Von links: EnBW Technik-Vorstand Hans-Josef Zimmer, Martin Konermann, Technischer Geschäftsführer Netze BW, Umweltminister Franz Untersteller und SAG Technik-Vorstand Sven Behrendt nehmen das „schlaue“ Stromnetz in Sonderbuch symbolisch in Betrieb. Bild: Georg Kliebhan/EnBW

Vorreiter für intelligentes Verteilnetz

In Sonderbuch (Landkreis Reutlingen) arbeitet das erste „schlaue“ Stromnetz der Netze BW.

Das Pilotvorhaben, das gestern symbolisch in Betrieb genommen wurde, ist Teil der „Netzlabore“ der EnBW-Tochter. „Unser Ziel ist es, das intelligente Verteilnetz der Zukunft zu erforschen und zu entwickeln“, unterstrich Martin Konermann, Technischer Geschäftsführer der Netze BW. Sonderbuch wurde aufgrund seines sehr hohen Anteils an installierter Solarstromleistung als Standort ausgewählt. Denn praktisch alle 70 Dächer sind dort mit Solarstromanlagen bestückt, die rein rechnerisch jährlich doppelt so viel Strom erzeugen, wie seine 190 Einwohner verbrauchen. Herausforderungen sind unter anderem die Spannungshaltung sowie eine sinnvolle Nutzung überschüssigen Stroms. Bereits seit einiger Zeit sind deshalb vor Ort intelligente Zähler, ein regelbarer Ortsnetztrafo sowie ein Batteriespeicher installiert.

Dem wurde nun mit einem System zur intelligenten Netzsteuerung I-Nes der SAG-Gruppe „das Sahnehäubchen aufgesetzt“, wie der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller betonte. „Wir können alle wichtigen Betriebsparameter weitgehend automatisiert in sicheren Grenzen halten, so dass nur noch in Notfällen ein Eingriff seitens der Steuerwarte erforderlich sein wird“, unterstrich EnBW Technik-Vorstand Hans-Josef Zimmer die Vorteile. Maximal 10 bis 15 % der Netzknoten müssten mit den Komponenten ausgerüstet werden, die den aktuellen Zustand und anstehende starke Schwankungen im Ortsnetz automatisch registrieren könnten, ergänzte Sven Behrendt, Technik-Vorstand der SAG-Gruppe. Zimmer betonte, dass „Sonderbuch das zentrale Netzlabor der EnBW für die Niederspannung“ sei. Hier könnten „im realen Netz, mit echten Kunden und laufendem Netzbetrieb Technologien und Prozesse in verschiedensten Bereichen erprobt werden“. Die Daten würden innerhalb der kommenden 6 bis 12 Monate von einem Projektmitarbeiter ausgewertet. Ziel sei es, Innovationen im Bereich der Verteilnetze auf die Fläche zu übertragen.

Zu den Kosten des Projektes wollte sich allerdings Netze BW-Sprecher, Ulrich Stark, auf Anfrage der ZfK nicht äußern. Man finanziere das Vorhaben aus eigenen Mitteln als Forschungs- und Entwicklungsprojekt. Investitionen in Smart-Grids wie in Sonderbuch würden im Rahmen der jetzigen Anreizregulierung bisher nicht von der Bundesnetzagentur anerkannt, so Stark. Man baue jedoch auf einen „Lerneffekt der Politik“ und auf die künftige Refinanzierbarkeit durch Netzentgelte. (hcn)