Kommunale Unternehmen haben in den Breitbandausbau investiert. Bild: EWE-TEL

Vectoring-Liste offiziell eröffnet

Netzbetreiber können von sofort an ihre konkreten Ausbauprojekte in das neue Verzeichnis eintragen lassen – es gilt das "Windhund-Prinzip".

Wer einen Kabelverzweiger (KVz), die "grauen Kästen" an den Straßen, als Erster erschließen möchte und sich in die heute (30. Juli 14) eröffnete Vectoring-Liste einträgt, hat diesen für sich reserviert. Allerdings muss das Ausbaudatum für die Erschließung mit der VDSL2-Vectoring-Technik innerhalb eines Jahres – gerechnet vom Zeitpunkt der Eintragung – liegen, teilte der Bundesverband Breitbandkommunikation mit. Wollen mehrere Netzbetreiber einen KVz reservieren, erhält derjenige den Zuschlag, der den KVz am schnellsten mit dieser Technik ausbaut.

Mit dem VDSL2-Vectoring-Verfahren wird der Effekt des Übersprechens zwischen den verschiedenen Leitungen in einem Leitungsbündel weitgehend beseitigt. Das System errechnet für jede einzelne Kupfer-Doppelader eines Bündels die jeweiligen Störeinflüsse und sendet neben dem eigentlichen Nachrichtensignal ein Gegensignal in die jeweilige Doppelader, um so die Störeinflüsse nahezu zu eliminieren.

Da der sog. Vectoring-Effekt auf Kupferleitungen ab einer Leitungslänge von etwa 500 m deutlich abnimmt, ist die Methode daher nur vom nahegelegenen KVz oder einem daran angebundenen Schaltverteiler sinnvoll einsetzbar – vorausgesetzt der KVz ist per Glasfaser bzw. Richtfunk an das Backbone-Netz angebunden.

Die Deutsche Telekom wird die Vectoring-Liste führen – ein Umstand, der Bedenken beim Breko hervorruft. Allerdings setze man darauf, dass die Bundesnetzagentur (BNetzA) die Führung der Vectoring-Liste engmaschig kontrolliere, um Missbrauch auszuschließen. Mit der Liste besteht nun Rechts- und Planungssicherheit für die Telekommunikationsunternehmen.

Breko-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers ist optimistisch was die Anträge der Mitgliedsunternehmen in die Vectoring-Liste angeht: "Die Netzbetreiber des Breko haben ein Investitionsversprechen in Höhe von 9,1 Mrd. € bis 2018 abgegeben und wollen 11,2 Mio. Haushalte und Unternehmen – nahezu drei Viertel der Haushalte außerhalb der Ballungsräume – mit Highspeed-Breitband-Anschlüssen versorgen. Wir setzen alles daran, um diese Zusage auch einzulösen!" Schon jetzt würden die Wettbewerber der Deutschen Telekom deutlich mehr als der Bonner Konzern in den Breitbandausbau investieren.

Die BNetzA hatte im Juni die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen für den Einsatz von VDSL2-Vectoring im Netz der Deutschen Telekom festgelegt. Zwar liegt die Stellungnahme der EU-Kommission zu dem BNetzA-Entscheidungsentwurf noch nicht vor, er ist aber bereits vorläufig in Kraft getreten. (sg)