute betreiben 60 Prozent der befragten Unternehmen ein Self-Service-Portal, bis 2020 wollen 70 Prozent der befragten Unternehmen ein solches Angebot schaffen.

E-Mobilitäts-Lösungen bieten 60 Prozent der befragten Unternehmen bereits heute an, bis 2020 planen 80 Prozent, in dieses Geschäftsfeld einzusteigen. Außerdem setzen immer mehr Unternehmen künstliche Intelligenz (KI) ein: 27 Prozent nutzen bereits erste KI-Ansätze im Kundenservice oder in der technischen Einsatzplanung, davon bereits knapp die Hälfte mit messbaren Erfolgen.

Geschäftspotenzial noch nicht ausgeschöpft

Auch im Stammgeschäft der Energieversorger wird Digitalisierung immer wichtiger. 60 Prozent der Vertragsabschlüsse für die Belieferung mit Energie werden im Internet erzielt. Neben Vergleichsplattformen setzen die Unternehmen vermehrt auf neue Ansätze in der Kundenbindung und Kundenrückgewinnung. Doch nur ein Viertel der Energieversorger betreut die Vertriebskanäle Dritter aktiv.

"Die Unternehmen sehen selbst, dass sie das Geschäftspotenzial im breiten Feld der Digitalisierung noch nicht ausschöpfen. Die Mehrzahl hat verschiedene Projekte und Prozesse gestartet, um den Anteil digitaler Produkte und Services am Umsatz zu steigern", meint Horst Dringenberg von A.T. Kearney. "Wenn die Unternehmen das Potenzial ausschöpfen wollen, müssen sie aus den Erfahrungen anderer Branchen und anderer Energieversorger im In- und Ausland lernen und die erfolgreichen Ansätze systematischer nutzen", ergänzt Martin Ruppert von der Improve Academy. (sig)