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Bild: Rheinenergie AG

BMWi: Kein bundesweiter Rollout von Smart Metern

Die Kosten-Nutzen-Analyse zum flächendeckenden Einsatz intelligenter Messsysteme ergibt, dass es zu keinem bundesweiten Rollout kommt.

Die Kosten-Nutzen-Analyse des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) wurde bereits seit Monaten mit Spannung erwartet. Die Analyse soll zeigen, ob der von der EU forcierte flächendeckende Einsatz von Smart Metern in ganz Deutschland überhaupt rentabel ist. Nachdem sich die Ergebnisse zu der Studie immer wieder verzögerten, steht jetzt fest: Einen bundesweiten verbindlichen Rollout von intelligenten Strom- und Gaszählern wird es nicht geben.

"Die Ergebnisse zeigen, dass wir in Deutschland den Ausbau von intelligenten Messsystemen und Zählern gezielt, nämlich Energiewende-konform, ausgestalten müssen; pauschale Ansätze sind nicht situationsgerecht", fasst Staatssekretär Stefan Kapferer zusammen. Die Studie, die das BMWi bei Ernst & Young in Auftrag gab, zeige, dass insbesondere bei Letztverbrauchern mit geringem Jahresverbrauch die Kosten für ein intelligentes Messsystem deutlich die durchschnittlich zu erzielende jährlichen Energieeinsparmöglichkeiten übersteige. "Ein verpflichtender Einbau wäre somit unverhältnismäßig und wirtschaftlich unzumutbar", teilte das BMWi mit.

Der Kosten-Nutzen-Analyse waren Bestimmungen aus dem 3. Binnenmarktpaket und Empfehlungen der EU-Kommission vorausgegangen, die bis 2022 empfahlen 80 % aller Haushalte mit intelligenten Messsystemen für Strom auszustatten. Als Alternative gab es die Möglichkeit eine Kosten-Nutzen-Analyse durchzuführen. Auf deren Ergebnissen aufbauend die Länder eine eigene Smart-Meter-Strategie entwickeln können.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßt das Ergebnis. Positiv sei vor allem, dass der Messstellenbetreiber mit den meisten Zählpunkten innerhalb des Gebietes die neu geschaffene Rolle des "Smart Meter Gateway Administrators" innerhalb eines Verteilungsnetzes übernehme. Die Grundzuständigkeit liege damit bei nur einem Unternehmen pro Netzgebiet, also dem regulierten Verteilnetzbetreiber. Dieser habe jedoch die Möglichkeit zur Kooperation beziehungsweise zur Beauftragung Dritter. Der Letztverbraucher erhalte im Sinne des Wettbewerbs das Recht, einen vom grundzuständigen abweichenden der Smart Meter Gateway Administrator zu wählen.

Aufgabe des Smart Meter Gateway Administrators ist es, die zentrale Rolle im intelligenten Energiesystem zu übernehmen. Er überwacht, konfiguriert und steuert das Smart Meter Gateway. Die Verpflichtung zum Einbau intelligenter Zähler und Messsysteme liegt nach wie vor beim Messstellenbetreiber.

Ebenfalls befürwortet der VKU, dass bei Erneuerbare-Energien- und Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen – d. h. Altanlagen und Anlagen mit einer Anschlussleistung zwischen 0,25 kW und 7 kW - künftig intelligente Messsysteme eingebaut werden müssen. Damit können diese Anlagen einen Beitrag zur Netzentlastung leisten und gleichzeitig besser in das Energiesystem integriert werden, so der VKU.

VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck lobt, dass es nun "endlich klare Rahmenbedingungen" gebe. Komme es zu dem von der Studie empfohlenen "Rolloutszenario Plus", müssten etwa 50 Mio. intelligente Messsysteme und Zähler für Strom und weitere 14 Mio. für Gas bis 2029 eingebaut werden. Außerdem würde die bisher festgelegte Einbauverpflichtung für einen Schwellenwert von 6000 kWh in diesem Szenario nicht weiter abgesenkt werden.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) äußerte sich ebenfalls positiv: "Der BDEW begrüßt die Veröffentlichung der Kosten-Nutzen-Analyse und die klare Aussage, dass ein flächendeckender Rollout von intelligenten Messsystemen für den Großteil der Kunden unwirtschaftlich ist". Gerade für die Verteilnetzbetreiber stelle das in der Studie angeregte, aktive Einspeisemanagement der EEG-Anlagen eine wichtige Option für den sicheren Netzbetrieb und eine effiziente Netzausbauplanung dar.

Das BMWi will als nächstes die Umsetzbarkeit der Gutachter-Empfehlungen "zügig" prüfen. Über die Netzplattform-Arbeitsgemeinschaft Intelligente Netze und Zähler können Verbände und Verbrauchervertreter die Ergebnisse der Studie mit den Gutachtern diskutieren. Die Studie zur Kosten-Nutzen-Analyse für einen flächendeckenden Einsatz intelligenter Zähler (externer Link). (sg)