Die sternförmige Kommunikation im intelligenten Messsystem ist eigentlich für das Jahr 2019 anvisiert. Bild: © Rike/pixelio.de

Achtung vor der Regulatorischen Falle

Rüdiger Winkler, Geschäftsführer des Edna-Bundesverbands, erläutert Hintergründe zur Verzögerung der sternförmigen Marktkommunikation.

Nachdem die beiden Branchenverbände VKU und BDEW die Bundesnetzagentur  darauf hingewiesen haben, dass die zeitlichen Vorgaben im Messstellenbetriebs-Gesetz (MsbG) zum Rollout intelligenter Messsysteme – konkret der Beginn des Zielmodells 2019 – nicht einzuhalten sind, hat sich nun auch die Bundesregierung zu Wort gemeldet.

Staatsminister Rainer Baake erklärte auf eine schriftliche Anfrage der Grünen, dass er die Verantwortung für den Rollout-Start primär „in den Händen der Unternehmen“, etwa Gerätehersteller, Betreiber, Telekommunikations-Netzbetreiber und Energiewirtschaft sehe. Diese müssten gewährleisten, dass zuverlässige Technik von zuverlässigen Unternehmen betrieben werde. „Nur dann erfolgt der Startschuss für den Rollout durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)“, so Baake weiter.

Regierung schließt Verzögerung nicht aus

Je nachdem wann ein intelligentes Messsystem eingebaut werde, werde es nach den jeweils geltenden Regeln zur Marktkommunikation verwendet. Sollten die Standards für die Marktkommunikation nicht rechtzeitig vorliegen, habe die Bundesnetzagentur die Möglichkeit, den Startzeitpunkt der sternförmigen Kommunikation zu verschieben.

Die Grüne Julia Verlinden, Mitglied des Deutschen Bundestags, sieht indes die Bundesregierung in der Verantwortung, angemessene Standards vorzugeben, damit technische Umsetzbarkeit, Datensicherheit und Verbraucherrechte gewährleistet würden. „Bisher hat sie diesen Prozess immer wieder verzögert“, klagt Verlinden. In Industrie und Gewerbe habe man so große Potenziale für mehr Effizienz und Stabilisierung der Stromnetze verschenkt. Die Regierung müsse nun dafür sorgen, dass eine effizientere Energieversorgung in allen Sektoren durch Digitalisierung vorankommt, forderte die Grüne.

Kein diskussionsreifer Vorschlag bislang verabschiedet

Rüdiger Winkler, Geschäftsführer des Bundesverbands Energiemarkt und Kommunikation (Edna), ist sich sicher, dass sich die Marktkommunikation für das Zielmodell definitiv verzögern wird. Denn sonst hätte ein diskussionsreifer Vorschlag bereits im Oktober verabschiedet werden müssen. „Das Tragische ist die regulatorische Falle, die sich damit auftut“, so Winkler weiter.

Die Bundesnetzagentur hatte am 20. Dezember 2016 eine Anpassung der Vorgaben zur elektronischen Marktkommunikation an das Messstellenbetriebsgesetz festgelegt. Das MsbG gibt vor, dass in der Sparte Strom spätestens von 1. Januar 2020 an die Aufbereitung und Übermittlung von Messwerten bei intelligenten Messsystemen direkt durch das Gateway an berechtigte Stellen erfolgen soll. Spätestens dann muss das festgelegte Interimsmodell in der Sparte Strom durch ein Zielmodell ersetzt werden, das dem Grundansatz der „sternförmigen Messwertübermittlung“ Rechnung trägt, erklärt Winkler.

Dilemma der Messwertübermittlung

Im Rahmen des ersten Fachforums „Marktkommunikation“ am 28. April, an dem auch Edna beteiligt ist, hatten VKU und BDEW den Arbeitsstand zum Messwerteaustausch vorgestellt. Die Entwürfe sahen gemäß den Grundannahmen der Bundesnetzagentur eine Plausibilisierung und Ersatzwertbildung durch den Messstellenbetreiber und somit eine standardmäßige Messwertübermittlung an ein Backend-System des Messstellenbetreibers vor. Allerdings darf der Messstellenbetreiber grundsätzlich keine entschlüsselten Messwerte aus dem Gateway erhalten, ist aber gleichzeitig für die Plausibilisierung und Ersatzwertbildung verantwortlich, auch wenn die technische Umsetzung in der Regel und soweit vorhanden direkt im Smart-Meter-Gateway erfolgt, erklärt Winkler das Dilemma.

Eine schnellstmögliche Klärung war jedoch auch nach dem zweiten Fachforum zur Marktkommunikation am 3. Juli „bei Weitem“ noch nicht abgeschlossen, erklärt der Edna-Gechäftsführer. Nun soll im kleinen Kreis, vor allem zwischen Bundesnetzagentur, Physikalisch-Technischer Bundesanstalt (PTB) und dem BSI ein Lösungsszenario entwickelt werden. Der geplante Zeithorizont, bis Ende September  eine entscheidungsrelevante Vorlage zu haben, habe man nicht mehr einhalten können, weshalb mit weiteren Verzögerungen gerechnet werden müsse, bilanziert Winkler. (sg)